Donnerstag, 23.02.2012
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18.10.2011
KREIS LIPPE
Nationalpark würde nur wenige Arbeitsplätze zerstören
Neues Gutachten rechnet mit Verlust von acht Stellen in der Holz- und Sägeindustrie
VON JANA BECKMANN

Erstatteten Bericht | Foto: Gerstendorf-Welle

Kreis Lippe. Das neue Gutachten zum Nationalpark hat ermittelt, dass die lippischen Firmen kaum vom Holz in der Kulisse abhängig sind. Entsprechend gering sei auch der Arbeitsplatzverlust durch das Projekt.

Die Unternehmens- und Strategieberatung "Roland Berger Strategy Consultants" hat sich im Auftrag des Kreises und des Landesverbandes Lippe nochmals mit der Wirtschaftlichkeit eines Nationalparks Teutoburger Wald/Eggegebirge befasst. Dieses Mal mit Blick auf die Folgen für die Holz- und Sägeindustrie.

Umfrage
Das neue Gutachten zum Nationalpark hat ermittelt, dass der Stellenabbau in der Holzindustrie gering ausfallen wird. Die Chancen überwiegen laut Gutachter. Sehen Sie das auch so?





Bislang bietet die Gebietskulisse eine jährliche Einschlagsmenge von rund 61.000 Festmetern. Wird 79 Prozent der Fläche zur Prozessschutzzone (Areal ohne menschlichen Eingriff) erklärt, reduziert sich der Ertrag beim Laubholz um 80 Prozent auf 6.000 Festmeter, während er beim Nadelholz durch den Umbau des Waldes um 42 Prozent auf 46 000 Festmeter steigt. Daraus ergibt sich unterm Strich ein Minus von 15 Prozent und einen Ertrag von 51.000 Festmeter.

Gutachten: Sechs kleine Firmen nachhaltig betroffen

Was bedeutet das für die örtlichen Unternehmen? Anhand von Kundendaten des Staatswaldes und des Landesverbands errechnete "Roland Berger", dass 51 Prozent des in der Prozessschutzzone geschlagenen Holzes an Holzhändler, Sägewerke, Betriebe der Holzwerkstoffindustrie und Brennholzhersteller aus OWL geht. Konkret sind das 34 Firmen. Diese stehen laut "Roland Berger" aber in einer "verhältnismäßig geringen Abhängigkeit" zur Kulisse. Denn: Sie deckten ihren Holzbedarf laut Gutachter durchschnittlich nur zu 18 Prozent aus dem potenziellen Nationalpark beziehungsweise zu 14 Prozent aus der Prozessschutzzone.

Lediglich sechs kleinere Unternehmen, die im Holzhandel oder als Sägewerke tätig seien, wären von der Errichtung eines Nationalparks nachhaltig betroffen. Diese, so empfehlen die Gutachter, sollten Unterstützung erhalten.

Bei den Arbeitsplätzen rechnet "Roland Berger" mit einem Verlust von acht Stellen. Voraussetzung sei, dass 70 Prozent des benötigten Holzes anderweitig beschafft werden können. Dazu kämen 34 Stellen in der Forstwirtschaft, die nach Möglichkeit aber durch die 61 neuen Arbeitsplätze im Nationalpark aufgefangen werden könnten. Ein weiteres Plus von 68 Stellen prognostiziert das Gutachten im Tourismus-Bereich.

"Roland Berger" kommt auf einen regionalökonomischen Effekt von 5,9 Millionen Euro pro Jahr. Dieser entsteht aus einem Plus beim Tourismus um 2 Prozent (4,5 Millionen Euro/Jahr) und Investitionen seitens des Landes (4,2 Millionen Euro/Jahr). Demgegenüber stehen ein Minus von 2,3 Millionen Euro in der Holzwerkstoffindustrie und 500.000 Euro in der Fortwirtschaft.

Das komplette Gutachten gibt es unter www.lippe.de


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Kommentare
Ich nutze das Gebiet Teutoburger Wald täglich, um dort ausgedehnt mit meinem Hund spazieren zu gehen. Mein ruhiger Hund läuft gelegentlich abgeleint, steht sicher im Gehorsam, bleibt grundsätzlich auf den Wegen, belästigt weder Mensch noch Artgenossen und stöbert nicht herum, scheucht kein Wild. Ich achte sehr darauf, daß dies so bleibt - im Gegenzug nehme ich mir die Freiheit, das Tier abzuleinen.

Meine Frage: mit welchen Restriktionen habe ich zu rechnen, wenn der Nationalpark kommen sollte? Ist es dann vorbei mit "Leben und Leben lassen"? Können wir die Natur weiterhin auf rücksichtsvolle Art genießen oder wird es Ge- und Verbotsschilder an jeder Ecke geben?
Dies mag eine recht egoistische Sichtweise sein, für viele ist es jedoch von zentraler Bedeutung zu erfahren, inwieweit sie den Wald weiterhin zur Erholung nutzen können, sei es als Hundebesitzer, mit temperamentvoll herumtobenden, die Natur erfroschenden Kindern oder auf die sportliche Art als Jogger, Nordic Walker, Radfahrer, Reiter.

Wäre toll, wenn dies mal von kompetenter Stelle aus beantwortet werden könnte...

Es gibt viele Berechnungen, die deutlich machen, dass Natur- und Artenschutz auch ökonomisch sinnvoll sind. Ganz unabhängig davon sind wir jedoch verpflichtet, künftigen Generationen die wenigen naturnahen Lebensräume, die noch übrig sind mit aller Kraft zu erhalten.

Als alter Hörster-Stapelager Naturfreund hat mich die gutachterliche "Roland-Berger"-Expertise
eindrücklich überzeugt, daß die künftigen Vorteile
des "Nationalparkes Senne" für die Natur u n d Bürger offensichtlich sind: Bitte stimmen sie mir zu!

@LzLeser. Lese ihre Zeilen und schmeiß mich weg vor lachen. Habe in den letzten Monaten mehrere Tausend Gespräche geführt und fast durchgängig war der Tenor: Was ist ein Nationalpark?.
Gezielte Falschinformationen? Ich glaube, das wenn der Mensch den Unterschied kennen würde, er auch den Unterschied zwischen korrekter Information und Falschinformation erkennt. Also ihr Argument geht wohl ins Leere.

Die Menschen verstehen einen Nationalpark sehr gut, auch liegen alle nötigen Informationen vor, leider wird er von einzelnen Meinungsmachern durch gezielte Falschinformationen ins Zwielicht gerückt.



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