Zum Ilsetal: Ex-Hotel wird zum Übergangsheim für 71 Asylbewerber

Umbauarbeiten sind abgeschlossen - Anwohner sind unbesorgt

Tanja Watermann

Im Dialog: Frank Laukamp, Beate Mozygemba und Bürgermeister Dr. Reiner Austermann informieren die Nachbarn Frauke Welling und Alexander Laleicke (von links) über die neue Unterkunft. - © Tanja Watermann
Im Dialog: Frank Laukamp, Beate Mozygemba und Bürgermeister Dr. Reiner Austermann informieren die Nachbarn Frauke Welling und Alexander Laleicke (von links) über die neue Unterkunft. (© Tanja Watermann)

Lemgo. Der Umbau des ehemaligen Hotels „Zum Ilsetal" zum neuen städtischen Übergangsheim ist abgeschlossen. Maximal 71 Flüchtlinge können hier ab Dezember Platz finden. Jetzt haben sich Anwohner bei einer Besichtigung über die neue Nachbarschaft informiert.

„Auch wenn die Flüchtlingswelle deutlich abgeebbt ist, wollten wir auf weitere Zuweisungen vorbereitet sein, um möglichst keine Menschen mehr in Turnhallen unterbringen zu müssen", erklärte Bürgermeister Dr Reiner Austermann. Die Kosten des Umbaus belaufen sich nach Schätzungen der Stadt auf etwa 256.000 Euro, wobei ein hoher Anteil davon auf die notwendigen Umbauten wegen der Brandschutzverordnung entfällt.

In Sachen Sicherheit musste ein zweiter Fluchtweg geschaffen und eine Außentreppe angebaut werden. Im Obergeschoss blieben die Doppel- und wenigen Einzelzimmer mit jeweils eigener Badzeile aus dem Hotelbetrieb erhalten. Im Untergeschoss waren größere Arbeiten notwendig. Die Großküche wurde mit Haushaltsküchengeräten zum Kochen für mehrere Personen ausgerüstet. Die Menschen werden sich selbst versorgen und auch selbst für die Raumpflege zuständig sein. Die weiteren vorhandenen Räume und den großen Saal hat die Stadt mit Leichtbauwänden zu Mehrbett- und Familienzimmern umbauen lassen. Hier finden jeweils sechs bis acht Personen Platz.

Alle Zimmer sind zweckmäßig mit Laminatboden ausgelegt, wirken aber keineswegs luxuriös. Etagenbetten, Tapeten mit dem Charme der 1980er Jahre und Holztische sollen primär dem Zweck dienen.

Bürgermeister Austermann, Frank Laukamp, Beate Mozygemba und Mustafa Nahsu von der Stadt beantworteten bei der Besichtigung alle Fragen der Bürger. Woher die Menschen kommen, welche Sprachen sie sprechen und ob sie Lemgo schon kennen? Das wollten die neuen Nachbarn wissen. „Die Asylbewerber leben schon länger in Lemgo und haben Zugang zu Sprachkursen, die in der VHS angeboten werden. Alle werden aus bestehenden Unterkünften oder angemieteten Wohnungen umgesiedelt", so Mozygemba.

Der Einzug werde ab Mitte Dezember peu à peu erfolgen. Die Stadt rechnet nicht sofort mit einer Maximalbelegung, kann durch die Nutzung des ehemaligen Hotels aber privat angemietete Wohnungen wieder kündigen. Eine Besichtigung wird es für die Asylbewerber vorab nicht geben.

Nachbar Alexander Laleicke hat erst im Sommer das Grundstück direkt gegenüber gekauft und steht den neuen Nachbarn offen gegenüber. Er wurde bereits im Vorfeld vom Makler über die alternative Nutzung des Hotels informiert und hat sich bewusst für den Kauf entscheiden. Einzig um seine Alpakas sorge er sich bisschen, denn die Tiere aus Südamerika hätten sehr sensible Mägen und dürften nicht gefüttert werden, erklärte er.

Nahsu sicherte sofort zu, Schilder in mehreren Sprachen vorzubereiten und bei jedem Neueinzug über die Tiere in der Nachbarschaft aufzuklären. Nahsu ist auch für die Menschen da, wenn es um Themen des Zusammenlebens wie Mülltrennung, Einhaltung der Putzpläne oder Bekanntgabe der Hausordnung geht.

„Ich bitte alle Nachbarn darum, sich umgehend bei uns zu melden, wenn es Klärungsbedarf geben sollte. Es ist immer leichter, Mängel am Anfang zu beheben", machte Dr. Reiner Austermann deutlich. Der Standort am Sommerhäuschenweg sei idyllisch und ruhig gelegen, befinde sich aber dennoch nah genug an der Stadt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2016
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.