Mittwoch, 23.05.2012
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10.11.2010
HERFORD
Richter erteilt Massenfreispruch für Raser
Helmut Knöners Vorwurf: Blitzer dienen der Geldschneiderei
VON JOBST LÜDEKING

Streitbar | FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Den Verdacht haben viele geblitzte Autofahrer, doch Amtsrichter Helmut Knöner aus Herford spricht ihn aus: Radaranlagen und Starenkästen dienen seiner Ansicht nach der Geldschneiderei durch Kommunen und das Land. Vergangene Woche hat Knöner deshalb 42 Temposünder freigesprochen.

Hintergrund des spektakulären Massenfreispruchs: Der Herforder Richter sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, eindeutige und für die Bürger verständliche Regelungen zu schaffen. Daran habe es bislang gemangelt. "Es geht nicht primär darum, Raser freizusprechen", erläutert Knöner seine Entscheidungen.

Eine der rechtlichen Grundlagen für die Verkehrsüberwachung – das heißt das Filmen und das Fotografieren der Autofahrer – basiere auf einem Paragrafen zur Bekämpfung des Terrorismus, der Spionage und der organisierten Kriminalität. "Autofahrer sind aber nun mal keine Schwerstkriminellen", so Knöner. Vorschriften aus der Terrorbekämpfung passen seiner Ansicht nach "nicht auf Verkehrssünder". Der Staat dürfe nicht eine falsche Methode – in diesem Fall den Paragrafen zur Terrorabwehr – einsetzen, um ein richtiges Ergebnis zu erzielen. In einer solchen Situation gebe es ein Beweisverwertungsverbot, so der Amtsrichter.
Info
Kritik vom ADAC

* Richter Helmut Knöner gilt als streitbarer Geist: Noch als Jugendrichter war er maßgeblich daran beteiligt, dass Deutschland ein Jugendstrafvollzugsgesetz bekam.
   
* Markus Schäpe, Verkehrsrechtsexperte des ADAC, bewertet die Überlegungen von Richter Knöner jedoch kritisch: "Die polizeilichen Richtlinien legen fest, dass vornehmlich an Gefahren- und Unfallschwerpunkten gemessen werden soll." Das schließe aber eine weitere Überwachung an anderen Stellen nicht aus, so der promovierte Jurist. Wenn ein Richter vermute, dass gegen die Richtlinie verstoßen werde, könne er dies durch die Befragung der Polizeibeamten feststellen.
  
* Heute Abend werden Markus Schäpe und Helmut Knöner in der Sendung "Stern-TV" auf RTL ab 22.15 Uhr aufeinandertreffen.


Starenkasten zum Geldverdienen

Auch in einem zweiten Punkt sieht er eine massive Interessenkollision: "Bei der Verkehrskontrolle geht es darum, Leib und Leben der Bevölkerung zu schützen." Vom "Geldverdienen" sei da eigentlich "nicht die Rede". Wenn es dem Staat darum gehe, Einnahmen zu erzielen, dann solle er Steuern erheben.

Während heutzutage im Bereich der Tempomesstechnik jede Feinheit ausgelotet sei, gebe es für die Stellen, an denen die Geschwindigkeit kontrolliert wird, keine genauen Regelungen und Vorschriften. "Wie kann ich beurteilen, ob eine Starenkasten zum Geldverdienen oder wegen eines Unfallschwerpunktes aufgebaut wurde?", fragt der Verkehrsrichter.

Knöners Folgerung: "Wir brauchen eine Regelung, wie und wo fotografiert werden darf und dass Starenkästen dort aufgebaut werden, wo es Sinn und Zweck hat."

Verkehrsrichter: Ernsthafter Interessenkonflikt

Die Starenkästen aufstellenden Kommunen, aber auch die Polizei stünden in einem ernsthaften Interessenkonflikt, erklärt der Verkehrsrichter. Dieser betreffe auch die Auswahl der Standorte, weil die Kommunen gleichzeitig Nutznießer der erblitzten Millioneneinnahmen seien.



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Kommentare
Hallo,

bin vor kurzem mal wieder immerhalb einer Autobahnbaustelle geblitz worden. Hier galt Tempo 60! Auch ich bin der Meinung, dass es hier nicht um die Verkehrssicherheit geht, sonder nur ums Geld verdienen. Wenn Tempo 80 in Baustellen nicht mehr reicht, um genügend Geld in die Staatskasse zu spielen, dann muss man eben die Geschwindigkeit reduzieren. In naher Zukunft werden wir dann nur noch in Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen!

Seit die Stadt Gütersloh durch Ihren Theaterneubau in finanzielle Schieflage geraten ist, ist die Anzahl der Geschwindigkeitskontrollen durch das Ordnungsamt massiv gestiegen. Ein Schelm wer dies miteinander in Verbindung bringt.

Leider ist es so, dass nun einmal die Gefahr der Entdeckung kombiniert mit der Höhe der Straße die Angst vor der Begehung ausmacht. Da Autofahrer recht selten kontrolliert werden bzw. die Kontrollen sogar in Stadtplänen bzw. über Radio angekündigt werden, ist die Kontrollgefahr sehr gering. Gleichzeitig ist Deutschland eines der Länder mit den geringsten Strafen.
In der Schweiz muss man ab 11 Km/h innerorts 250,- CHF zahlen und ab 16 Km/h gar mit einer Strafanzeige rechnen...

Zu ca. 80% sehe ich die Blitzanlagen als Abzocke, wobei Bielefeld mit seinen Messanlagen das beste Beispiel liefert. wenn an einem Unfallschwerpunkt oder in einer Kreuzung ( Ostwestfalenstraße ) Eine Blitzanlage zur Abschreckung steht, ist dies in Ordnung. Es muss aber nicht sein, dass wie auf dem OWD in Bielefeld eine super moderne Anlage seht, obwohl dort kein Unfallschwerpunkt ist. Manchmal meine ich wirklich, das Mittelalter sei wieder zurück gekehrt. Zu der Zeit musste man auch Wegzoll zahlen, damit es den Statthaltern gut ging.

Die Blitzer an der Nordstraße zwischen Horn und Schmedissen sind meiner Meinung nach solche Goldgruben... . Insbesondere, wenn man von Schmedissen kommt, wo vorher drei 70-Schilder kommen und auf einmal ein 50-Schild (auf einer Landstraße).


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