Lemgo. Wenn Prinzessinnen und Prinzen vom Thron zu plumpsen drohen, weil ein Geschwisterchen unterwegs ist, wird es meist schwierig. Die LZ sprach mit Müttern und einer Expertin über ihre Erfahrungen.
Zärtlich streicht die dreijährige Mia ihrer Schwester Finja (sechs Monate) über das Gesicht. Lennard (6) nimmt seinen dreijährigen Bruder Jannis wie selbstverständlich an die Hand. Die Prinzessinnen und Prinzen von Kirchheide positionieren sich mit Krone und Stolz zum Foto. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren Mia und Lennard die einzigen Regenten in ihrem Familienreich. Unumstößlich ihr Thron, sorgenfrei ihr Leben ohne Konkurrenz, bis - ja, bis Mama das Baby im Bauch hatte. "Bei uns lautete die Devise, solange man nichts sieht, sagen wir Mia nichts", erinnert sich Mama Andrea Bobe lächelnd.
Doch dann erfuhr Mia schon früh von anderen über vom Geschwisterchen in spe. "Im Nachhinein war das gut, denn so konnte sie sich Schritt für Schritt vorbereiten, hat erst gar keine Eifersucht entwickelt und die Freude konnte mit meinem Bauch wachsen", ist sich die stolze Mama sicher. Mia nickt, als wüsste sie noch alles und verrät mit einem Lächeln: "Ich durfte sogar mit zum Fernsehgucken." Der Ultraschall brachte ihr das winzige Wunder Schwester sichtlich näher.
Wie sage ich‘s meinem Kind?
Wenn ein Baby sich ankündigt, ist eine gute Vorbereitung wichtig. "Darin sollte das Geschwisterchen unbedingt mit eingebunden werden", rät Kindergartenleiterin Annette Hahmeier. Ob es um das zu vererbende Kinderbett geht, das Bild für den Wickeltisch oder auch die Frage, wo das Baby schläft, sie sollten mitreden dürfen. "Offen über die Veränderungen sprechen, die sich mit der neuen Schwester oder dem Bruder ergeben, sind wesentliche Aspekte, um sich in die Rolle einfinden zu können", weiß die Erzieherin. Unbedingt zu achten sei darauf, keine falschen Hoffnungen zu wecken, indem beispielsweise der lang ersehnte Spielkamerad angekündigt werde. Weitere Informationen und Ratgeber gibt unter www.elternwissen.com, www.eltern.de oder auch www.elternimnetz.de
Annette Hahmeier, Leiterin des Kindergartens in Kirchheide, weiß: "Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist schwierig. Zwei- bis Vierjährige reagieren oft am empfindlichsten. Grundsätzlich gilt, je kleiner die Kinder, umso später sollte es gesagt werden, denn kleine Kinder haben kein Zeitgefühl."
Zu wenig Zeit spielte eine wesentliche Rolle bei der eher problematischen "Entthronung" von Lennard. Er war damals noch keine drei Jahre alt, als Bruder Jannis zu früh zur Welt kam. "Es ging alles so schnell. Wir waren alle nicht vorbereitet auf die plötzliche Entbindung", erzählt Mama Gaby Bischoff. Lennard erinnert sich nicht mehr daran, nur noch an das Stofftier, seinen geliebten Löwen, den Papa ihm schenkte, als er Bruder wurde. Das schläft heute noch mit in seinem Bett wie in den Nächten danach, als Jannis im Brutkasten lag. Gaby Bischoff meint: "Die erste persönliche Begegnung der beiden fand erst nach vier langen Wochen statt. Das erste Mal durfte Lennard seinen Bruder nur durch eine Scheibe angucken." Mit großen Augen und noch größerem Unverständnis darüber, was eigentlich passiert und warum Mama weg war. "Ihm fehlte wie uns einfach eine ganze Menge", so Gaby Bischoff. Das fertig eingerichtete Babyzimmer oder auch der Name des Babys. Letzterer macht Erstklässler Lennard hellhörig und er verkündet stolz: "Den durfte ich auswählen". Der kleine Anfang zu einer wunderbaren Freundschaft, die heute die beiden Brüder verbindet.