Kreis Lippe. Der Weg, den Gerhard Schröder zurückgelegt hat, ist ein bemerkenswerter. Der spätere Bundeskanzler (1998-2005) wurde am 7. April 1944 in Mossenberg bei Blomberg geboren. Wenige Monate später fiel sein Vater in Rumänien. Schröder wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf. Nach der Volksschule lernte Schröder von 1958 bis 1961 Einzelhandelskaufmann in Lemgo. Zugleich ging sein "Stern" beim TuS Talle auf: Der zwar nicht allzu große, aber dafür mit enormem Kampf- und Siegeswillen ausgestattete Schröder war ein Vollblutstürmer, den alle nur "Acker" nannten.
In die SPD trat er 1963 ein. Von 1978 bis 1980 war er Bundesvorsitzender der Jusos. Aus dieser Phase stammt die Anekdote vom Jungpolitiker Schröder, der am Zaun des Kanzleramts rüttelte und "Ich will da rein" rief. Nun, nachdem er acht Jahre lang Ministerpräsident des Landes Niedersachsen war, wurde er mit den Stimmen von SPD und Grünen am 27. Oktober zum siebenten Kanzler der Bundesrepublik gewählt. 2002 gelang ihm die "Titelverteidigung". Die von Schröder selbst mit einer Vertrauensfrage forcierten vorgezogenen Neuwahlen in 2005 verlor er.
Seitdem ist Schröder, der seit Jahrzehnten in Hannover lebt, ein wenig untergetaucht. Zunächst nahm er einen Posten bei einem Tochterunternehmen des russischen Gasriesen Gazprom an. Dazu ist er bei einer New Yorker Agentur als Vortragsredner unter Vertrag. Im Oktober 2008 gab es den vorerst letzten Besuch des einstigen "Medienkanzlers" in Lippe: Er kam persönlich zu seiner Goldenen Konfirmation nach Talle – ohne Rummel. Der Gerhard Schröder von heute ist ein Privatmensch mit einer bemerkenswerten Lebensgeschichte.(Rei)