Kreis Lippe (sc). Im Angebot sind Hosen, Jacken, Schuhe, Bücher und Spielsachen - alles für den Nachwuchs und alles aus zweiter Hand. Seit ein paar Jahren schießen die Kinderflohmärkte wie Pilze aus dem Boden, kein Wochenende vergeht ohne Schnäppchenjagd von Mama und Papa. Auch in Kindergärten, Schulen und Gemeindehäusern gehören sie mittlerweile zum festen Bestandteil.
Keine Frage, so ein Kind kostet richtig viel Geld. Kaum passt die Hose, der Pullover oder die Jacke, schon ist das Kind wieder herausgewachsen. Und wer in seinem Familien- oder Freundeskreis keine gebrauchten Sachen von der Erstausstattung bis zum Barbiehaus abstauben kann, greift gerne auf Secondhand-Spielzeug und gebrauchte Klamotten zurück. Auf Kinderflohmärkten lautet deshalb das inoffizielle Motto: "Von Müttern für Mütter".
Es gibt fast ausnahmslos gebrauchte Ware, mal "wie neu", mal mit Gebrauchsspuren. Die lassen sich bei Kindern nun mal nicht vermeiden. Neben der klassischen Variante "Verkauf hinterm Tapeziertisch gegen Standgebühr und Kuchenspende", kommen immer mehr vorsortierte Kinderflohmärkte in Mode. Hier geben die Verkäufer ihre Waren einfach ab, die zuvor mit zugeteilter Nummer, Größe und Preis ausgezeichnet werden. Vorteil: "So müssen Verkäufer hier nicht um jedes Teil verhandeln, Käufer können gezielt an den vorsortierten Tischen bei den gesuchten Größen stöbern", sagt Tina Wöhrmann.
Gemeinsam mit Melanie Schmudde und Angelika Schröder hat sie zum zweiten Mal im Gemeindehaus der Sylbacher Kirchengemeinde solch einen Flohmarkt organisiert. Von 50 Startern werden hier Kisten mit Klamotten, Schuhen, Spielzeug, Büchern, Kinderwagen oder Autositzen ausgepackt, positioniert und dekoriert. "Der Bedarf ist groß, wir hätten noch mindestens 20 weitere Nummern vergeben können, aber wir kommen so schon an unsere Grenzen", betont Melanie Schmudde.
Insgesamt 16 Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf, und beim "Butterbrot-Ausschuss", wie die Damen in der Cafeteria liebevoll genannt werden, gibt’s Stärkung nach dem Flohmarkt-Einkauf. Besuchermassen drängen sich durch die zahlreichen Tisch-Reihen: Werdende und erfahrene Mütter, seltener Väter, im kollektiven Einkaufsrausch. Der Frauenüberschuss auf solch einer "Veranstaltung" ist offensichtlich. Die Ausstattung des Nachwuchses scheint immer noch Frauensache. Am Ende wird abkassiert: zwei Euro Startgeld sowie zehn Prozent des Verkaufserlöses bleiben bei den Veranstaltern. "Mit den Einnahmen wird ein Spielgerät gekauft, das hinter dem Gemeindehaus aufgestellt werden soll", verrät Tina Wöhrmann. Nicht verkaufte Hosen, Jacken, Schuhen und Spielsachen können entweder wieder abgeholt oder bei der Gemeinde abgegeben werden, die alles an ein Kinderheim in der Ukraine weiterleitet. "Der Erfolg lässt die viele Arbeit schnell vergessen", betont das Trio. Am 24. September 2011 heißt es dann erneut: Die Jagd nach den Schätzen aus zweiter Hand kann beginnen.