Lage-Pottenhausen. Die geplante Hähnchenmast-Anlage in Pottenhausen sorgt weiter für Unruhe. Etwa 120 besorgte Bürger haben sich jetzt im Gemeindehaus zu einer Informationsveranstaltung getroffen.
Hähnchen-Mast
18 000 Quadratmeter groß soll er werden, der Hähnchen-Mastbetrieb, den Peter-Eric Froböse und seine Ehefrau Frauke für 84 000 Tiere planen. Nach Bundesimissionsschutzgesetz (BImSchG) prüft der Kreis Lippe derzeit die eingereichten Planungsunterlagen. "Wir haben alles in die Wege geleitet, damit die Bevölkerung informiert wird und Einspruchsmöglichkeiten erhält", betont Peter-Eric Froböse. Warum er und seine Frau nicht zu der Informationsveranstaltung der Kritiker eingeladen wurden, kann er nicht nachvollziehen. "Es wird versucht, die Menschen gegen ein Projekt aufzuwiegeln, von dem sie viel zu wenig wissen", sagt der Agrarbetriebswirt. Die erforderlichen Informationen hätte er an dem Abend beisteuern können. (be)
Die Initiatoren Bernd Beckmann, Monika Rieke und Ralf Schulze haben dabei über die möglichen negativen Folgen der geplanten Mastanlage für 84 000 Hähnchen informiert. Sie wiesen in ihrer detaillierten Präsentation auf die möglichen gesundheitlichen und finanziellen Schäden für die Dorfbewohner hin.
"Laut einer aktuellen Studie sind Hähnchen-Mastanlagen eine erhebliche Quelle für Bakterien, Endotoxine und Schimmelpilze, die mit der Stallabluft in die Umgebung gelangen", betonte Bernd Beckmann. Außerdem führe die Ammoniak-Belastung aus enormen Mengen Kot zu Belastungen des Grundwassers, ebenso wie Antibiotika-Rückstände.
Die Kritiker sehen in dem Bau der geplanten Anlage "In der Mesche" ein großes Umwelt-Risiko und negative Folgen für das Ökosystem. Ferner befürchten sie eine nicht unerhebliche Geruchs- und Lärmbelästigung. "Der Gestank der industriellen Massentierhaltung hat nichts mit frischer Landluft zu tun. Es mindert unsere Wohn- und Lebensqualität", konkretisierte Beckmann seine Bedenken und erhielt dafür zustimmenden Applaus.
Still wurde es im Saal, als Referent Dr. Edmund Haferbeck von der Tierschutzorganisation "PETA" mit schockierenden Bildern auf die Problematik der Massentierhaltung in Bezug auf die Geflügelmast einging und die regelmäßigen Verstöße großer Fleischkonzerne gegen das Tierschutzgesetz an den Pranger stellte. Bei der anschließenden Diskussion kochten dann bei einigen Dorfbewohnern die Emotionen hoch. Bernd Beckmann rief zur Fairness gegenüber dem nicht anwesenden Landwirt auf. Dennoch war sich die Dorfgemeinschaft einig: "Wir wollen keine Mastanlage", brachte es Wilhelm Strate auf den Punkt.
Eine Unterschriftenaktion im Dorf zeigt, dass etwa 450 Anwohner ebenfalls seiner Meinung sind. Horst Garthoff erzählte von seinem Besuch bei dem Landwirt: "Peter-Eric Froböse ist ein sehr sympathischer Mann. Er hat mir gesagt, dass diese Anlage nicht kommt, wenn das ganze Dorf dagegen ist". Es könne nicht sein, dass das wirtschaftliche Interesse einer Familie über die Bedürfnisse eines ganzen Dorfes gestellt werde, war sich ein großer Teil der Anwesenden einig.
"Außerdem gibt es in Deutschland genügend Hähnchen-Mastanlagen, der Bedarf ist gedeckt", betonte Frank Kosleck. "Wir werden den Bau der Anlage rechtlich nicht verhindern können. Aber wir können eine Bürgerinitiative gründen und eine starke Gemeinschaft bilden", appellierte Ralf Schulze abschließend an die Pottenhauser.
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