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12.10.2011
LAGE
Mit Hilfe von Internetplattformen können Patienten zahnärztliche Angebote vergleichen
Zahnärzte bieten für die Behandlung
VON ASTRID SEWING

Das Team der Göttinger Zahnarztpraxis bereitet im Nebenraum die OP vor. | Foto: Redeker

Lage-Hörste. Zahnersatz ist teuer, zumal die Patienten vieles selbst bezahlen müssen. Wer Angebote vergleichen möchte, der kann seine Behandlung ins Internet stellen. Ich habe es gemacht und viel gespart.

So ein Zahnarztbesuch ist regelrechtes Herz-Kreislauftraining. Während der Behandlung versetzt mich der Bohrer jedesmal in Alarmstimmung, ich warte auf den Schmerz. Anschließend gibt‘s die Diagnose - auch nicht besser. Drei Implantate samt Kronen - das sollte laut Angebot meines Hauszahnarztes "mindestens 6.000 Euro kosten". Eher noch etwas mehr, denn der Knochen des Oberkiefers ist etwas dünn". In der medizinischen Fachsprache nennt sich das, was da gemacht werden muss, ein "interner Sinuslift".

Eine Rückfrage bei der Krankenkasse macht es nicht viel besser: Implantate, das ist das Einsetzen der künstlichen Zahnwurzel, gehören nicht zur Regelversorgung. Für die Kronen, die später aufmontiert werden zahlt die Kasse einen Festzuschuss. Ich setze auf das Bonusheft und werde wieder enttäuscht, denn nicht 30 Prozent der Gesamtsumme, sondern des Festzuschusses, so teilt mir die Krankenkasse mit, werden zusätzlich übernommen. Unter dem Strich würden um die 5.500 Euro bei mir hängen bleiben.

Ich mache das, was ich bei jedem Gewerk machen würde: ich vergleiche. Hier hilft mir das  Internet. Bei Medikompass.de und 2te-zahnarztmeinung.de melde ich mich an und lasse meinen Heil- und Kostenplan auf meine eigene Seite stellen. Ich wähle aus, wie weit ich fahren würde, um die Zähne versorgen zu lassen und vermerke, ob ich Allergien habe oder Besonderes zu beachten ist. Alles läuft anonym. Nur meine Grunddaten sind für den Arzt sichtbar.

Nach und nach trudeln die Angebote ein - und ich bin überrascht, denn sie sind deutlich günstiger, obwohl das Material gleich ist und - darauf lege ich Wert - der Zahnersatz auch in Deutschland hergestellt wird.
Info
Der Vergleich im Netz

Medikompass ist im Mai 2006 gestartet. Fluggs versuchten Zahnärzte aus Süddeutschland, das Portal verbieten zu lassen. Doch das Bundesgericht hat anders entschieden.

"Die Rückmeldungen von den Ärzten die mitmachen, sind positiv. Sie sehen Vorteile, weil sie sich durch die größere Anzahl der Behandlungen auf einem Gebiet spezialisieren können", sagt Sigrun Koschel, Pressesprecherin von Medikompasss.

Wer als Patient Angebote vergleichen möchte, kann das Portal kostenlos nutzen und auch einen Heil- und Kostenplan einstellen lassen. Nur wer sich behandeln lässt, darf im Anschluss eine Bewertung abgeben.

Kritik wird nicht zensiert - sofern sie sachlich bleibt. Beschweren sich zuviele Patienten, kann ein Arzt ausgeschlossen werden. Medikompass, aber auch 2te-zahnarztmeinung.de kooperieren mit einigen Krankenkassen.

Ich entscheide mich für einen Zahnarzt aus Göttingen, nicht der günstigste aus der Liste, aber mit sehr guten Patienten-Bewertungen. Auch das empfinde ich als Vorteil: im Portal schreiben die Patienten, ob sie mit der Behandlung zufrieden waren oder ob sie etwas zu kritisieren haben.

Der Kontakt folgt dann sehr schnell und unkompliziert. Der Arzt bekommt meine Telefonnummer und ich seinen richtigen Namen, samt Kontaktdaten. Ein erstes Treffen bestätigt mich in meiner Wahl. Insgesamt muss ich die Strecke sechsmal auf mich nehmen - wenn alles gut geht. Aber eine Garantie darauf kann mir ohnehin kein Zahnarzt geben, schließlich hängt auch einiges davon ab, wie genau sich die Patienten an die Anweisungen des Arztes halten.

Bei mir ist alles ohne Komplikationen abgelaufen. Alles wurde exakt nach Kostenvoranschlag abgerechnet. Ziehe ich die Fahrtkosten ab, spare ich knapp 2000 Euro.     


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Kommentare
Toll, vor allem wenn man viel Zeit hat und quer durch die Republik zum ZA-Termin reisen kann! Freue mich schon auf die 1. ZA-Werbeanzeigen nach dem Motto: "Ziehe 2 Zähne zum Preis von einem". Und das was die ZÄ, weniger an Einnahmen durch die Zuzahlungen ihrer Patienten erhalten wird den Kassen dann über kurz oder lang durch höhere Gebührensätze wieder abgerungen.

Folge: Beitragserhöhungen für alle. Ergo: schlussendlich zahlen die Schwächeren (wenig mobil, wenig Internetkenntnisse), die Rechnung für diejenigen, die sich gut auskennen und diese Auktionen nutzen und Nutzen daraus ziehen können. Außerdem hat doch jeder die Möglichkeit seinen Arzt frei zu wählen. Und wenn mir A zu teuer ist, gehe ich zu B oder C.



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