Horn-Bad Meinberg / Schmedissen / Wilberg. Ein 29-jähriger Schmedisser hat am Sonntag damit gedroht, seine Familie und ihr Haus in die Luft zu jagen. Daraufhin evakuierte die Polizei den Ort. Gegen Mittag wurde der Mann festgenommen.
Hintergrund für die Tat ist offenbar ein Familienstreit in der Nacht zu Sonntag, der am Morgen eskalierte. Der 29-jährige Mann hatte mit zwei Brüdern im Haus der Familie am Werregrund eine Auseinandersetzung, danach drohte er, alle umzubringen. Dann schloss er sich in seinem Zimmer ein. Um 7 Uhr morgens rief die Mutter die Polizei.
Weil der Erwerbslose früher bei der Bundeswehr im Umgang mit Sprengstoffen ausgebildet worden war, nahm die Polizei diese Drohung äußerst ernst. Zumal auch die Familie angab, er habe möglicherweise Sprengmittel im Haus.
Daraufhin lief ein umfangreicher Apparat an, der deutlich mehr als 200 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr Bad Meinberg, Rotem Kreuz, Johannitern, Maltesern, Stadtverwaltung und Bevölkerungsschutz des Kreises Lippe alarmierte. Die Polizei zog Kräfte aus ganz Ostwestfalen zusammen, sperrte im Umkreis von einem Kilometer jede Straße ab – auch die B 239, und hielt einen Hubschrauber in Bereitschaft. Der Verkehr wurde über Schönemark geleitet.
Die Schmedisser mussten ihre Häuser verlassen, Personal des Roten Kreuzes richtete sich darauf ein, die rund 170 Menschen aus 45 Häusern in der Bad Meinberger Sporthalle zu betreuen (siehe Bericht auf Seite 20). Ein Spezialeinsatzkommando bezog Stellung rings um das Haus, die Feuerwehr hielt sich für den Fall des Falles bereit, auch der Patiententransportzug des Katastrophenschutzes stand parat, während eine Verpflegungsgruppe die Helfer versorgte. Der leitende Notarzt des Kreises, Dr. Jörg Mielchen, der stellvertretende Kreisbrandmeister Manfred Behrens, Meinolf Haase als Leiter des Bevölkerungsschutzes der Kreisverwaltung und auch Bürgermeister Eberhard Block waren vor Ort.
Das Gros der Einsatzkräfte sammelte sich in Wilberg, in Schmedissen selbst herrschte völlige Stille. Auch die Verwandten des 29-jährigen waren aus ihrem Fachwerkhaus in Sicherheit gebracht worden. Dann, um kurz vor zwölf Uhr mittags, gelang es den Spezialkräften der Polizei, den Mann anzusprechen. Daraufhin trat er vor die Tür des Hauses und ließ sich ohne Widerstand festnehmen. Der 29-Jährige wurde vom Ordnungsamt der Stadt Horn-Bad Meinberg zunächst in die Psychiatrie eingewiesen.
Nachdem die Gefahr gebannt war, durchsuchten Sprengstoffspürhunde das Gebäude. Einige verdächtige Substanzen, die möglicherweise zur Herstellung von Sprengstoff benutzt werden könnten, stellte die Polizei sicher. Weitere Sprengvorrichtungen oder ähnliches seien aber nicht gefunden worden, teilte Polizeipressesprecher Uwe Bauer mit. Als sicher war, dass keine Gefahr mehr von dem Anwesen ausging, wurden die Sperrungen aufgehoben. Gegen 13.35 Uhr rollte der Verkehr wieder über die B 239.
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