Donnerstag, 17.05.2012
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08.04.2011
FAMILIENBANDE
Das schlechte Gewissen schwindet nie
Kind und Karriere müssen kein Widerspruch sein - aber es bleibt schwierig
VON MARIANNE SCHWARZER

Zwischen Beruf und Familie: Adelheid Starke-Mathes ist engagiert im Job. Aber Töchterchen Carla möchte sie um nichts auf der Welt missen. | Foto: Preuss

Detmold. Viele Frauen wollen heute beides: Karriere und Nachwuchs. Doch der Spagat zwischen Büro und Kinderzimmer ist und bleibt schwierig, weiß die Detmolderin Adelheid Starke-Mathes aus eigener Erfahrung.

Carla ist gut drauf. Die quirlige Dreijährige hat zwar schon einen Tag im Kindergarten hinter sich, aber sie tobt durchs Wohnzimmer und steckt noch immer voller Energie. Das kann Mama Adelheid Starke-Mathes nicht gerade von sich behaupten: Heute morgen hat sie bereits um 7.30 Uhr im Bad Pyrmonter Büro gesessen und sich beeilt, um es pünktlich zum Kindergartenschluss wieder nach Detmold zu schaffen. "War ein turbulenter Tag" sagt die Frau im schicken Hosenanzug und streicht sich die blonden Haare aus dem Gesicht, während das Töchterchen auf ihrem Schoß herumturnt.

Bei Phoenix Electronics ist sie Gruppenleiterin im internationalen Vertrieb für Automatisierungssysteme. Strategisches Marketing, rationales Planen, Automatisierung - diese Themen bestimmen ihren Arbeitsalltag. Und vor vier Jahren hätten sie und ihr beruflich ebenfalls viel beschäftigter Mann sich auch nicht so recht vorstellen können, wie denn ein kleines Mädchen da hineinpassen könnte. "Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, als ich merkte, dass ich schwanger bin", erzählt die 44-Jährige.

Sehr schnell habe aber auch festgestanden, dass es für sie nicht um ein "entweder - oder", sondern nur um ein "sowohl als auch" gehen würde. Lange ausgefallen ist sie wegen Schwangerschaft und Geburt nicht: "Ich habe ziemlich bald nach der Geburt wieder angefangen, und das war auch gut so." Denn nur für Klein Carla dazusein, reichte ihr nicht: "Natürlich war ich oft abends kaputt, aber ich brauchte auch einfach Beschäftigung für den Kopf."

Dass der Arbeitgeber ihr ein Home-Office spendiert hat, war eine große Erleichterung: "So hatte ich die Sicherheit, dass nicht alles zusammenbricht, wenn die Kleine mal krank ist." Auch wenn die Internetgeschwindigkeit aus dem Einfamilienhaus mitunter zu wünschen übrig lässt. Die Toleranz innerhalb des Teams und die Bereitschaft des Arbeitgebers, ihre Leitungsposition freizuhalten, waren eine tolle Unterstützung. "Ich habe mit zehn Wochenstunden wieder angefangen und nach und nach erhöht", erzählt Adelheid Starke-Mathes. Anfangs hat eine Kinderfrau zuhause die Betreuung übernommen, und mit eineinhalb Jahren ist Carla in den Kindergarten gekommen, somit war und ist alles ganz gut planbar.

Und wie gelingt dann nach einem Tag wie heute der Sprung in das Mutterleben? - "Natürlich geht mir während der Autofahrt von der Arbeit noch allerhand durch den Kopf. Und wenn ich vor dem Kindergarten halte, atme ich noch einmal tief durch und lasse das hinter mir."

Leichten Herzens? - Nicht so ganz. "Eigentlich habe ich immer ein schlechtes Gewissen. Nicht nur wegen Carla, sondern auch wegen des Jobs." Aber bereut hat sie es dennoch nie. Und sie weiß: Irgendwann werden auch aus kleinen Mädchen erwachsene Töchter.



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