Vater soll nach Scheidung hohe Gerichtskosten zahlen

Erol Kamisli

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Verbringen gerne Zeit miteinander: Bernd Rothenpieler mit seinen Kindern Lukas (links) sowie Jakob und Madita. - © Bernhard Preuss
Verbringen gerne Zeit miteinander: Bernd Rothenpieler mit seinen Kindern Lukas (links) sowie Jakob und Madita. (© Bernhard Preuss)

Bad Salzuflen. Bernd Rothenpieler versteht die Welt nicht mehr. Der 57-jährige Sozialpädagoge ist Vater von vier Kindern. Die beiden aus erster Ehe (26 und 23 Jahre) sind zwar erwachsen, aber noch in Ausbildung und brauchen daher seine finanzielle Unterstützung. Die jüngeren sind neun und acht Jahre alt.

Nun soll Rothenpieler nach der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau innerhalb von zwei Wochen 6.500 Euro an Gerichts- und Gutachterkosten zahlen, die er nicht hat. Der Gutachter war vom Gericht in Lemgo eingesetzt worden, um die Familienverhältnisse unter die Lupe zu nehmen.

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"Mir hat niemand gesagt, dass ein Gutachten so teuer ist. Ich bin geschockt und verzweifelt, da ich die Summe nicht aufbringen kann", sagt der Sozialpädagoge. Eine Ratenzahlung in Höhe von monatlich 100 Euro und eine jährliche Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro - also insgesamt 2.200 Euro - lehne die NRW-Justizkasse in Hamm bisher ab. "Dann hätte ich die Schulden innerhalb von drei Jahren abbezahlt, aber ich stoße nur auf taube Ohren."

Grund für seine schlechte Laune ist der Scheidungsprozess, der im Mai 2015 vor dem Familiengericht Lemgo landete. "Meine Frau hatte sich für ein anderes Leben entschieden, und wir mussten wegen der Kinder eine Lösung finden", sagt Rothenpieler. Doch der Richter sei nicht in der Lage gewesen, ein Urteil ohne Gutachter zu fällen. "Danach folgten mehr als neun Monate Gespräche über Gespräche, die bei allen Beteiligten Wunden aufgerissen und Spuren hinterlassen haben", erinnert sich der Familienvater.

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Schließlich vereinbarten Bernd Rothenpieler und seine Ex-Frau, die 20 Jahre jünger ist, sich das Sorgerecht für die minderjährigen Kinder nach dem Wechselmodell zu teilen. "Nun leben die beiden die Hälfte des Monats bei mir und die andere bei ihrer Mutter."

Doch das dicke Ende kam für den Familienvater erst Wochen nach den Urteil: "Ich erhielt eine Rechnung über die Gerichts- und Gutachterkosten von 13.000 Euro - davon soll ich 6.500 Euro zahlen", sagt Rothenpieler. Den Rest übernehme die Staatskasse, da seine Ex-Frau zu wenig verdiene. "Ich kann die Summe nicht zahlen und fühle mich ungerecht behandelt." Denn er müsse nicht nur Unterhalt für die jüngsten Kinder an seine Ex-Frau zahlen, sondern auch das Haus und Auto abstottern. Dazu kommt die Hilfe für die erwachsenen Kinder.

Um all seinen Verpflichtungen nachzukommen, übernehme er Nebenjobs. "Damit reicht es gerade, um die große Familie über Wasser zu halten:" Doch 6.500 Euro habe er nicht unterm Kopfkissen: "Das macht mich fertig und bereitet mir schlaflose Nächte."

Auf LZ-Anfrage spricht Christian Nubbemeyer, Sprecher des Oberlandesgericht Hamm, zu der die NRW-Justizkasse gehört, von einem Missverständnis. In der Sache sei noch keine Entscheidung gefallen. "Wir prüfen alle Möglichkeiten. Und wenn die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, kann Bernd Rothenpieler den Betrag in Raten abzahlen", betont Nubbemeyer. Die Justizkasse sei an einer fairen Lösung interessiert.

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