Der siebte Prozesstag: Wilfried W. schweigt zu den Vorwürfen

Jutta Steinmetz

Wilfried W. (l.) muss auf Anraten seines Verteidigers Detlev Binder zu den Vorwürfen schweigen. - © Marc Köppelmann
Wilfried W. (l.) muss auf Anraten seines Verteidigers Detlev Binder zu den Vorwürfen schweigen. (© Marc Köppelmann)

Paderborn/Höxter. Sieben Tage schon wird vor dem Schwurgericht Paderborn gegen Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika verhandelt. Während die 47-Jährige viel erzählt über die grausigen Taten und sich selbst, weiß man über Wilfried W. nur sehr wenig. Zurzeit ist lediglich von ihm bekannt, was seine Mitangeklagte über ihn erzählt. Danach ist der 46-Jährige nicht nur jemand, der gern seine Partnerin quält, sondern auch ein großer Manipulator, ein selbstverliebter Redner, der gern stundenlange Diskussionen führt. Hier in Saal 205 kann Wilfried W. dieser Leidenschaft nicht nachgehen. Seine Verteidiger Detlev Binder und Carsten Ernst haben ihm geraten, zunächst zu schweigen. Wilfried W. ist damit sozusagen verurteilt zuzuhören.

Was er da vernehmen muss, dürfte für ihn alles andere als angenehm sein. Denn Angelika W. hat längst ihre Strategie geändert. Stellte sie sich kurz nach der Festnahme als Allein-Verantwortliche dar, so ist das jetzt anders. „Da steckte noch viel Schutz für Wilfried drin", sagt sie heute. Zwar gibt sie zu, der aktive Teil des Folter-Duos gewesen zu sein, aber sie schreibt dabei Wilfried W. die Rolle des Spiritus Rector zu, dessen Wünschen sie in allem nachkam. „Ich hatte mich für ihn entschieden", erklärt Angelika W. ihre Loyalität, die sie andere Frauen schlagen, würgen, treten ließ. Und so ist Wilfried W. nicht mehr so entspannt wie an den ersten Verhandlungstagen.

Er sucht keinen Blickkontakt mehr zu den Zuschauern, sondern macht sich Notizen. Ab und an blickt er genervt auf, schüttelt den Kopf, um kundzutun, dass er Aussagen Angelika W.s für völlig abwegig hält. Als sie berichtet, dass sie für ihn Kurznachrichten schreiben musste an die Frauen, die er umgarnen wollte – sogar während sie im Keller die gefrorene Leiche von Annika W. zerlegte – , wird er besonders nervös.

Für ihn ist das erneut eine der bösen Spitzen gegen ihn, die seine Ex-Frau in ihre Schilderungen einflicht. Immer, wenn sie von ihren eigenen unfassbaren Taten berichtet, folgt eine belastende Sentenz zu Wilfried W. So habe er den schlechten Zustand Annika W.s mit den Worten „Ich glaube, die nippelt uns ab" gemeldet, schildert Angelika W. so ganz nebenbei und berichtet dann, dass nach dem Tod der Frau ihre eigenen Qualen wieder begannen.

Wenn sie Sätze formuliert wie den, dass die Todesopfer Annika W. und Susanne F. „eigentlich noch am Leben sein müssten, wenn man überlegt, was ich überlebt habe", dann ist das nicht positiv für Wilfried W. – auch wenn hier vor Gericht seine Gewalttaten gegen seine Ex-Frau nicht zur Debatte stehen. Das muss er schlucken – bis ihm vielleicht seine Verteidiger doch zugestehen, selbst zu sprechen, seine Sicht der Dinge zu schildern. Der Prozess wird am nächsten Dienstag fortgesetzt.

Funkstille im Landgericht

Wer ein so geniales Gehör hat, dass er den Schnee fallen hört, war am 7. Verhandlungstag klar bevorzugt. Alles stand zum Besten im Saal 205.

Die Kammer war vollständig, die Angeklagten rechtzeitig aus den Haftanstalten eingetroffen. Journalisten nahmen ihre bereits angestammten Plätze ein. Prozessbeobachter belegten die harten Zuschauerbänke. Und dann begann das große Schnarren und Rauschen. Trotz mehrfacher Versuche versagte die unmoderne Mikrofonanlage ihren Dienst. Richter Emminghaus war nicht mehr zu verstehen, dazwischen hustete Staatsanwalt Meyer, der erkältet war. Es war mühsam, der schwierigen Verhandlung zu folgen. Einem Journalisten fielen kurzzeitig die Augen zu.

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