13.02.2012
SCHIEDER-SCHWALENBERG
Gelungener Auftakt der Reihe mit Konzerten im Schloß Schieder
Brüder halten beim Überschwang der Gefühle gekonnt die Balance

Perfekt auch als Tastenduo: Wassily Gerassimez (links) und Bruder Nicolai. Foto: Nevermann
Perfekt auch als Tastenduo: Wassily Gerassimez (links) und Bruder Nicolai. Foto: Nevermann

Schieder-Schwalenberg. Am Ende haben die Gäste stehend Beifall gespendet. Einen besseren Start der Konzertreihe im Schloß Schieder konnten sich die Veranstalter am Freitagabend kaum wünschen.

Wassily und Nicolai Gerassimez, Anfang und Ende Zwanzig, schlossen mit fünf Jahren erste Bekanntschaft mit Violoncello und Klavier. Sie sind Stipendiaten der Werner Richard-Dr. Carl Dörken Stiftung, die an diesem Abend als Partnerin fungierte. Stupende Technik und reifes Verständnis für den Gehalt eines musikalischen Werks gehen bei dem mit diszipliniertem Temperament agierenden Duo eine faszinierende Verbindung ein. Dem kommt auch das um l840 gebaute Cello entgegen, das von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt wurde.

"Ein hochrangiges Programm edelster Klassik" hatte der künstlerische Leiter der Schloßkonzerte, Hannes Sonntag, angekündigt. So standen Werke zweier Meister, die sich auf der Höhe ihres künstlerischen Schaffens befanden, im Mittelpunkt. Johannes Brahms schuf mit seiner F-Dur-Sonate ein Opus, in dessen emphatischen Duktus sich die Brüder geradezu hinein stürzten. Doch bei aller emotionalen Aufgewühltheit wurde partnerschaftlich immer die Balance gehalten. Zu den wohl schönsten Eingebungen der Musik des 19. Jahrhunderts gehört das Adagio, in dem das Cello in samtig-dunklen Melodienbögen atmet.

Als Perle der Hochklassik gilt auch die von Ludwig van Beethoven geschaffene Sonate in A-Dur. Der kaum zähmbare Überschwang wird durch sanfte Süße konterkariert, die Derbheit des Scherzos durch fast zärtlich wirkende Pizzicati aufgelockert. Heftigen Ausbrüchen stehen Passagen innigsten Gefühls gegenüber.

Am Anfang des Abends stand ein Claude Debussy, der von einer weithin unbekannten Seite zu erleben war. An die Stelle des flirrenden Impressionismus ist eine klare, fast linear wirkende Tonsprache getreten, die sich an Komponisten des französischen Barock orientiert. Auch die Pierrot-Figur der Comédie Francaise wird lautmalerisch in die Abläufe einbezogen. Zitate alter Meister verwendet auch Wilhelm Killmayer, Jahrgang 1927, in seinen acht Bagatellen, an deren Ende die reinste Filmmusik für eine turbulente Action-Komödie steht.

Doch Wassily Gerassimez setzte mit einer eigenen Komposition namens "Übergang" noch eins drauf. Hier mußte der Flügel auch einmal als Percussion-Basis dienen, und plötzlich saßen die Brüder einträchtig musizierend vor den Tasten. Für weitere Überraschungen dürfte demnach gesorgt sein.(Nv)

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Dokument erstellt am 13.02.2012 um 00:10:12 Uhr
Letzte Änderung am 13.02.2012 um 17:18:50 Uhr


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