Kreis Lippe. In Lippes Geschichte gibt es bedeutende Frauen – wie die Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Marianne Weber, die 1922 als erstes Weibsbild in Deutschland die Ehrendoktorwürde in der Rechtswissenschaft erhielt.
Geboren am 2. August 1870 in Oerlinghausen, wuchs Marianne Schnitger nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei der Oma väterlicherseits in Lemgo auf. Nach der Heirat mit dem Soziologen Max Weber (1893) begann ihr Engagement in der Frauenbewegung, außerdem nahm sie philosophische und wissenschaftliche Studien auf. In den Büchern, die sie ab 1900 veröffentlichte, ging es vornehmlich um die Rechte der Frau in der Geschichte des Ehe- und Familienrechts. "Wir wollen unsere Töchter nicht (...) ahnungslos in die Arme des Mannes werfen. Wir wollen ihnen endlich die Bildung und geistige Selbständigkeit mitgeben, die sie befähigt, später auch ihren Söhnen nicht nur Pflegerinnen, sondern geistige Kameradinnen zu sein, in der festen Überzeugung, daß jede Steigerung der Achtung vor der Frau, nicht als Geschlechtswesen, sondern als Mensch, auch die sittliche Kultur des Mannes steigert", sagte sie 1909.
In der Politik mischte die gebürtige Lipperin ebenfalls mit, saß für die Deutsche Demokratische Partei im badischen Landtag. Parallel übernahm sie 1919 den Vorsitz des Bundes Deutscher Frauenvereine. Als ihr Mann 1920 starb, kümmerte sie sich um die Veröffentlichung seiner Arbeiten, zog "nebenbei" die vier Kinder ihrer verstorbenen Schwägerin Lilly groß. Schließlich – bis wenige Jahre vor ihrem Tod 1954 – widmete sich die Frauenrechtlerin der ersten Stunde wieder der eigenen Schriftstellerei. (mib)