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09.02.2013
DETMOLD
"Der klassische Skinhead ist ein Auslaufmodell"
Dr. Karsten Wilke und Jan Raabe sehen bei Neonazis eine Abkehr von der alten Symbolsprache

Informiert: Dr. Karsten Wilke bei dem Vortrag im Leopoldinum. | Foto: Beckschäfer

Detmold (abe). Unter dem Titel "Vom Bombenbauer und jugendlichen Suchbewegungen" haben Dr. Karsten Wilke und Jan Raabe im Leopoldinum über die Entwicklung der neonazistischen Szene in Ostwestfalen referiert. Dabei stellten sie die Organisationsstrukturen der rechten Szene vor.

Diese sei in der Region in vielen Formen präsent: als Parteien, Freie Kameradschaften und durch "im bürgerlichen Gewande" auftretende Politiker. Eine grundlegende Veränderung sei in der strategischen Ausrichtung zu beobachten. "Mittlerweile läuft der Zugang zu neonazistischem Gedankengut eher über Rechtsrock-Musik", stellte Jan Raabe fest.

Dieser Versuch des Eindringens in die jugendliche Alltagskultur sei verbunden mit einer Abkehr von der alten Bild- und Symbolsprache. "Der klassische Skinhead ist ein Auslaufmodell", sagte Dr. Karsten Wilke. Optisch seien rechtsradikale Aktivisten heute kaum noch von anderen Lagern zu unterscheiden. Bomberjacke und Springerstiefel würden ersetzt durch unauffälligere Bekleidung, deren Vertrieb sich - ebenso wie der von Tonträgern - zu einem lukrativen Geschäftszweig entwickelt habe. In OWL existierten derzeit gleich vier bedeutende Verlage und Versandhandel, deren Einkünfte vermutlich zu einem Teil in die Rechte Szene zurückflössen.

Den Kern dieser Szene bildeten sogenannte "Freie Kameradschaften", informelle Zusammenschlüsse von Neonazis. Eine dieser Gruppierungen sei seit Jahren auch in Detmold aktiv. Während sich die Kameradschaften aus vorwiegend jungen Mitgliedern zusammensetzten, seien im Hintergrund auch ältere Neonazis unvermindert aktiv, etwa in der systematischen Jugendarbeit.

"Neonazismus vermittelt sich heute oftmals eher als Lebenswelt und nicht in klassischen politischen Formen", zog Wilke am Ende der Veranstaltung, die von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus und dem Verein "Politik und Kultur Detmold" in Kooperation mit der Stadt Detmold organisiert wurde, ein  Fazit. Wichtig sei es deshalb, sich einzumischen: "Ohne gesellschaftlichen Widerstand verfestigen und radikalisieren sich diese Strukturen", schloss Raabe.



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