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22.08.2013
LEOPOLDSHÖHE
Leopoldshöherin klagt über hohe Pflegekosten
Rosi Schlender weiß nicht mehr, wie sie den Heimplatz ihres Ehemannes bezahlen soll
VON JULIA MAUSCH

Zettelwirtschaft | Foto: Mausch

Leopoldshöhe. Das wünscht sich keiner: Der Partner wird krank, die Versorgung zu Hause ist nicht zu schaffen, die Lösung ein Pflegeheim. Die Kosten sind nicht zu stemmen, lautet die Erfahrung einer Leopoldshöherin.

Als Rosi Schlenders Ehemann Horst Bartel die Diagnose "Alzheimer" erhält, bricht für das Paar eine Welt zusammen. "Ich hatte die Vermutung schon länger, er wurde immer vergesslicher", erinnert sich die 68-Jährige. Ein Arzt bestätigt 2001 ihre Ängste. Acht Jahre pflegte sie den damals 62-Jährigen in der gemeinsamen Wohnung. Anfangs war das kein Problem, die Symptome der Krankheit waren noch nicht stark ausgeprägt – Medikamente verzögerten den Krankheitsverlauf.

Das änderte sich in den folgenden acht Jahren. Der mittlerweile 72-Jährige wurde immer verwirrter und orientierungsloser: "Er fand sich in der Wohnung nicht mehr zurecht, er saß in einer Ecke und machte gar nichts mehr."

Das war der Zeitpunkt, als Rosi Schlender ihren Mann in einem Pflegeheim in Heepen anmeldete. Die Leopoldshöherin war sich sicher, die anfallenden Kosten würden sie und ihr Mann stemmen können, schließlich hatten sie ihr Leben lang in eine Pflegeversicherung eingezahlt.

Doch in der Pflegeeinrichtung folgte eine böse Überraschung: "Da mein Mann in die Pflegestufe II fällt, lagen die Pflegesätze bei 3128 Euro", sagt sie. Einen Teil übernehme die Pflegekasse. "Übrig bleibt dennoch ein Eigenanteil von 1849 Euro im Monat." Zu den zwölf Medikamenten, die Horst Bartel täglich nehmen muss, gehören Präparate mit Zuzahlungen.

Mittlerweile bezieht das Ehepaar eine Rente in Höhe von 3.300 Euro. Heute, zwölf Jahre nach Ausbruch der Krankheit, erkennt Horst seine Frau nicht mehr – seine alte Persönlichkeit ist kaum noch zu erkennen: "Er liegt, starrt die Decke an und nimmt nichts mehr wahr", berichtet Rosi Schlender. Ende des Jahres solle die Pflegestufe erhöht werden. Bedeutet: Der Heimplatz koste dann 3740 Euro, davon übernehme die Pflegekasse 1550 Euro. "Abzüglich der Nebenkosten für die Wohnung und laufender Kosten habe ich dann 89 Euro monatlich zur Verfügung – das ist nicht mal der Sozialhilfesatz."

Die Leopoldshöherin betont, mit der Einrichtung, in der ihr Mann lebt, sei sie zufrieden – aber mit den Kosten nicht. Sie habe Rat bei einem Salzufler Pflegestützpunkt gesucht. "Mir wurde geraten, meinen Mann in Ostdeutschland in einem Heim anzumelden, dort seien die Pflegesätze nur halb so hoch." Zwar ist die Lösung für Rosi Schlender keine Alternative, dennoch geben ihr die Kostenunterschiede zu denken.Sie fühlt sich vom Sozialamt nicht genügend unterstützt: "Ich habe gegen die Entscheidung des Kreis-Sozialamts, meinem Mann kein Pflegewohngeld zu zahlen, Widerspruch eingelegt. Ich müsste sonst unsere 70-Quadratmeter große Eigentumswohnung und das Auto verkaufen." Sie ist empört. "Die Mitarbeiter meinten, Kfz und Eigenheim wären in meiner Lebenslage nicht angemessen."

Was "angemessen" bedeutet, erklärt Astrid Lehre vom Fachbereich "Jugend, Familie, Soziales und Bildung" (Sozialamt) beim Kreis Lippe: "Wenn ich ein Beispiel nennen soll, dann wäre eine 120-Quadratmeter-Penthouse-Wohnung mit Pool für Alleinstehende in dieser Situation übertrieben", sagt Lehre und weist darauf hin, dass Ehepartner zum gegenseitigen Unterhalt verpflichtet seien.

Astrid Lehre betont, es werde darauf geachtet, dass genügend Geld zum Leben übrig bleibt, und Vermögenswerte wie Autos würden in den seltensten Fällen angetastet.

Rosi Schlender will nun darauf verzichten, Pflegewohngeld in Anspruch zu nehmen – und die Pflegekosten ohne weitere Unterstützung tragen.

Hilfe zur Pflege

Die Zahl von Anträgen auf Sozialhilfe steigt nach Auskunft des Kreises Lippe stetig. Astrid Lehre, Teamleiterin "Pflege und Behinderung", sieht die Gründe dafür im demografischen Wandel: "Die Menschen werden immer älter. Früher sind sie im Durchschnitt mit 70 verstorben, heute mit 96."

Je höher das Alter, desto häufiger werden Pflegeeinrichtungen in Anspruch genommen. Ambulante Pflegedienste werden immer öfter nachgefragt – auch Wohngruppen. Zwischen acht und zwölf Personen lebten hier zusammen. "Ein familiäres Gefühl entsteht", sagt Astrid Lehre. In Pflegeheimen komme dies oft nicht auf. Früher habe die Verweildauer hier durchschnittlich bei drei Jahren gelegen, heute liege sie nur noch bei einem Jahr.


In einer früheren Version des Artikels hieß es noch, dass Rosi Schlender Sozialhilfe beantragt hätte. Das stimmt nicht. Richtig sei vielmehr, dass sie gegen die Entscheidung des Kreis-Sozialamts, ihrem Mann kein Pflegewohngeld zu zahlen, Widerspruch eingelegt habe. Zudem teilt sie mit, dass sie in einer 70-Quadratmeter-Eigentumswohnung lebe. Das vom Sozialamt des Kreises Lippe genannte Wohn-Beispiel rücke ihre Person in ein falsches Licht.


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Kommentare
Tja, das Alter macht krank
Fängt A , an und hört mit O auf

Da stimmt doch etwas nicht??
3300 Euro Rente, Eigentumswohnung, privat in eine Pflegeversicherung eingezahlt.
Damit würde ich nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Meine Schwiegermutter ist auch im Heim und bekommt 700 Euro Rente. Nachdem ihr gespartes bis 10000 Euro aufgebraucht wurde können wir Wohngeld beantragen. Den Rest müssen wir tragen.

@ Kernbeisser: Man kann doch die Eigentumswohnung vermietet haben und selbst in einer Mietwohnung leben?

Durchaus denkbar, wenn die eigene (Eigentums-)Wohnung zu groß geworden ist, da z.B. die Kinder ausgezogen sind.

Irgendwo müssen die weit über 2000 Euro monatlich herkommen, die die Familie Schneider zur Verfügung hat. Für Rente ist das sicherlich überdurchschnittlich viel.

Hm ,...was denn nun ,..Wohnungsmiete oder Eigentumswohnung ???


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