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22.05.2011
AUGUSTDORF
Reservisten werden heute dringender gebraucht denn je
Ein Gastspiel bei der Bundeswehr
VON THORSTEN ENGELHARDT

Zwei von 70 Reservisten, die derzeit bei der Brigade eingesetzt sind: Im Zivilleben ist Nicolas Rönn (sitzend) Küchenverkäufer, sein Kollege Frank Salomon ist IT-Spezialist. | Foto: Engelhardt

Augustdorf. Reserve hat Ruh’, hieß es einst. Es sei denn, es war Herbstmanöver. Dann traten die Reservisten an zum gefechtsmäßigen Kampftrinken. So die Vorurteile. Heute sieht die Reservisten-Welt anders aus.

Oberst Volker Rönnike, stellvertretender Kommandeur der Panzerbrigade 21, weiß genau, wann sich das Klischee vollends von der Wirklichkeit gelöst hat: Es war 1990. Für "Offenes Visier", die letzte große Nato-Übung unter dem Eindruck der Blockkonfrontation im Herbst 1989, wurden noch mal Heerscharen von Reservisten mobilisiert. Dann änderte sich die Welt, es wandelte sich die Bundeswehr und mit ihr die Reserve.

Major Nicolas Rönn (39) und Major Frank Salomon (47) sind Offiziere "d. R.". Die beiden Lipper absolvieren derzeit eine lange Wehrübung im Stab der Panzerbrigade 21. Sie vertreten Offiziere, die in Afghanistan sind. Mit 1360 Männern und Frauen ist die Brigade am Hindukusch, darunter viele Offiziere und Unteroffiziere. Wichtige Posten - vom Mechaniker über den "Spieß" bis hin zu Stabsoffizieren - werden in dieser Zeit durch Reservisten besetzt, die auf "Spiegeldienstposten" vorgesehen sind. "Sie sind gezielt auf ihre Verwendung hin ausgebildet worden", erklärt Rönnike. So könnten die Reservisten die Aufgaben quasi nahtlos übernehmen. 70 Reservisten seien über den Einsatzzeitraum verteilt auf solchen Schlüsseldienstposten bei der Brigade vorgesehen.

"Individualergänzung" ist das Bundeswehrstichwort dafür, und sie geschieht auf freiwilliger Basis. Die Zeiten der zwangsweisen Einberufung zur Aufstockung ganzer Truppenteile sei weitgehend vorbei, sagt Rönnike. Heute gehe es vielmehr darum, gezielt Reservisten bei einzelnen Vorhaben der Kompanien oder Bataillone einzusetzen - von der Lehrgangs- oder Urlaubsvertretung bis hin zum Ersatz bei Auslandseinsatz.

Dafür müssen die Reservekrieger ständig auf dem Laufenden sein. "Reservisten gehören zu den Abteilungen genauso dazu wie die aktiven Soldaten, sie sind in den dienstlichen wie in den sozialen Bereich voll integriert", sagt Hauptmann Udo August Hagedorn, Presseoffizier der Brigade. Dafür halte man aber auch engen Kontakt mit den Arbeitgebern, um alle Interessen aufeinander abzustimmen, ergänzt Rönnike.

Im Zivilleben ist der Reserveoffizier Nicolas Rönn aus Bad Salzuflen Außendienstler in der Küchenmöbelbranche. Frank Salomon aus Augustdorf ist IT-Spezialist. Im Flecktarn arbeiten sie im Stab der Panzerbrigade mit, kümmern sich um Ausbildung, Planung oder Material. Berufliche Veränderungen haben beiden jetzt eine sechsmonatige Wehrübungszeit ermöglicht. Aber auch früher haben sie möglichst einmal pro Jahr eine längere Wehrübung absolviert, um am Ball zu bleiben. Sie nennen die Kameradschaft und die "Ehrenpflicht" als Gründe, sprechen davon, gern Soldat zu sein. Aber dazu gehöre auch noch etwas anderes: die klare Struktur des militärischen Arbeitens erleichtere nicht selten auch, die eigenen Aufgaben im zivilen Berufsleben zu meistern. 







Info
Reservisten:
Alle Wehrdienstleistenden, Zeit- und Berufssoldaten nach dem Ende der aktiven Dienstzeit bis zum Erreichen der jeweiligen Altersgrenze sind im engeren Sinne Reservisten. 20 Offiziere, 35 Unteroffiziere und 15 Mannschaftsdienstgrade sind als Reservisten auf wichtigen Posten im Einsatz, während große Teile der Panzerbrigade 21 in Afghanistan Dienst tun. Reservisten würden heute im wesentlichen zu Einzelwehrübungen auf freiwilliger Basis beordert, heißt es bei der Bundeswehr. Jedem Reservist steht pro Jahr nur eine begrenzte Zahl von Übungstagen zur Verfügung. Die Unterhaltssicherungsbehörde zahle für diese Zeit ein "Gehalt" nach der Höhe des letzten Gehaltes im Zivilleben. Dazu gibt es den Wehrsold je nach Dienstgrad.(te)





Kommentare
Interesannter Artikel!!!



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