Kreis Lippe (mah). Zeiten, in denen Gewerkschafter mit dem Eintritt ins Rentenalter ihre Mitgliedschaft in der Arbeitnehmervertretung zurückgegeben haben, sind vorbei. Die IG Metall setzt auf die Kompetenz und das Engagement ihrer Senioren - und die wollen sich weiter einmischen.
Und zwar, weil sie sich verpflichtet fühlen. Weil sie die Gesellschaft und vor allem die jungen Arbeitnehmer auf das aufmerksam machen wollen, was ihnen im Alter blüht: Eine geringe Rente und Armut. Dessen ist sich Jürgen Mende sicher. Der langjährige Hornitex-Betriebsratschef ist Vorsitzender der "Senioren in der IG Metall". Er weiß: "Zu denken: ,Irgendwie werde ich schon über die Runden kommen, aber wahrscheinlich werde ich sowieso Grundsicherung beantragen müssen‘, ist falsch." Abzuwarten gelte nicht. "Schon heute müssen wir aktiv werden", fordert Mende. Zu vieles liege im Argen.
Die Senioren rechnen vor: Ein heutiger Durchschnittsverdiener muss 26 Jahre Beiträge einzahlen, um später eine Rente auf "Hartz-IV-Niveau" zu beziehen. Mendes Stellvertreter Hans Vieregge: "Gehört der Arbeitnehmer aber zu den Geringverdienern, muss er sogar 43 Jahre arbeiten. Dies bedeutet Altersarmut." Darum wollen die Gewerkschafter bis zur Bundestagswahl gegen die steigende Zahl befristeter Jobs und für einen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde trommeln - und das sei im Grunde noch zu wenig.
IG-Metall-Sekretär Reinhard Seiler sagte, die Bezahlung drifte immer weiter auseinander. Tarifgebunden beschäftigte Arbeitnehmer verdienten mindestens 13,40 Euro in der Stunde, andere müssten mit viel weniger klarkommen - Tendenz: sinkend. Immer mehr Firmen verabschiedeten sich aus dem Arbeitgeberverband, auch durch Ausgliedern von Abteilungen in eigene Firmen. Die IG Metall schätzt, dass ungefähr 25.000 Arbeitnehmer in Lippe tariflich ungebunden beschäftigt sind; sie selbst vertritt ebenfalls 25.000 Arbeitnehmer.
Termine der Senioren finden sich unter
www.Detmold.igmetall.de/Senioren.
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