Weitere Holocaust-Überlebende berichten über die KZ-Hölle

Neben Opfern aus den USA, Kanada und Israel wird auch ein Ermittlungsbeamter aussagen

Silke Buhrmester

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Der Auschwitz-Überlebende Max Eisen zeigt am 23.04.2015 im Gerichtssaal in Lüneburg (Niedersachsen) ein Foto aus dem Jahr 1940, welches ihn als Kind (3.v.l.) mit seinen Eltern und seinen Brüdern zeigt. 70 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur steht der frühere SS-Mann Oskar Gröning in Lüneburg vor Gericht. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz vor - in mindestens 300.000 Fällen. - © dpa
Der Auschwitz-Überlebende Max Eisen zeigt am 23.04.2015 im Gerichtssaal in Lüneburg (Niedersachsen) ein Foto aus dem Jahr 1940, welches ihn als Kind (3.v.l.) mit seinen Eltern und seinen Brüdern zeigt. 70 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur steht der frühere SS-Mann Oskar Gröning in Lüneburg vor Gericht. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz vor - in mindestens 300.000 Fällen. (© dpa)

Detmold. Max Eisen, William Glied, Irene Weiss und Judith Kalman: Vier der sechs nächsten Zeugen im Auschwitz-Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning haben vor knapp einem Jahr auch vor dem Lüneburger Landgericht gesprochen. Die Detmolder Kammer unter Vorsitz von Anke Grudda wird ihre Aussagen am Donnerstag und Freitag (Beginn: 10 Uhr, IHK-Gebäude) hören.

Max Eisen, Jahrgang 1929, lebte einem Bericht der Lüneburger Landeszeitung zufolge, in einem 5000-Einwohner–Ort in Ungarn, als er im April 1944, zusammen mit 450 anderen Juden des Dorfes, nach Auschwitz deportiert wurde. Der 15-Jährige musste mit ansehen, wie seine zweijährige Schwester, die Mutter, die Großeltern und eine Tante sofort von der Rampe in die Gaskammern geschickt wurden. Sein Vater und der Onkel kamen zunächst mit Max Eisen ins Lager, wurden später „selektiert" und ermordet. Max Eisen lebt heute in Toronto.
Auch Irene Weiss, die heute im US-Bundesstaat Virginia lebt, kam 1944 – im Mai – mit einem Transport ins Vernichtungslager.

Ihre ganze Familie – Eltern und alle fünf Geschwister – wurden in Auschwitz-Birkenau umgebracht.
Die Geschichte von Judith Kalman ist anders, aber dennoch eng mit Auschwitz verwoben. Sie ist laut Lüneburger Landeszeitung Holocaust-Überlebende der zweiten Generation, denn sie selbst wurde erst nach dem Krieg geboren. Ihr Vater überlebte das Konzentrationslager im Gegensatz zu dem Rest seiner Familie. Später gründete er eine neue Familie. Judith Kalman, die als Schriftstellerin und die Familiengeschichte in einem Roman verarbeitet hat, bekam noch eine Schwester.

Während am Donnerstag – dem dritten Prozesstag – nur Holocaust-Überlebende in den Zeugenstand gerufen werden, ist am Freitag auch ein Beamter des Landeskriminalamtes dem Gericht Auskunft über die Ermittlungsarbeit der Polizei geben und erläutern, inwieweit die gefundenen Dokumente den Anklagten belasten. Die Staatsanwaltschaft wirft Reinhold Hanning Beihilfe zum Mord in Auschwitz in mindestens 170.000 Fällen zur Last.

Lesen Sie hier die Aussagen der vier Zeitzeugen im Lüneburger Auschwitz-Prozess.

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