Kinder ergründen die Geheimnisse des Landestheaters mit mehr als 100.000 Kostümen
Detmold. Die "LiSA"-Kinder machen Theater: Die zweite Veranstaltung der Lippischen Schüler-Akademie (LiSA) der LZ hat die Teilnehmer ins "Kaschlupp!" und hinter die Kulissen des Landestheaters geführt.
Die Scheinwerfer sind aus, die Ränge im "Kaschlupp!" bleiben an diesem Dienstag leer. Und doch ist einiges los auf der Bühne des Kinder- und Jugendtheaters, wo Matthias Brandt die "Lisianer" antreibt: "Mehr Tempo in die Aktion, ihr seid doch alle noch jung und dynamisch."
Und tatsächlich gewinnt das Spiel auf den Brettern gewaltig an Fahrt: "Zipp", "Zapp" und "Boiing" klingt es durch den Raum, als die Kinder sich vor imaginären Tonklumpen ducken, die da - wenn auch nur in ihrer Fantasie - quer durch das Theater fliegen.
Es läuft eine von vielen aktiven Übungen, mit denen der Theaterpädagoge den 9- bis 12-Jährigen die Geheimnisse der Körpersprache, wie etwa die Wirkung von Mimik und Gestik, näherbringt. Kurz darauf verteilt der neunjährige Rene Knorr fleißig Ohrfeigen an seinen Partner - allerdings nur gespielt, als Teil einer pantomimischem Szene.
Im Nebenraum in dem Stefanie Bertram die LiSA-Kids Improvisationstheater spielen lässt, entwickeln die Kinder derweil eigene Ideen. Ein Mädchen kniet sich in den Raum und behauptet: "Ich bin ein Hund!" Der 10-jährige Ron erfüllt die Aufgabe, etwas zu dieser Figur passendes darzustellen, sehr kreativ: "Ich bin das Futter", meint der Viertklässler - und legt sich vor dem "Vierbeiner" auf den Boden.
Nach diesem kleinen Theaterworkshop sind die LiSA-Kids "bühnenreif", und es geht weiter ins Landestheater. Die große Bühne dort ist gerade besetzt durch das Ensemble des Stückes "Das Wirtshaus im Spessart", das in den letzten Proben zur Premiere steckt. Aus luftiger Höhe unter dem Dach des Schauspielhauses beobachten die Kinder lachend eine Szene aus der Komödie, in der die erwachsenen Schauspieler mit Bobby-Cars auf der Bühne umher fahren.
Noch aufregender ist für die Meisten jedoch der Blick in die "Schatzkammer" des Landestheaters, den Fundus, in dem mehr als 100 000 Kostüme lagern. Dort setzt sich Lukas Stall einen orientalisch anmutenden Hut auf den Kopf und verkündet stolz, er sei jetzt "eine Moschee".
Die LiSA-Kids hüllen sich mit solcher Begeisterung in immer neue Verkleidungen, dass es Landestheater-Mitarbeiter Mohammed Ahmed sichtlich schwer fällt, alle Kinder wieder einzusammeln, um die Führung fortsetzen zu können. Über unzählige Treppen und durch schmale, verwinkelte Gänge führt der weitere Weg durch das "Theaterlabyrinth", und nach Besuchen in der Requisite, bei den Technikern und in der Schneiderei ist die exklusive Führung beendet. Zur Frage, welcher Teil dieser LiSA-Aktion ihm besser gefallen habe, fällt Ron Sanner abschließend ein höchst diplomatisches Urteil: "Beides!"