Detmold. Bei dieser Familie geht sprachlich alles querbeet. Neben Deutsch unterhalten sich Eltern und Kinder auf Englisch und Russisch.
Dabei spricht jeder mit jedem in einer bestimmten Sprache. "Unsere Mutter spricht mit uns beiden englisch, unserer Papa russisch. Im Kindergarten und in der Schule sprechen wir deutsch", verkündet Mischa (7).
Sein Vater Mikhail Gurewitsch (35) stammt aus St. Petersburg, seine Mutter Masako Miyazaki-Gurewitsch (43) gebürtig aus Tokio, sie wuchs jedoch in Los Angeles und Chicago auf. Die Amerikanerin unterhält sich mit ihrem Mann und den Kindern Mischa (7) und Evgenia (3) auf Englisch. Das Musikerehepaar hat sich an der Musikhochschule Detmold kennen- und lieben gelernt. Mikhail Gurewitsch ist Leiter des Kammerorchesters "do.gma", seine Frau unterrichtet an der Hochschule Klavier.
Mehrsprachigkeit
Für entscheidend hält Masako Miyazaki-Gurewitsch, dass die Kinder schon früh in die Kindertagesstätte kamen und dort halbtags nur Deutsch gesprochen haben. Sie liebt es, den Kindern beim Deutsch sprechen zuzuhören. Die Mutter fördert Kontakte der Kinder untereinander und interessiert sich für die deutsche Sprache und Kultur. "Sprache ist wichtig, damit die Kinder spüren, woher sie kommen", erklärt Masako Miyazaki-Gurewitsch. Das ist ein weiterer Grund, neben der Weltläufigkeit und der künftigen beruflichen Perspektiven, weswegen beide Eltern die Mehrsprachigkeit befürworten.
Das Ehepaar hat sich bewusst dafür entschieden, die Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen. "Auch wenn es manchmal einfacher wäre Deutsch zu sprechen, versuchen wir, dass jede Bezugsperson konsequent eine Sprache mit ihnen spricht", erzählt Mikhail Gurewitsch lebhaft. Und hat damit nur gute Erfahrungen gemacht. "Es ist nicht schwer, alles unter einen Hut zu bekommen."
"Als Mischa ein Baby war, war jedes Gesicht für ihn eine Sprache", schmunzelt Masako Miyazaki-Gurewitsch. Und das ist auch heute noch so. Die Sprache, die ein Mensch als erstes zu den Kindern spricht, scheint sie für diese zu polen, die Verwendung einer zweiten irritiert sie. Sind Gäste eingeladen, sprechen alle Deutsch - das ist für die Kinder inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Sie sprechen kein sprachliches Kauderwelsch, sondern verwenden immer nur eine Sprache. Sucht Mischa mal nach einem Wort auf Deutsch, wird es ihm gesagt.
Seinem Sohn hat Mikhail Gurewitsch das russische Alphabet selbst beigebracht – spielerisch mit einigen Minuten täglich, wie die Mutter betont. "Das Interessante ist, dass er sich das Lesen auf Deutsch selbst beigebracht hat, und zwar erst, nachdem er russisch lesen konnte", sagt der Vater.
Die Eltern verhehlen nicht, dass die konsequente Spracherziehung außerhalb der Familie manchmal auf verwunderte Blicke stößt, zum Beispiel auf dem Kinderspielplatz. Doch im international besetzten Freundeskreis und an der Musikhochschule sind zumindest zweisprachig aufwachsende Kinder nichts Ungewöhnliches. Mit drei Sprachen ist bei Gurewitschs zunächst einmal Schluss. Weitere könnten sich die Kinder später aneignen, finden die Eltern. Und so schnell, wie Mischa Deutsch, Russisch und Englisch gelernt hat, dürfte ihm das wohl nicht schwer fallen.