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18.01.2012
DETMOLD
Arzus Freundin will mit Facebook-Seite aufrütteln
Aufruf zum Trauermarsch
VON SEDA HAGEMANN

Zeichen setzen | Foto: Gocke

Detmold. Katharina Wächter* vermisst vor allem Arzus herzliches Lachen. Die beiden Frauen lernten sich nur acht Wochen vor ihrer Entführung kennen. Damals war die 18-Jährige noch im Frauenhaus, versteckte sich vor ihrer Familie, die sie brutal verprügelte, nur weil sie einen Nicht-Jesiden liebte. In Katharina fand sie eine gute Freundin, mit der sie offen sprechen konnte.

Aufgeschlossen, sehr nett und für ihr Alter sehr reif und erwachsen, so beschreibt die Freundin Arzu. Katharina Wächter hat besonders eine Äußerung ihrer Freundin im Ohr, die sie noch heute nicht vergessen kann: "Sie hat mir mal anvertraut, 'wenn ich weg bin, dann bin ich entweder tot oder zwangsverheiratet'." Dass Arzu nur wenige Wochen nach diesem schicksalsträchtigen Satz tatsächlich entführt werden würde, damit hatte die Freundin nicht gerechnet. "Das war ein Schock für mich und alle ihre Freunde."

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Eine Woche nach dem Verschwinden der 18-Jährigen gründete Katharina Wächter die Facebook-Gruppe "Arzu Lena Özmen" - Lena ist Arzus Lieblingsname. "Ich habe die Gruppe für uns Freunde von Arzu gegründet. Dort sollten alle Informationen in dem Fall gesammelt werden. Damit jeder gleich wusste, wie der Stand der Dinge ist." Etwa 50 Mitglieder waren es anfangs. Sie hält sich seitdem bedeckt, gibt ihren richtigen Namen nicht preis, aus Angst vor Anfeindungen und Drohungen. "Ich habe ein Kind und will lieber nichts riskieren", sagt sie dazu.

Katharina Wächter veröffentlichte nicht nur aktuelle Presseberichte zum Fall, sie diskutierte auch immer wieder mit den anderen über das Schicksal von Arzu. Worte des Bangens und der Hoffnung sind auf der Seite zu lesen.

Das Schicksal der Kurdin bewegte viele Menschen, sodass immer mehr Mitglieder hinzu kamen. Dann kam Wächter die Idee, Briefe an die in U-Haft sitzenden Geschwister zu schreiben. "Ich habe gedacht, vielleicht helfen die Worte, das Schweigen der Familie zu brechen." Sie motivierte andere Gruppen-Mitglieder ebenfalls zum Schreiben. Alle Briefe übergab sie den Anwälten der Geschwister und auch an Oberstaatsanwalt Michael Kempkes, der sie den Geschwistern noch vor Weihnachten überreichte.

Zu dem Zeitpunkt hoffte sie noch, dass Arzu lebend gefunden würde. "Aber die Hoffnung schwand immer mehr. Mein Verstand hat mir gesagt, dass sie bereits tot ist, aber das Herz wollte es nicht wahrhaben", erzählt Wächter von ihrem Gefühlschaos in dieser Zeit.

In der Gruppe wird noch immer über das Schicksal der jungen Kurdin diskutiert. Viele schreiben, wie entsetzt und traurig sie sind. Wieder andere versuchen die Hintergründe zu beleuchten oder wie man das Andenken an Arzu ehren kann. Oft wird über die Familie und den jesidischen Glauben diskutiert. Nicht immer sind die Argumente sachlich und besonnen.

"Wir haben auch in unserer Gruppe immer wieder Probleme mit Nutzern, die pauschal urteilen, beleidigend werden oder anderen drohen. Ich versuche, heftige Auseinandersetzungen zu schlichten. Immer wieder führe ich das Schicksal von Arzu an, um eine gemeinsame Basis zu schaffen", sagt Wächter. Dafür investiert sie jeden Tag mehrere Stunden in die Gruppenseite. Nicht nur sie, auch viele Mitglieder der Gruppe engagieren sich, beteiligen sich immer wieder mit Beiträgen, geben Antworten auf Fragen und sind Ansprechpartner. Jüngst eskalierte jedoch eine Diskussion, ein Mitglied der Gruppe wurde offenbar von einem anderen angefeindet. "Wir ermitteln in einem konkreten Bedrohungsfall und haben zu beiden Parteien Kontakt aufgenommen", bestätigte Polizeisprecher Uwe Bauer. Details nannte er nicht.

Katharina Wächter verurteilt solche Fälle, findet eine kontroverse Diskussion gut. "Es ist ein Projekt geworden, das sich lohnt. Mein Wunsch ist es, dass niemand Arzus Schicksal vergisst", sagt Arzus Freundin. Die Diskussionen führten dazu, dass über solch ein Tabuthema geredet werde. "Es wäre viel erreicht, wenn sich solch eine Geschichte nicht wiederholt."

Deshalb ruft sie auch zur Teilnahme am Trauermarsch am Samstag, 21. Januar, auf. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Bäckerei Müller in Remmighausen auf. "Wir sollten gemeinsam ein Zeichen setzen - in Gedenken an Arzu."

*Name von der Redaktion geändert


LZ-Leser kommentieren den Fall

Auch auf LZ.de und auf der Facebook-Seite der LZ wurde der Fall Arzu Özmen immer wieder kontrovers diskutiert. Die Todesnachricht löste bei allen Lesern Trauer und Betroffenheit aus. Unter dem Pseudonym " Ich bin ebenfalls erschüttert was passiert ist." Userin "Hanna" findet: "Ich kann nicht in Worten beschreiben, welcher Schock das für mich nach wie vor ist. Ich durfte sie nur kurz kennenlernen, aber sie hatte eine sehr freundliche und sympathische Ausstrahlung."

Besonders intensiv klingen die Worte von "kurdischgirl":
"ich hab bis zuletzt gehofft das sie noch lebt. es ist einfach so unglaublich traurig. das sind doch keine menschen die ihr das angetan haben. was hat sie denn schon falsches gemacht? sie hat nur geliebt! R:I:P arzu"

Allein auf der LZ-Facebook-Seite wurde die Todesnachricht 120 mal kommentiert. Auch wenn die anschließende Diskussion nicht immer sachlich verlaufen ist, zeigt sie eins ganz deutlich, das Thema beschäftigt viele Leser. Vielleicht helfen die Portale dabei, viele Menschen für den Trauermarsch am Samstag zu begeistern, wünschenswert wäre es.

Mehr zum Thema auf LZ.de
Kommentare
Danke LZ.de das ihr offensichtlich auf die freie Meinungsfreiheit in Deutschland (...).ich habe drei kommentare geschrieben und keinen einzigen habt ihr ins netzt gestellt.Ich meine ich habe niemanden beleidigt oder sonstwas.es wird hier viel über jesiden geredet und da sollte man auch mal beide seiten zu wort kommen lassen,oder nicht?Nun ja wenn ihr nicht vernünftig diskutieren wollt dann halt nicht.Aber vermutlich wird auch dieser beitrag nich zugelassen!!!!!!!!!!!aber hauptsache ihr von der Lz.de könnt das lesen,das reicht mir auch.schönen tag noch

@Jeside: Wir geben Kommentare nur frei, wenn sie rechtlich unbedenklich sind. Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie sich gerne unter 05231-9114491 melden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team von LZ.de


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