Donnerstag, 17.05.2012
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24.10.2011
AUGUSTDORF
Bei der Sekundarschule kochen die Emotionen hoch
Augustdorfer Rat diskutiert über Zeitplan und findet keine Einigung

Augustdorf (jab). Der Rat der Gemeinde Augustdorf will sich Zeit für seine Schulentwicklungsplanung lassen. Der Vorschlag der Freien Wählergemeinschaft (FWG), einen Zeitplan für die Einrichtung einer Sekundarschule zu erstellen, wurde von den Ratsmitgliedern abgelehnt.

Hintergrund ist eine nahende Frist. Will die Gemeinde die Schulform zum kommenden Schuljahr in Augustdorf einrichten, muss ein entsprechender Ratsbeschluss bereits im Dezember gefasst werden. Doch zwei Monate sind laut Bürgermeister Dr. Andreas Wulf (CDU) zu kurz. "Ich finde, wir sollten uns Zeit lassen und abwarten, was das Land für Regelungen ausgibt. Außerdem liegen über 1000 Unterschriften für den Erhalt der Realschule vor - das ist ein Stimmungsbild", betonte der Verwaltungschef.

Heinrich Georg Schneider (SPD) zeigte sich von Wulfs Argumentation genervt. "Ich weiß nicht, warum Sie wieder mit den Unterschriften kommen. Wir wollen keinen Schulstreit. Versuchen Sie einen Konsens herzustellen, wachsen Sie über sich hinaus", gab der Fraktionschef der Sozialdemokraten dem Bürgermeister mit auf den Weg.

Peter Kaup (FWG) zweifelte an, dass unter den Unterzeichnern viele Eltern von Grundschulkindern sind. Und nur diese seien an der Entscheidung tatsächlich beteiligt. Außerdem fordere die Fraktion nicht, die Sekundarschule bereits nächstes Jahr einzurichten. Es gehe lediglich um einen Zeitplan.

Damit handelte sich der Fraktionsvorsitzende Kritik seitens der CDU ein. "Jetzt wollen Sie auseinander dividieren, wer sich eine Meinung bilden darf", sagte Lutz Müller. Kaup wies dies jedoch zurück.
CDU-Fraktionschef Harald Schultze versuchte, die Gemüter zu beruhigen: "Wir können einen Konsens erreichen, wenn wir uns sachlich damit auseinander setzen. In zwei Monaten werden wir das nicht schaffen. Wir sind aber bereit, mit allen Beteiligten zu sprechen", betonte er. Im Grunde wollten schließlich alle dasselbe. Nämlich, dass möglichst viele Kinder in der eigenen Gemeinde beschult würden.

Von einer Idee können sich die Ratsmitglieder allerdings schon jetzt verabschieden. Das Schulministerium teilte auf Nachfrage schriftlich mit, dass die Sekundarschule eine gebundene Ganztagsschule sei. Die Klassen seien besonders heterogen, sodass viel individuelle Förderung und damit auch Zeit nötig sei. Die Vorstellung, die Schule auch halbtags führen zu können, ist damit vom Tisch. 


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Kommentare
Es ist doch erstaunlich, wie unterschiedlich doch hier argumentiert wird. Einerseits wird behauptet, man wolle möglichst viele Schüler in der eigenen Gemeinde beschulen (immerhin eine fast-10.000-Einwohner-Gemeinde), andererseits will man 1.000 Unterschrifte, die sich für den Erhalt der Realschule einsetzen, nicht unberücksichtigt lassen.

Dazu muss zunächst einmal erläutert werden, dass die Leiterin der Realschule seit einigen Monaten eine Werbekampagne mit Ausgabe von Flyern (wer bezahlt die eigentlich?) und diversen Auftritten zu diesem Thema durchführt. Kernaussage: Wir können alle Schüler aufnehmen und auch Förderbedarfe decken. Warum eine Beamtin sich aber derart in die Schulpolitik einer Gemeinde einbringt, obwohl sie eigentlich neutral bleiben sollte, und dies vom Träger der Schule kommentarlos hingenommen wird, ist nicht nur mir unverständlich. Wenn in einer öffentlichen Diskussion der Vorsteher einer Glaubensgemeinschaft von Gläubigen, die traditionell viele Kinder haben, verlautbart, dass im Falle der Einführung einer verpflichtenden Ganztagsschule alle diese Kinder danach andernorts beschult werden, dann macht mich das einerseits traurig aber auch sehr nachdenklich. Denn welche Alternativen werden dann gewählt? Die Kinder nach Detmold, Hövelhof , Bielefeld oder Paderborn zu bringen? Die Kinder, die in Detmold zur Schule gehen und mit dem Bus dorthin fahren, sind ca. 2 Stunden täglich unterwegs. Zeit, die sicher sinnvoller verbracht werden könnte. Diese Kinder verlieren die Anbindung an die Gemeinde, an die sozialen Einrichtungen wie Sportvereine, Feuerwehr, DRK usw. Wäre nicht viel besser, wenn ALLE Verantwortlichen sich zusammensetzen und überlegen wie man eine Sekundarschule errichten kann und dabei die Ineressen der der verschiedenen Gruppen berücksichtigt. Ganztags muss ja nicht bedeuten, dass jeden Tag bis 17:00 Uhr Schule ist. Es kann ebenso bedeuten, dass 3 mal die Woche bis 15:30 Uhr unterrichtet wird. Dogmatische Überlegungen sind hier fehl am Platz, denn die Realität 2011 sieht einfach anders aus, als viele konservative Menschen sie darstellen wollen. Eine einzige Realschule ist aus meiner Sicht für einen Ort, der diese Größenordnung hat zu wenig.



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