14.02.2012
DETMOLD
"Der Wind in den Weiden" feiert Premiere auf der Landestheater-Jugendbühne "Kaschlupp!"
Die Läuterung des Kröterichs
VON ANDREAS BECKSCHÄFER

Von widerspenstiger Natur
Von widerspenstiger Natur | Foto: Beckschäfer

Detmold. Der TheaterClub des Landestheaters hat das Stück "Der Wind in den Weiden" auf die Bühne des "Kaschlupp!" gebracht - ein Kinderbuchklassiker. Für eine gelungene Premiere gab es reichlich Beifall.

Schwarz gekleidete Menschen, viele schlichte Kartons von unterschiedlicher Größe als Bühnenbild, ein blaues Tuch, das war’s. Diese Szenerie wirkt farblos, ein wenig öde gar - und irgendwie auch geheimnisvoll. Die Darsteller legen erst auf der Bühne jene Accessoires an, die sie in ihren jeweiligen Rollen identifizierbar machen: Der Kröterich etwa trägt eine grüne Duschhaube, die Maulwürfe bedecken ihr Haupt mit braunen Mützen, Dachs und Katze wanden sich mit Fell.

Es wird deutlich: Kenneth Grahame’s literarischer Klassiker "Der Wind in den Weiden" soll hier eher erzählt denn gespielt werden. Im Laufe der Geschichte treten die einzelnen Figuren abwechselnd in den Vordergrund, tragen Textzeilen aus der Buchvorlage vor. Das parallel ablaufende Bühnengeschehen verlangt den Zuschauern viel Phantasie ab: Die Kartons werden zu Hecken oder Baumstämmen gestapelt, aus ihnen wird  mal ein Boot, mal ein dichter Wald oder ein herrschaftliches Schloss. Allerdings nur dann, wenn die Vorstellungskraft ausreicht, um eben nicht spröde Kartons, sondern die Bausteine einer fabelhaften Welt in ihnen zu sehen.

Vielleicht ist es eben das, was Poesie ausmacht: In der Inszenierung von Matthias Brandt bleibt die Wirklichkeit stets sichtbar, sie wird nur anders gedeutet. Doch sich darauf einzulassen und so den Alltag kurz von den Gleisen zu schieben, ist eine Aufgabe, die der Betrachter noch selbst erfüllen muss.

Hilfreich ist hierbei das gelungene Spiel mit dem Licht (Design und Technik: Bernd Marius Binder): Wie allein die Farben und die Intensität der Beleuchtung ganz und gar unterschiedliche Stimmungen entstehen lassen, ist faszinierend. Stark ist auch die darstellerische Leistung des Ensembles, das in munteren Momenten lustvoll, in den eher stillen Augenblicken angemessen zurückhaltend agiert.

Die eigentliche Geschichte Grahame’s, die von der Läuterung des Kröterich erzählt, der sich von der Natur entfernt hat, gerät zu Gunsten der poetischen Bildsprache fast ein wenig in den Hintergrund. "Mir hat es gefallen", sagt der neunjährige Leon: "Am schönsten war die Szene, als alle Tiere gemeinsam im Dachsbau am warmen Lagerfeuer gesessen haben." Er spricht ganz selbstverständlich von Tieren, dem Dachsbau  und einem wärmenden Lagerfeuer, nicht von Schauspielern, Kartons und Licht: Das Kopfkino hat funktioniert.

Weitere Aufführungen sind am Freitag, 17. Februar, Samstag, 25. Februar, Donnerstag, 1. März, jeweils um 19.30 Uhr,  sowie am Freitag, 9. März, 18 Uhr, auf der Bühne des "Kaschlupp!", Bahnhofstraße 1.

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 13.02.2012 um 20:35:38 Uhr
Letzte Änderung am 13.02.2012 um 20:37:35 Uhr


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