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12.11.2011
KALLETAL
Neufeld-Brüder sollen 20.000 Landsleute geprellt haben
Staatsanwaltschaft ermittelt in riesigem Betrugsfall - 60 Millionen Euro Schaden
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Bielefeld/Detmold. Sie träumten von einer neuen Existenz im fernen Paraguay, wollten in einer Siedlung namens "Kolonie Neufeld" Macadamia-Nüsse anbauen und so den weitgehend unkultivierten Osten des südamerikanischen Landes fruchtbar machen. Doch ihre Reise endete in einem finanziellen Desaster, das nun die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld auf den Plan ruft.

Die Behörde ermittelt in einem gigantischen Fall von Betrug und Untreue, wie Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann dieser Zeitung sagte. Der Gesamtschaden beläuft sich Schätzungen zufolge auf rund 60 Millionen Euro. Bis zu 20.000 Gläubiger sollen betroffen sein.
Die Geschädigten - überwiegend Russlanddeutsche mennonitischen Glaubens - hatten Geld in Ackerland in Paraguay investiert um dorthin auszuwandern. Eingefädelt hatten das Geschäft die Brüder Nikolai (50) und Johannes N. (48) aus Kalletal. Sie boten die Grundstücke in der "Kolonie Neufeld" in der russischsprachigen Monatszeitung Semljaki an.

Die Immobilien sollten später eine Rendite von bis zu 12,5 Prozent abwerfen, so Oberstaatsanwalt Pollmann. Doch daraus wurde nichts, die Parzellen sollen teilweise nicht einmal in einem Grundbuch eingetragen worden sein, wie der Paderborner Rechtsanwalt Franz Zacharias auf Anfrage sagt, der einige der Geschädigten vertritt. Viele Familien sind jetzt "praktisch mittellos", so Zacharias.

In einem Fall hat der Rechtsanwalt für einen der Gläubiger per Urteil einen zivilrechtlichen Anspruch von 30.000 Euro erwirkt. Doch ob dieser jemals realisiert werden kann, ist mehr als zweifelhaft. Denn die in Kalletal ansässige GmbH der beiden Brüder, die das Projekt in Paraguay entwickelt und vermarktet hat, ist mittlerweile in die Insolvenz gegangen, wie Zacharias bestätigt. Die Geschädigten seien im doppelten Sinne auch deshalb besonders betroffen, weil der Verdacht bestehe, dass sie "von Glaubensbrüdern über den Tisch gezogen worden sind", wie Zacharias sagt.

In Strafanzeigen meldeten sich einige Geschädigte bei der Staatsanwaltschaft Detmold, die aufgrund des gigantischen Ausmaßes den Fall an die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld abgab. Die Ermittlungen dort stecken noch "in den Kinderschuhen", so Pollmann. Sie werden Wochen oder Monate dauern.


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