10.02.2012
DETMOLD - UPDATE
Arzu Özmen starb durch Schüsse in den Kopf
Prozess gegen Brüder ist bereits terminiert

Die 18-jährige Arzu Özmen wurde erschossen.
Die 18-jährige Arzu Özmen wurde erschossen. | ARCHIVFOTO

Detmold (-sg-/cap). Die Staatsanwaltschaft Detmold hat am Freitag die Todesursache von Arzu Özmen bekannt gegeben. Demnach ist die 18-jährige Kurdin nach ihrer Entführung durch Schüsse in den Kopf umgebracht worden.

Weitere Details wollte die Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht nennen. Erkenntnisse zum genauen Todeszeitpunkt habe die Gerichtsmedizin noch nicht liefern können, so Oberstaatsanwalt Michael Kempkes.

Vor zwei Wochen wurde die Leiche der 18-Jährigen von der Staatsanwaltschaft freigegeben - allerdings ohne Kopf. Schon da wurde vermutet, dass das Mädchen per Kopfschuss getötet wurde. "Für ein solches Vorgehen muss ein triftiger Grund vorliegen", sagte Detlef Günther, leitender Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, vor zwei Wochen.

Am vergangenen Wochenende wurde Arzu schließlich in der Türkei beerdigt. Kurz davor wurde ihr Kopf von der Staatsanwaltschaft freigegeben, da die rechtsmedizinischen Untersuchungen der Spezialisten in Münster abgeschlossen waren. Nach jesidischem Glauben muss der Leichnam bei einer Beisetzung "komplett" sein. Gegen den Protest vieler Detmolder hatten sich die Eltern dazu entschlossen, ihre Tochter in dem Heimatort in der Türkei beizusetzen, obwohl die 18-Jährige bereits in Deutschland geboren war und die Deutsche Staatsangehörigkeit hatte.

Leiche auf Golfplatz gefunden

Mittlerweile steht Arzus Vater im Visier der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn würden Ermittlungen laufen, sagte der Oberstaatsanwalt Michael Kempkes. In Untersuchungshaft sitze der Mann aber nicht. Auch gegen die Geschwister von Arzu wird ermittelt. Arzus Bruder, Kemal Özmen, wurde vor einer Woche aus der U-Haft entlassen. Zur Begründung sagte Kempkes, dass Kemal als einziger Beschuldigter in Vernehmungen Angaben zur Sache gemacht und zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen habe.

Die Leiche war Mitte Januar 250 Kilometer von Detmold entfernt in Großensee bei Hamburg gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Familie Ö., die jesidischen Glaubens ist, die Beziehung der Tochter zu einem nicht-jesidischen Bäckergesellen unterbinden wollte. Der Glaube untersagt streng genommen Beziehungen zu Nicht-Jesiden.

Am 1. November 2011 wurde Arzu, die seit einigen Wochen in einem Frauenhaus lebte, mitten in der Nacht aus der Wohnung ihres 23 Jahre alten Freundes entführt. Fünf Personen, einige bewaffnet, schlugen den Freund nieder und trugen die sich heftig wehrende Arzu an Armen und Beinen aus dem Haus. Nach Aussage des freigelassenen Bruders Kemal trennte sich die Gruppe dann. Was danach geschah, wisse er nicht. Die anderen Geschwister schweigen zur Tat.

Nach den Vorschriften müsste der Prozess spätestens bis zum 30.
April beginnen, sagte Kempkes. Ansonsten müsse das Oberlandesgericht Hamm über eine Fortsetzung der Untersuchungshaft entscheiden.

Vorsorglich Prozesstermine bestimmt

Hält das Schweigen der U-Häftlinge an, wird die Staatsanwaltschaft das Verbrechen aus DNA-Spuren, gerichtsmedizinischen Gutachten und Telefondaten zu rekonstruieren versuchen und anklagen. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Detmolder Landgericht vorsorglich bereits Prozesstermine bestimmt.

Die Verhandlung im Fall Arzu Özmen soll dort am 30. April beginnen. Die hiesige Justiz will nicht riskieren, dass alle Verdächtigen wegen der bei der U-Haft geltenden Sechsmonatsfrist aus formalen Gründen vor der Hauptverhandlung freigelassen werden.

Der Fall Arzu Özmen

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 10.02.2012 um 10:49:31 Uhr
Letzte Änderung am 11.02.2012 um 11:49:45 Uhr


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