Detmold-Herberhausen. Ein Ölwagen vor der Haustür ist erst einmal nichts Besonderes. Für die Mieter des Hauses Poggenpohl 14/16 in Herberhausen schon: Sie haben teilweise seit zehn Tagen in der Kälte gesessen.
2.000 Liter Heizöl lässt Mischa Rubart in den 15.000 Liter fassenden Tank des Hauses laufen. Das ist nicht viel, verspricht den sechs Mietparteien zunächst aber einige Tage lang wieder warme Heizkörper und warmes Wasser, das aus dem Hahn und nicht von der Kochplatte kommt. Eine Familie ist schon vor der Kälte in eine andere Unterkunft geflüchtet, die zweite – mit Kindern von sieben Monaten bis zehn Jahren – ist noch da.
Ab Montag vergangener Woche seien die Heizungen aus gewesen, sagt Mieterin Christina Schönseifen. Am Donnerstag vor einer Woche schritt die Stadt ein, nachdem die Mieter die Polizei gerufen hatten. Ordnungsamt und Jugendamt stellten Elektroheizungen auf, vor allem in den Wohnungen der Familien. Dann klemmte sich das Jugendamt hinter den Fall. "Drei Tage lang haben wir telefoniert, niemand fühlte sich verantwortlich für das Haus", so eine Jugendamtsmitarbeiterin. Denn die Eigentumsverhältnisse in dem Wohnblock mit insgesamt zwölf Wohnungen sind nicht einfach zu durchschauen (siehe Kasten). Letztlich hatte die Hartnäckigkeit aber Erfolg.
Doch im Jugendamt ist man skeptisch, wie lange bei den jetzigen Temperaturen tatsächlich das Öl vorhält. 2.000 Liter sind angesichts der Größe des Hauses nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Poggenpohl 16 ist ein Dauerthema", heißt es beim Jugendamt. Den beiden dort wohnenden Familien sollen nun andere Wohnungen besorgt werden. Auch Mieterin Christina Schönseifen bestätigt, dass im vergangenen Jahr insgesamt sechs Wochen lang die Heizungen kalt waren, zuletzt im Dezember. "Jetzt hoffe ich nur, dass die Leitungen nicht platzen", sagt sie.
Dass die Firma Rubart überhaupt geliefert habe, sei dem Eigentümer des Nachbarhauses Poggenpohl 11 zu verdanken, weiß die Herberhausenerin. "Er hat sich darum gekümmert, obwohl er gar nicht für uns zuständig ist." Dieser Eigentümer ist die holländische "Van der Horst Property"-Gesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die 6.500 Wohneinheiten besitzt.
Gerard van der Horst von der Van der Horst Unternehmensgruppe bestätigte, dass man das Geld für 2.000 Liter Öl überwiesen habe, nachdem das Jugendamt den Kontakt gesucht habe. Allerdings nicht nur als Nothelfer. Seine Firma habe bereits Objekte des Beckumer Unternehmens CO Real Estate übernommen, dem auch Teile von Poggenpohl 14/16 gehörten. Man sei interessiert daran, auch diese Immobilie zu kaufen.
Ein Haus und seine Eigentümer
Das Haus Poggenpohl 14/16 hat zwölf Wohnungen. Diese Wohnungen gehören unterschiedlichen Eigentümern und Verwalterin ist die "New Immo Solutions UG" von Dirk Kuhn aus Werne. Fünf Eigentümer teilten sich den Immobilienbesitz, schildert er auf Anfrage der LZ. Das seien Immobiliengesellschaften und natürliche Personen. Kuhn kennt die Probleme mit fehlendem Heizöl. "Seit einem Jahr sind wir um eine Lösung bemüht.
Aber vier der fünf Eigentümer zeigen sich nicht kooperativ." Sie zahlten auch ihre Beiträge an die Hausverwaltung nicht, teilweise komme Post ungeöffnet zurück. Er bedauere die Situation der Mieter, aber: "Ich habe nur 350 Euro Einnahmen im Monat. Ich kann nicht mehr Geld ausgeben als ich habe." Nunmehr habe er aber bei einem Eigentümer dringlich um Geld gebeten und selbst noch einmal für 1.500 Euro Öl bestellt.(te)
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