Verteidiger von Reinhold Hanning erklärt "Haft wäre Todesurteil"

Erol Kamisli

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Der ehemalige SS-Wachmann Reinhold Hanning (M) sitzt während des Prozesses vor dem Landgericht in Detmold zwischen seinen Anwälten Andreas Scharmer (l) und Johannes Salmen in der Anklagebank.
Der ehemalige SS-Wachmann Reinhold Hanning (M) sitzt während des Prozesses vor dem Landgericht in Detmold zwischen seinen Anwälten Andreas Scharmer (l) und Johannes Salmen in der Anklagebank.

Kreis Lippe. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgericht Lüneburg gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning bestätigt. Die gegen ihn verhängte vierjährige Haftstrafe ist damit rechtskräftig. Doch welche Auswirkungen hat das BGH-Urteil auf die Revision des Lagensers Reinhold Hanning (94), die ebenfalls in Karlsruhe anhängig ist?

Der frühere SS-Wachmann war im Juni dieses Jahres vom Landgericht Detmold wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. "Ich hoffe, dass das BGH-Urteil im Fall Gröning keine Auswirkungen auf unsere Revision hat. Wir warten in Ruhe ab", sagt Johannes Salmen, Verteidiger des ehemaligen Auschwitz-Wachmanns. Das Landgericht Detmold habe eine sehr gute Urteilsbegründung abgeliefert. "Ich rechne nicht mit einer schnellen Entscheidung des BGH. Doch ich wäre überhaupt nicht überrascht, wenn die Richter das Detmolder Urteil bestätigen", sagt Salmen.

Auch wenn das Landgerichtsurteil bestätigt werde, verschwinde Reinhold Hanning nicht automatisch im Gefängnis. "Ob der 94-Jährige dann tatsächlich seine Haftstrafe absitzen muss, hängt von seinem Gesundheitszustand ab", sagt Salmen. Dann müsse die Staatsanwaltschaft in einem separaten Verfahren entscheiden, ob der Lagenser haftfähig sei. "In Anbetracht seines Alters ist es eher unwahrscheinlich, doch wenn in Haft müsste, wäre es sein Todesurteil", erklärt Johannes Salmen.

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