Foltermorde von Bosseborn: So behandelte Wilfried W. seine Frau

Jürgen Mahncke

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Dritter Prozesstag: Der Angeklagte Wilfried W. will sich zu den ihm vorgeworfenen Taten nicht äußern. Seine Lebensgefährtin Angelika W., ebenfalls wegen Doppelmords angeklagt, will auch heute umfassend aussagen. Beide sind voll schuldfähig. - © Marc Köppelmann
Dritter Prozesstag: Der Angeklagte Wilfried W. will sich zu den ihm vorgeworfenen Taten nicht äußern. Seine Lebensgefährtin Angelika W., ebenfalls wegen Doppelmords angeklagt, will auch heute umfassend aussagen. Beide sind voll schuldfähig. (© Marc Köppelmann)

Höxter. Zuverlässig, verantwortungsbewusst, belastbar und umgänglich, diese Eigenschaften sollen Angelika W. bis zum Kennenlernen von Wilfried W. ausgezeichnet haben. Die 46-Jährige, wegen Doppelmordes und mehrfacher Körperverletzung angeklagt, wächst in sehr einfachen und anspruchslosen bäuerlichen Verhältnissen auf. Gewalt erlebt sie nicht in ihrem Elternhaus, das Leben ist auf Arbeit und Pflichterfüllung ausgerichtet. In der Schule und im Beruf gibt es keine Probleme.

Das ändert sich schlagartig, als Wilfried W. in ihr Leben tritt. Über eine Kontaktanzeige lernen sich die beiden im Januar 1999 kennen. Die Bekanntschaft ist nur wenige Tage alt, da wird sie bereits von ihrem neuen Freund gedemütigt, beleidigt, geschlagen und misshandelt. Doch Angelika W. erträgt die Torturen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie einen Mann gefunden, der ihr zuhört, den sie nicht verlieren möchte.

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Aussagen, Vernehmungen und Protokolle zeichnen ein neues Bild von Angelika W.: Für ihren Geliebten, dem sie im Schreiben und Lesen bei weitem überlegen ist, tut sie alles. Sie gibt Unmengen von Partnerschaftsanzeigen auf, um damit neue Frauen in das Haus in Bosseborn zu locken. Sehr schnell merkt Angelika W., dass sie damit eigenen Misshandlungen aus dem Weg gehen kann. Die Gewalt gilt jetzt anderen Opfern. Um den Wünschen und Regeln ihres Partner Wilfried gerecht zu werden, versucht sie, die Opfer zu erziehen, was mit schwerem Bestrafen einhergeht.

Sie schreckt vor unsäglichen Misshandlungen nicht mehr zurück. Wilfried W. herrscht, und sie funktioniert. Es erinnert an ihr Pflichtbewusstsein, ihre Sorgfalt, Eigenschaften, die sie vor dem Leben mit Wilfried auf dem elterlichen Bauernhof und während ihrer Gärtnerlehre zeigte. Hier war sie eine zuverlässige Angestellte, eine Frau, die den Laden im Griff hatte, der vor Arbeit und Pflichten nie bange war. Konnte sie damals keinem Tier etwas zu leide tun, mutiert sie im Beisein von Wilfried zu einer kalten, gefühllosen Person.

Am zweiten Prozesstag der Hauptverhandlung, die Ende September vor dem Landgericht Paderborn begonnen hat, kommt der Tod eines Schäferhundes zur Sprache. Wilfried geht das Tier auf die Nerven. Er fordert, dass der Hund verschwinden müsse. Dann drückt er Angelika ein Luftgewehr in die Hand. Sie möge das verängstigte Tier, dass unter dem Waschbecken kauert, erschießen. Pflichtbewusst kommt Angelika dieser Aufgabe nach. Weil aber mehrere Schüsse nicht töten, reicht Wilfried ihr ein scharfes Messer und Angelika vollendet das grausame Werk.

2005 meldet sich Angelika W. bei ihrer Mutter. Sie möchte zurück auf den Bauernhof, weil sie die Lebensumstände mit Wilfried W. nicht mehr aushält. Drei Tage wohnt sie wieder in alten, gewohnten Verhältnissen. Doch ihr Partner lässt nicht locker, streicht um das Haus herum, bombardiert sie mit Anrufen. Und seine Bemühungen haben Erfolg. Angelika kehrt in die von Horror und Folter geprägte Partnerschaft zurück.

Wilfried W. scheint seine Ex-Frau, inzwischen sind sie geschieden, leben aber weiterhin zusammen, in jeder Hinsicht zu beherrschen und zu kontrollieren. Das Geld, das Angelika W. seinerzeit mit in die Beziehung gebracht hat, etwa 165.000 Mark, ist längst aufgebraucht. Beide leben von Sozialleistungen oder beschaffen sich Geld von Dritten, auch von Opfern, die sich in Bosseborn aufhalten.

Unter völlig chaotischen Lebensverhältnissen verwahrlost das kleine Gehöft immer mehr. Angelika bekennt sich uneingeschränkt und vorbehaltlos zu ihrem Partner, sie gehorcht und dient.

In ihren Aussagen soll Angelika W. immer bestritten haben, dass es ihr Spaß gemacht habe, zu quälen und zu foltern. Ihre ganzen Handlungen seien mühselig und mit ständiger Arbeit verbunden gewesen. Sie hätte eine Verantwortung gegenüber Wilfried W. gespürt. Sie wollte ihn zufriedenstellen und hätte die Opfer so erzogen, dass sie ihrem Lebensgefährten genügten. Durch diese Loyalität habe sie sich echte Aufmerksamkeit und Zuwendung von Wilfried W. erhofft und erhalten.

Bei ihren Aussagen vor dem Landgericht Paderborn zu den von ihr begangenen Quälereien und Misshandlungen klingt Angelika W. bisher empathie- und emotionslos. Das beinhaltet auch die Schilderung der Torturen, die sie selbst durch Wilfried W. erleiden muss. Am heutigen Prozesstag will die Angeklagte auch zu ihrer Gefühlskälte Stellung nehmen. Reue für ihre Taten soll sie bislang nicht empfunden haben. Jegliches Tun und Handeln, Quälen und Töten will sie im Rahmen ihres Pflichtbewusstsein begangen haben.

Information

Am Mittwoch ist der dritte Prozesstag

  • Während Wilfried W. vor Gericht schweigt, wird seine Ex-Ehefrau Angelika W. weiter aussagen.
  • Warum sie geständig ist und mehr erzählte, als die Mordkommission wusste, will sie am heutigen Verhandlungstag erklären.
  • Ihre bisherigen Aussagen zeigten eine empathie-und emotionslose Frau. Auch hierzu will die Angeklagte heute Stellung nehmen.
  • Ob ein neues psychiatrisches Gutachten über Wilfried W. in Auftrag gegeben wird, ist noch unklar.
  • Das vorliegende Gutachten von Michael Osterheider war von Wilfried W.s Verteidiger angezweifelt worden.
  • In dem Gutachten wird dem 46-Jährigen „Gefährlichkeit für die Allgemeinheit", eine schlechte Zukunftsprognose und volle Schuldfähigkeit bescheinigt.

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