Restaurator Franz Mühlbauer-Keul stößt bei seinen Untersuchungen auf Ungewöhnliches
Detmold. Restaurator Franz Mühlbauer-Keul hat jede Menge Truhen untersucht. Sie waren früher einer der einzigen Orte für Privates - und daher förderte Mühlbauer-Keul Interessantes zutage.
Hintergrund ist die Ausstellung "Schatzhüter - Truhen aus fünf Jahrhunderten" im LWL-Freilichtmuseum. Der Experte nahm für die Restauration von Papier und Leder scheinbar nüchterne Boxen unter die Lupe. "Truhen hatten in der Vergangenheit eine ähnliche Bedeutung wie heute ein Spind. Sie waren ein ganz privater Bereich", erklärt Katharina Schlimmgen-Ehmke. Sammlungsleiterin des LWL-Museums.
Denn oft teilten sich etwa in den Stadt-Haushalten und auf Bauernhöfen mehrere Menschen eine Kammer, teils sogar ein einziges Bett, so die Wissenschaftliche Referentin weiter. Der Raum für Privates war damit auf die Truhen beschränkt, in denen oft der gesamte Besitz gesammelt war. Die Besitzer schmückten sie individuell aus. "In einem Fall hatte die frühere Besitzerin ihre Truhe im Inneren mit Tapete beklebt", so Franz Mühlbauer-Keul, der einer von wenigen Papier-Experten ist.
Ausstellung öffnet im April:
Das Jahr 2012 trägt im LWL-Freilichtmuseum das Thema "Schatzhüter - Truhen aus fünf Jahrhunderten". Anhand einer Ausstellung und inszenierten Stationen im Museumsgelände beschäftigt sich die Einrichtung mit dem ältesten bekannten Multifunktionsmöbel: der Truhe. Truhen aus fünf Jahrhunderten zeigen das Möbel in vielfältigen Formen und Funktionen - von der Truhe über die Kommode bis hin zu modernen Formen wie der Gefriertruhe oder der "Musicbox" ist alles vertreten. Eröffnet wird die Ausstellung zum Saisonauftakt am 1. April.
Seine Arbeit beschreibt er so: "Zunächst wird der Ist-Zustand mit Fotos festgehalten, dann der Truhen-Zustand dokumentiert. Es folgen Skizzen und ein Konzept mit dem, was wir machen wollen." Bei den Tapeten hatte sich der Fachmann dazu entschlossen, sie abzunehmen. "Die Truhe war zu verschmutzt, die Tapeten hatten teilweise Wasserflecken", erklärt der Experte. Er musste den Kleber - einen Leim, der früher aus Mehl und Wasser aufgekocht wurde - lösen. Probleme bereiten vor allem Truhen mit runden Deckeln aus Eichenholz. Die Säure aus dem Holz schädigt das Papier und lässt es reißen. "In anderen Fällen sind die Truhen mit Motiven aus der griechisch-römischen Mythologie beklebt oder aber mit barocken Motiven", berichtet der Fachmann. Einen der interessantesten Funde machte der Restaurator in einer Truhe vom Niederrhein. "Die Eigentümerin hat über einen Zeitraum von 30 Jahren immer wieder Wallfahrtsblätter aus Kevelar vom Niederrhein eingeklebt." (dl)
stehenden Code hier ein*: