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21.02.2012
LEMGO
Mikrobiologin gibt Tipps gegen Legionellen-Befall
Erst eine Wasseranalyse bringt Klarheit

Im Labor | Foto: Krüger

Lemgo. Legionellen im Wasser können gefährliche Krankheiten auslösen. Die Bakterien fühlen sich besonders in großen Leitungssystemen wohl. Bis zu 500 Erkrankungen werden pro Jahr gemeldet. Berichte über Legionellen-Belastung sorgen für Verunsicherung in der Bevölkerung. Wie gefährlich die Bakterien sind und wie man sich vor ihnen schützen kann, erläutert die Lemgoer Expertin für Mikrobiologie, Professor Dr. Barbara Becker, im LZ-Interview.

Info
Zur Person:
Professor Dr. Barbara Becker ist promovierte Biologin und lehrt seit 2002 an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Am Institut für Lebensmitteltechnologie der Hochschule ist sie zuständig für den Fachbereich Mikrobiologie. Das Institut wurde Anfang 2011 neu gegründet und vereint Fachkompetenzen aus Chemie, Mikrobiologie, Verfahrenstechnik, Fleischtechnologie und Getränketechnologie. Im Fachbereich Mikrobiologie wird mit krankheitserregenden Mikroorganismen und Viren gearbeitet.

Was sind Legionellen und wo sind sie zu finden?

Professor Dr. Barbara Becker: Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien. Sie leben im Süßwasser, in Seen und in geringen Mengen im Grundwasser. Es gibt um die 50 Arten, von denen die Legionella pneumophila der häufigste Krankheitserreger beim Menschen ist. Sie vermehren sich bei Temperaturen zwischen 25 und 50 Grad.

Aber sie leben auch in Gebäuden?

Becker: Da sie bevorzugt im Wasser leben, befinden sie sich auch in Wasserleitungssystemen von Häusern. Problematisch sind große Wasserleitungssysteme zum Beispiel von Hotels, Krankenhäusern oder Schwimmbädern, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen.

Wie werden Legionellen auf den Menschen übertragen?

Becker: Der Keim wird in der Regel übers Einatmen aufgenommen. Sanitären Anlagen in denen etwas vernebelt wird, sind kritische Bereiche. Dazu gehören zum Beispiel Duschen, Whirlpools, Inhalationsapparaturen, Dampfbehandlungen oder Klimaanlagen. Man geht davon aus - ich bin da immer sehr vorsichtig -, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht erfolgt.

Wie gefährlich sind Legionellen?

Becker: Sie können schwere Lungenentzündungen hervorrufen, die tödlich verlaufen können. Laut Statistik des Robert-Koch-Instituts treten in Deutschland im Jahr 300 bis 500 der meldepflichtigen Fälle auf. Man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Der Erreger kann auch grippeähnliche Erkrankungen bedingen, die unerkannt bleiben.

Wie hoch ist das Risiko einer Infektion, wenn der Besucher einer Gemeinschaftseinrichtung mit belastetem Wasser geduscht hat?

Becker: Ein immungeschwächter Körper kann möglicherweise schon von einer geringen Dosis erkranken. Häufig sind ältere Menschen betroffen. Männer erkranken öfters als Frauen. Es macht aber nicht jede Legionelle krank, die Infektiosität des Stammes ist von Bedeutung.

Welche Rolle spielt die Temperatur des Wassers?

Becker: Warmes und stehendes Wasser begünstigt schnelles Wachstum. Bei Temperaturen von über 60 Grad werden die Legionellen aber abgetötet. Es empfiehlt sich, Leitungen von Anfang an zu pflegen. Besonders bei älteren Leitungen mit Ablagerungen und einem Bakterienfilm entsteht ein gutes Areal für Legionellen. Selten genutzte Zapfstellen sollten vor Gebrauch gespült werden.

Wie werden Legionellen bekämpft?

Becker: Viel Spülen verringert die Keimzahl vorübergehend. Chlor ist wirksam, oftmals lässt es sich aber nicht einsetzen. Ein Zahnarzt kann zwar seine Apparateleitungen chlorieren, aber beim Leitungssystem eines Mietshauses wird das nicht ohne weiteres gehen. Auch eine thermische Behandlung ist oft nicht ausreichend, da die Legionellen sich in Belägen verstecken können. Filter helfen, müssen aber häufig gewechselt werden. Als letzte Maßnahme bleibt das Sanieren der Leitungssysteme.

Wie kann der Bürger einschätzen, ob in seinen Leitungen zu Hause erhöhte Keimzahlen zu finden sind?

Becker: Es ist zu empfehlen, eine Wasserprobe untersuchen zu lassen. Autorisierte Labore wie zum Beispiel das TZL-MiTec in Detmold können diese Analyse durchführen.

Im November 2011 ist eine neue Trinkwasserverordnung in Kraft getreten. Was hat sich verändert?

Becker: Eine regelmäßige Probennahme und Untersuchung ist für die gewerbliche Nutzung jetzt verpflichtend. Dazu gehören auch Mietshäuser. Zum besseren Schutz sind die Vorgaben strenger geworden. In 100 Millilitern Trinkwasser dürfen nicht mehr als 100 Legionellen sein.

Das Interview führte LZ-Mitarbeiterin Sabine Krüger.



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