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10.02.2012
LEMGO
"Circus Rene & Patrizia Althoff" muss Gastspiel in Lemgo abblasen
Kälte lässt metallisches Zeltmaterial brechen
VON NICOLE REINFELD

Die "Eiszeit" fordert ihren Tribut | Foto: Reinfeld

Lemgo. "Manege frei", so heißt es im Zirkusjargon. Doch aktuell heißt es nur "Manege geschlossen". Mitarbeiter und Tiere des "Circus Rene & Patrizia Althoff" bibbern in Lemgo.
  Bereits über 2500 Euro Schaden haben Kälte, Eis und Schnee am Quartier der Althoff-Artisten allein in der vergangenen Woche verursacht, das sie unweit der Ostwestfalenstraße am dortigen Schnellrestaurant aufgeschlagen haben. Dies führte unter anderem dazu, dass die geplanten Vorstellungen verschoben werden mussten.

Am Donnerstag zogen die Gesellschafter Patrizia Althoff, Mirabella und Michael Fischer die Reißleine: Der Zirkus wird im kalten Lemgo keine Vorstellung geben, sondern am Montag weiter nach Stadthagen reisen.

Info
Lange Tradition


Einen Zirkus mit dem Namen Althoff gab es schon vor über 300 Jahren, damit sind sie die älteste Zirkusfamilie im deutschsprachigen Raum. Damals diente der Marktplatz als Bühne - heute haben die zwei Linien des Althoff-Clans Zelte. Das von Patrizia Althoff hat einen Durchmesser von 34 Metern und bietet bis zu 1800 Personen Platz. Das Team ist immer noch auf der Suche nach Heu. Familie Fischer bittet deshalb unter Tel.: 0177-8774420 um Tipps für den Erwerb.

Die Wiese im Lemgoer Industriegebiet ist mit einer Eisschicht überzogen. Winterjacke, dicke Pudelmütze und Handschuhe halten Michael Fischer, den technischen Leiter des Circus Althoff, bei der Arbeit warm. So einen Kälteschutz haben die Geräte und Einzelteile, die zum Zeltaufbau benötigt werden, nicht. Der Umgang mit der Witterung wird zur Geduldsprobe. Jedoch können Michael Fischer und seine Mitarbeiter die sogenannten "Erdnägel" mit fünf Zentimetern Durchmesser, die sie beim Zeltaufbau benötigen, nicht mehr aus dem Boden entfernen. "Eigentlich verwendet man einen Hammer beim Abbau der Erdnägel. Beim ersten Versuch brach der Erdnagel ab. So was ist uns in 20 Jahren Fuhrbetrieb nicht passiert", klagt Fischer.

"Einer unserer selbst aufstellenden Masten ist kaputt. Der Motor ist gerissen. Heute ist endlich das Ersatzteil aus Italien angekommen", erklärt Michael Fischer schon auf dem Weg zum Baumarkt. Dies ist nur ein Problem von vielen. Ohne Masten kann das Zelt nicht aufgebaut werden, und ohne Zelt ist keine Vorstellung möglich. Seine Kinder nehmen es locker. Aus der italienischen Transportkiste bauen sie ein Gehege für ihre Hasen.

Für Menschen und Tiere ist die Kälte nicht allzu schlimm. Im Wohnwagen herrscht tagsüber Zimmertemperatur. "Nur nachts kühlt alles aus, und die Tierfütterung ist schwierig", gibt Fischer zu. Das Fleisch für die fünf Löwen müsse aufgetaut, das Wasser für die Pferde erwärmt werden. Außerdem gehe das Heu zur Neige. "Mit so einem langen Aufenthalt in Lemgo haben wir nicht gerechnet. Es ist schwierig, hier Heu zu erwerben."

Trotz des unglücklich verlaufenden Abstechers nach Lemgo will der Zirkus nicht wie andere fahrende Unternehmen ein Winterquartier aufschlagen. "In den Monaten von November bis März haben wir normalerweise mehr Besucher als im Sommer, wenn dann alle vereist sind.  Vor Lemgo waren wir zwei Wochen in Herford und dort sehr zufrieden", sagt Fischer.


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