Foltermord-Prozess: Wilfried W. gibt sich kumpelhaft

Jürgen Mahncke

Wilfried W. im Saal 205 des Landgerichts Paderborn. - © Marc Köppelmann
Wilfried W. im Saal 205 des Landgerichts Paderborn. (© Marc Köppelmann)

Höxter. Als am 27. April dieses Jahres Kriminalbeamte im Saatweg in Höxter-Bosseborn klingelten und Wilfried und Angelika W. festnahmen, endete eine 15-jährige Beziehung zwischen den beiden Menschen, die seitdem in den Boulevardmedien die „Bestien von Bosseborn" genannt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie eine verschworene Gemeinschaft, teilten Haus, Bett und Tisch miteinander, quälten vermutlich zwei Frauen zu Tode und misshandelten weitere.

Getrennt und ohne jede Möglichkeit, ein Wort miteinander zu wechseln, sitzen sie seit acht Monaten in Untersuchungshaft. Wilfried W. wartet in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Detmold auf sein Urteil, seine Partnerin Angelika W. ist in der JVA Bielefeld untergebracht. Sie sind abgeschottet von der Außenwelt, lediglich zwei Stunden im Monat dürfen sie Besuch empfangen, sei es von Verwandten oder Freunden, die vorher bei der Vollstreckungsbehörde eine Besuchserlaubnis beantragen müssen.

So unterschiedlich die Charaktere der beiden mutmaßlichen Mörder bei den bisher sechs Prozesstagen vor dem Landgericht Paderborn zu erkennen waren, so verschieden sind auch ihre Verhaltensweisen in der Untersuchungshaft. Als völlig unauffällig und mit einem sogenannten defensiven Vollzugsverhalten ausgestattet beschreibt Oliver Burlage, Chef der JVA Detmold, den Untersuchungshäftling Wilfried W.. Er nutze die Freistunden, treibe viel Sport und gehe regelmäßig zur Arbeit.

Nach dem Wecken um 5.45 Uhr und einem Frühstück beginne der 46-Jährige pünktlich um 6.40 Uhr mit seiner Tätigkeit, die, unterbrochen von einer Mittagspause, um 15.30 Uhr ende. Zwischen 120 bis 300 Euro betrage der Monatsverdienst. Zu Mithäftlingen soll Wilfried W. ein kumpelhaftes Verhältnis pflegen, ist aus anderer Quelle zu hören. Er rechne mit einer Haftstrafe von nur wenigen Jahren und prahle damit, zu einer bundesweit bekannten Persönlichkeit geworden zu sein. Schon am ersten Prozesstag hatte er im Gegensatz zu Angelika W. sein Gesicht vor den vielen Kameras nicht verdeckt und die Öffentlichkeit sichtlich genossen.

Angelika W. verbarg wesentlich länger ihr Gesicht hinter einem roten Aktendeckel, bis sie sich fast schamvoll im Gerichtsaal zeigte. Im Gegensatz zu ihrem bis heute schweigenden Partner redet sich die 47-Jährige seit Prozessbeginn alles von der Seele. Dabei scheut sie auch nicht davor zurück, sich selbst massiv zu belasten. Die Untersuchungshaft in Bielefeld nutzt sie mit Bücherlesen und Schreiben von endlosen Briefen, in denen sie unter anderem für das Gericht detailreich bestimmte Tathergänge beschreibt. Zu Mithäftlingen soll sie, im Gegensatz zum Justizpersonal, einen distanzierten Kontakt pflegen. Sie rechnet mit einer Haftstrafe zwischen 12 und 15 Jahren.

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