Detmold. Als gescheit und eigenwillig wird sie beschrieben: die spätere Pauline Fürstin zur Lippe (1769-1820). Das macht sie mir sympathisch.
Schon als Teenager setzt sie sich mit Regierungsfragen auseinander. Nach der Heirat mit Leopold Fürst zur Lippe verbringt die Adelige ihre Nachmittage nicht stickend im Schloss, sondern erkundet ihre Heimat. Sie verschließt die Augen nicht vor der bitteren Armut der Menschen, sondern holt Jugendliche von der Straße, sorgt für Beschäftigung und zahlt die Gehälter der Lehrerinnen aus der eigenen Schatulle – höchst lobenswert.
Doch vor allem eines setzt ihrem sozialen Engagement die Krone auf: Sie gründet 1802 den ersten Kindergarten Deutschlands und ein Krankenhaus für Pflegebedürftige. Historiker sagen heute, sie war ihrer Zeit weit voraus, deshalb konnte sie sich auch nicht mit allen ihren Vorstellungen durchsetzen.
Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt die Mutter 1802 die Herrschaft über das Fürstentum Lippe für ihren unmündigen Sohn. Jetzt stellt sie ein weiteres Talent unter Beweis: staatsmännisches Geschick. Mit Diplomatie erreicht Pauline bei Napoleon den Beitritt Lippes in den mit Frankreich verbündeten Rheinbund. Die Souveränität Lippes ist gerettet. So viel Frauenpower verdient gewürdigt zu werden. Da verzeihe ich Pauline auch ihre Einschätzung, dass die Armut ihre Quelle im lippischen Volkscharakter habe. Denn zum Nichtstun neigt doch der Lipper wahrlich nicht, oder?(co)
Schreiben Sie uns, wer für Sie der bedeutendste Lipper aller Zeiten ist. Dazu reicht eine E-Mail unter
nummereins@lz-online.de oder eine Postkarte an LZ-Marketing, Ohmstraße 7, 32 758 Detmold. Einsendeschluss: 24. Dezember.