Richter und Staatsanwälte unterrichten in internationalen Klassen

André Gallisch

Sie wollen Flüchtlingen deutsches Recht näherbringen: Richter Dr. Florian Hobbeling, Richterin Dr. Anneli Neumann und Dolmetscher Shahin Asrar (von links). - © André Gallisch
Sie wollen Flüchtlingen deutsches Recht näherbringen: Richter Dr. Florian Hobbeling, Richterin Dr. Anneli Neumann und Dolmetscher Shahin Asrar (von links). (© André Gallisch)

Detmold. Basiswissen über in Deutschland geltendes Recht möchte die Justiz an Flüchtlinge vermitteln. Seit Februar sind Richter aus dem Bezirk des Landgerichts Detmold sowie Vertreter der Staatsanwaltschaft Detmold an Schulen mit internationalen Klassen tätig.

Sie engagieren sich im Rahmen des Landesprojekts „Basiskurs Rechtskunde für junge Flüchtlinge". Richterin Dr. Anneli Neumann, Dr. Florian Hobbeling, Richter am Amtsgericht Lemgo, und Dolmetscher Shahin Asrar stellten das Projekt im Felix-Fechenbach-Berufskolleg vor.

Schulleiter Horst Klüter wies darauf hin, dass am FFB 126 junge Flüchtlinge in acht internationalen Klassen unterrichtet werden. „Wir haben sieben Klassen mit Schülern unter 18 und eine Teilzeitklasse mit begleitendem Praktikum mit Schülern von 18 bis 25 Jahren."

Der Vorteil am FFB, so Dr. Hobbeling, sei, dass aus verschiedenen Klassen Gruppen mit gleichem Sprachhintergrund gebildet werden können. Sie werden mit Unterstützung eines Dolmetschers in Grundrechten allgemein, aber auch in speziellen Themenfeldern wie der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und den entsprechenden Normen konfrontiert. „Wenn sie das nicht akzeptieren wollen, gehören sie nicht hierher", ist der Richter ebenso deutlich wie im Kursus mit den Flüchtlingen.

Dr. Anneli Neumann wies darauf hin, dass sich zurzeit elf Kollegen – Richter, Staatsanwälte und zwei Pensionäre – an 18 Schulen aller Schulformen in Lippe engagieren. 35 Kurse mit im Durchschnitt vier Stunden werden angeboten.

In der Art der Vermittlung seien diese relativ frei von Vorgaben. Die Juristen arbeiten rein ehrenamtlich – zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit. Seit dem Sommer, so Neumann, zahle das Justizministerium ihnen allerdings eine geringe Aufwandsentschädigung. Ganz wichtig sei überdies die Übernahme der Dolmetscherkosten durch das Ministerium. „Ohne Dolmetscher wäre das nicht zu bewerkstelligen", fügt Dr. Florian Hobbeling hinzu.

Zurzeit beteiligen sich noch nicht alle Schulen mit internationalen Klassen. „Wir sind da aber in guten Gesprächen", so Neumann. Das Projekt werde 2017 fortgesetzt.

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