26.01.2012
DETMOLD
Experte zum Fall Arzu: "Freigabe ohne Kopf ungewöhnlich"

Erinnerungen an die getötete 18-Jährige.
Erinnerungen an die getötete 18-Jährige. | Foto: LZ

Detmold (sap). Die Ermittlungen im Mordfall Arzu dauern an – und werfen viele Fragen auf. Am Dienstag wurde die Leiche der 18-Jährigen von der Staatsanwaltschaft in Lübeck freigegeben – allerdings ohne Kopf. Er wurde für rechtsmedizinische Untersuchungen abgetrennt und wird noch genauer untersucht, hieß es dazu lediglich von der Staatsanwaltschaft.

Für Detlef Günther, Leitenden Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, ist das ein eher ungewöhnliches Prozedere. "Für ein solches Vorgehen muss ein triftiger Grund vorliegen", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. In seiner langen Laufbahn als Gerichtsmediziner habe er einen solchen Fall noch nicht erlebt.

Leiche muss bei Jesiden vollständig beerdigt werden

In Ausnahmen, erklärt er, würden Körperteile für weitere rechtsmedizinische Untersuchungen einbehalten, wenn der Leichnam – etwa aus religiösen Gründen – binnen einer bestimmten Frist beigesetzt werden müsse. Doch bei Arzu ist genau das Gegenteil der Fall: So lange ihre Leiche "nicht komplett" sei, könne sie nicht beerdigt werden, erklärte ein jesidischer Geistlicher.

Dass noch genauere Untersuchungen am Kopf nötig seien, spricht laut Gerichtsmediziner Günther dagegen, dass ein Kopfschuss Todesursache war. "So etwas ließe sich schnell ermitteln", sagt er. Vielmehr müsse der Kopf bei der Tötung so stark zerstört worden sein, dass er rekonstruiert und Knochen wieder in Detailarbeit zusammengesetzt werden müssten.

Die Staatsanwaltschaft in Lübeck, nahm auf Nachfrage keine Stellung dazu, weshalb sie die Leiche ohne Kopf freigegeben hat.

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Dokument erstellt am 26.01.2012 um 12:06:26 Uhr
Letzte Δnderung am 26.01.2012 um 15:05:27 Uhr


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