Donnerstag, 17.05.2012
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08.04.2011
FAMILIENBANDE
"Disco und Koala, Essen ist fertig!"
Standesbeamtin Heike Weber-Sullivan rät von allzu ungewöhnlichen Namen ab
DAS INTERVIEW FÜHRTE LZ-VOLONTÄRIN KATHARINA PAVLUSTYK.

Namensexpertin: Heike Weber-Sullivan. | Foto: Pavlustyk

Bad Salzuflen. Ist ein Kind unterwegs, stellen sich Eltern viele Fragen. Eine: Wie soll er oder sie heißen? Standesbeamtin Heike Weber-Sullivan erklärt, wo die Grenzen in Sachen Namensgebung liegen.

Frau Weber-Sullivan, können Eltern ihre Kinder Disco oder Koala nennen?

Heike Weber-Sullivan: Es kommt immer auf die Standesbeamtin an. Ich würde, glaube ich, nicht zustimmen. Es sei denn, die Eltern wenden sich an die Namensberatungsstelle der Uni Leipzig und können nachweisen, dass es so einen Namen gibt. Denkbar wäre es, Disco oder Koala mit einen anderen Namen zu vergeben, der das Geschlecht bestimmt.

Info
Persönlich

Heike Weber-Sullivan hat ihre Ausbildung an der Standesamtsakademie in Bad Salzschlirf und beim Standesamt der Stadt Bad Salzuflen absolviert. Die 59-Jährige ist mittlerweile seit elf Jahren Standesbeamtin; sie war Sachgebietsleiterin in der Verwaltung und nebenbei für Aufgaben des Standesamtes zuständig. 2007 hat sie die Leitung des Standesamtes übernommen, das im historischen Rathaus angesiedelt ist. Heike Weber-Sullivan lebt in Bad Salzuflen, ist verheiratet und hat eine Tochter. (kpa)

Ist das bei der Namensgebung ausschlaggebend - zu erkennen, ob es sich um Junge oder ein Mädchen handelt?

Weber-Sullivan: Nun, das hat sich durch die Globalisierung ein bisschen geändert. Alles ist etwas lockerer geworden. Andrea kann sowohl männlich als auch weiblich sein.

Haben Sie schon mal Eltern ihren Wunschnamen versagt?

Weber-Sullivan: Nein. Es kam vor, dass ich bei besonders ungewöhnlichen Namen gesagt habe, dass sie das überdenken und vielleicht einen weiteren Namen bestimmen sollen. Man sollte der Standesbeamtin gestatten, dass sie etwas dazu sagen darf...

Legen Sie bei geschichtlich negativ behafteten Namen kein Veto ein?

Weber-Sullivan: Sie meinen Namen wie Adolf?

Zum Beispiel...

Weber-Sullivan: In solchen Fällen würde ich ungern zustimmen. Aber es ist mir noch nicht untergekommen, dass Eltern ihr Kind Adolf nennen wollten – obwohl der Trend in Richtung alte Namen geht.

Welche Trendnamen gibt es noch momentan?

Weber-Sullivan: In Bad Salzuflen ist es ganz gemischt - von Mattes und Finn über Jonathan und Mathilde ist alles dabei, eine bunte Palette. Was für mich ein Herzenswunsch ist: dass man Kindern keinen Bindestrich gibt. Das Kind läuft sein ganzes Leben lang damit herum, muss den Bindestrich immer mitschreiben. Außerdem kommt es selten vor, dass Kinder mit beiden Namen gerufen werden. Wenn schon mehrere Vornamen - dann bitte ohne Bindestrich.

Sie sagen es zurecht: Ein Name begleitet einen Menschen ein Leben lang. Aber es ist ja möglich, seinen Namen wieder zu ändern...

Weber-Sullivan: Ja, zum Beispiel die Wiederaufnahme des Geburtsnamens nach einer Scheidung, Angleichung an das deutsche Namensrecht bei Einbürgerung, die öffentlich-rechtliche Namensänderung. Dafür muss es allerdings eine gute Begründung geben. Es reicht nicht zu sagen: ‚Mein Name gefällt mir nicht‘. Denn eine solche Phase macht doch fast jeder durch, in der man sich fragt: ‚Wie konnten meine Eltern nur?‘

Was wäre denn ein guter Grund für eine Änderung?

Weber-Sullivan: Bei Vornamen müsste es schon etwas außergewöhnliches sein. Im Kurdischen gibt es zum Beispiel den Vornamen Naze, das weich, also Nase, ausgesprochen wird. Wenn das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit bekommt und hier eingeschult wird, wäre es ein Grund, den Namen zu ändern.

... und bei Nachnamen?

Weber-Sullivan: Wenn der Namensgeber straffällig geworden ist, wenn Missbrauch vorliegt, wenn Menschen durch den Namen psychisch belastet sind. Auch wenn Menschen gezwungen sind, ihre ganze Identität zu wechseln.

Wie viel kostet eigentlich eine Namensänderung?

Weber-Sullivan: Bei Vornamen zwischen 2,55 und 250 Euro, bei Nachnamen zwischen 2,55 und 1022 Euro. Das ist nach dem Einkommen gestaffelt. Was ich wichtig finde: Wenn ein Paar zusammen, aber nicht verheiratet ist, sollte die Mutter dem Kind nicht den Nachnamen des Vaters geben. Denn nach einer Trennung haben Mutter und Kind verschiedene Nachnamen.

Na ja, an so was wollen Paare, die ein Kind erwarten, wohl nicht denken...

Weber-Sullivan: Natürlich nicht. Aber ich habe im Nachhinein oft mit jungen Frauen zu tun, die das Ganze wieder rückgängig machen wollen.

Wie ist das bei Ihnen? Würden Sie lieber anders heißen?

Weber-Sullivan: Als kleines Kind wollte ich immer Carmen heißen. Heute bin ich mit meinem Namen glücklich.



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