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27.11.2012
DETMOLD
Schauspieler Walter Sittler spürt im Landestheater Sein und Werden Kästners nach
"Als ich ein kleiner Junge war…"
VON ANDREAS BECKSCHÄFER

Stimmig komponiert | Foto: Beckschäfer

Detmold. Erich Kästner ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller. Schauspieler Walter Sittler hat sich dessen Leben vorgenommen und es im Landestheater auf die Bühne
gebracht.

"Ich schaute auf den Gabentisch. Einmal rechts, einmal links - und nirgends zu lang und nirgends zu flüchtig." Eine triumphierende Mutter und ein stolzer Vater erwarten im Hause Kästner die Begeisterung in den Augen und den Worten ihres einzigen Sohnes. Der kleine Erich, "erwachsener als meine Eltern", verteilt seine Aufmerksamkeit für die jeweiligen Geschenke mit Bedacht. Um keines der Elternteile zu enttäuschen. Im Hintergrund konterkariert ein liebliches Glockenspiel die Dramaturgie des Augenblicks, in dem das Kind allein die Verantwortung für ein gelingendes Weihnachtsfest trägt. "O du Fröhliche"? Von wegen!

Dieser Blick in die "kleine Dreizimmerwohnung, von der zeitweise noch zwei Zimmer vermietet sind", verrät viel über das Aufwachsen des Erich Kästner. Das ist geprägt von einem so innigen wie schwierigen Verhältnis zu seiner Mutter, deren Vollkommenheit in ihrer Mutterrolle dem kleinen Jungen die Pflicht auferlegt, selbst ein vollkommener Sohn zu sein.

Kästner lässt in seinem autobiographischen Roman aus, wie er letztlich zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller der deutschen Literaturgeschichte geworden ist. Er schildert vielmehr, wie er zu einem Menschen wurde, der in der Kindheit allen Ursprung des späteren Seins erkennt - und vermutlich deshalb vor allem als Kinderbuchautor weltbekannt ist.

Walter Sittler verleiht der Rolle Erich Kästners Glaubwürdigkeit, indem er sein Spiel völlig an der Sprache des Autors orientiert. Ohne Überhöhungen, in Abwesenheit von jeglichem Schwulst und in schlichter, sachlicher Klarheit gibt er den Ich-Erzähler, dessen verlässlichste Begleiter stets Demut und Fleiß gewesen sind. Sittler nimmt die Zuschauer an die Hand und führt sie an die Schauplätze eines Kinderlebens im Dresden des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Fast sieht der Zuschauer Pünktchen und Anton durch die belebten Straßen ziehen, jene Figuren, in denen gleichsam viel Kästner wie Zeitgeschichte steckt. Die Musik, gespielt von sechs Musikern, die im Hintergrund der Bühne bleiben, erklingt filigran und verhalten. Sie unterstreicht sachte ironische, melancholische und sentimentale Momente, transportiert jenes Gefühl für diese Zeit, das auch die lakonischsten Worte nicht vermitteln können.

Der Beifall für die Inszenierung von Martin Mühleis ist riesig. Zu Recht, denn Schauspiel und Musik sind derart stimmig komponiert, dass sie eine tiefgehende Einsicht in das Werden Kästners gewähren. Und diese Blicke in das Innerste einer faszinierenden Persönlichkeit sind brillant gesetzt: Einmal rechts, einmal links - und nirgends zu lang und nirgends zu flüchtig.



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