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01.11.2011
LAGE
Kritiker kündigen Widerstand gegen geplante Hähnchen-Mastanlage an
In Pottenhausen kochen die Emotionen hoch
VON HEIDI STORK

Prangert Verstöße gegen das Tierschutzgesetz an | Foto: Stork

Lage-Pottenhausen. Die geplante Hähnchenmast-Anlage in Pottenhausen sorgt weiter für Unruhe. Etwa 120 besorgte Bürger haben sich jetzt im Gemeindehaus zu einer Informationsveranstaltung getroffen.

Info
Hähnchen-Mast


18 000 Quadratmeter groß soll er werden, der Hähnchen-Mastbetrieb, den Peter-Eric Froböse und seine Ehefrau Frauke für 84 000 Tiere planen. Nach Bundesimissionsschutzgesetz (BImSchG) prüft der Kreis Lippe derzeit die eingereichten Planungsunterlagen. "Wir haben alles in die Wege geleitet, damit die Bevölkerung informiert wird und Einspruchsmöglichkeiten erhält", betont Peter-Eric Froböse. Warum er und seine Frau nicht zu der Informationsveranstaltung der Kritiker eingeladen wurden, kann er nicht nachvollziehen. "Es wird versucht, die Menschen gegen ein Projekt aufzuwiegeln, von dem sie viel zu wenig wissen", sagt der Agrarbetriebswirt. Die erforderlichen Informationen hätte er an dem Abend beisteuern können. (be)

Die Initiatoren Bernd Beckmann, Monika Rieke und Ralf Schulze haben dabei über die möglichen negativen Folgen der geplanten Mastanlage für 84 000 Hähnchen informiert. Sie wiesen in ihrer detaillierten Präsentation auf die möglichen gesundheitlichen und finanziellen Schäden für die Dorfbewohner hin.

"Laut einer aktuellen Studie sind Hähnchen-Mastanlagen eine erhebliche Quelle für Bakterien, Endotoxine und Schimmelpilze, die mit der Stallabluft in die Umgebung gelangen", betonte Bernd Beckmann. Außerdem führe die Ammoniak-Belastung aus enormen Mengen Kot zu Belastungen des Grundwassers, ebenso wie Antibiotika-Rückstände.

Die Kritiker sehen in dem Bau der geplanten Anlage "In der Mesche" ein großes Umwelt-Risiko und negative Folgen für das Ökosystem. Ferner befürchten sie eine nicht unerhebliche Geruchs- und Lärmbelästigung. "Der Gestank der industriellen Massentierhaltung hat nichts mit frischer Landluft zu tun. Es mindert unsere Wohn- und Lebensqualität", konkretisierte Beckmann seine Bedenken und erhielt dafür zustimmenden Applaus.

Still wurde es im Saal, als Referent Dr. Edmund Haferbeck von der Tierschutzorganisation "PETA" mit schockierenden Bildern auf die Problematik der Massentierhaltung in Bezug auf die Geflügelmast einging und die regelmäßigen Verstöße großer Fleischkonzerne gegen das Tierschutzgesetz an den Pranger stellte. Bei der anschließenden Diskussion kochten dann bei einigen Dorfbewohnern die Emotionen hoch. Bernd Beckmann rief zur Fairness gegenüber dem nicht anwesenden Landwirt auf. Dennoch war sich die Dorfgemeinschaft einig: "Wir wollen keine Mastanlage", brachte es Wilhelm Strate auf den Punkt.

Eine Unterschriftenaktion im Dorf zeigt, dass etwa 450 Anwohner ebenfalls seiner Meinung sind. Horst Garthoff erzählte von seinem Besuch bei dem Landwirt: "Peter-Eric Froböse ist ein sehr sympathischer Mann. Er hat mir gesagt, dass diese Anlage nicht kommt, wenn das ganze Dorf dagegen ist". Es könne nicht sein, dass das wirtschaftliche Interesse einer Familie über die Bedürfnisse eines ganzen Dorfes gestellt werde, war sich ein großer Teil der Anwesenden einig.

"Außerdem gibt es in Deutschland genügend Hähnchen-Mastanlagen, der Bedarf ist gedeckt", betonte Frank Kosleck. "Wir werden den Bau der Anlage rechtlich nicht verhindern können. Aber wir können eine Bürgerinitiative gründen und eine starke Gemeinschaft bilden", appellierte Ralf Schulze abschließend an die Pottenhauser.


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Kommentare
Was noch alles in Pottenhausen? Eine B239 mit C oder D-Trasse in unmittelbarer Nähe, die Erweiterung der Biogasanlage mit nervenden Silageverkehr, eine Tierquälfabrik; was kommt als Nächstes? Vielleicht kann man das Schloß Iggenhausen noch umbauen in eine forensische Klinik? So macht man sich keine Freunde. Auch nicht Herr Froböse!

Appell an den Bauherren: Bitte informieren Sie uns doch mal konkret und aktiv über das, was da an Belastung mit Feinstäuben, Bakterien, Geruchsbelastung durch Ammoniak, Mist, zusätzlichem Verkehr etc. real auf uns zukommt. Keine Floskeln und Allgemeinplätze! Sie bauen den Stall und nur Fakten könnten die berechtigten Bedenken der Anwohner entkräften. Dann mal los... ich bin gespannt (vielleicht demnächst in der LZ??)

Ich bin kein Tierschützer und Esse auch Fleisch.
Jedoch achte ich darauf was für Fleisch ich esse.
Im Bezug auf Medikamenteneinsatz in Mastanlagen gibt es auch Videos mit den möglichen Auswirkungen
Link unterdrückt
Zudem das ein Huhn in einer solchen Mastanlage dann nicht mal mehr Platz hat wie auf einem DIN A4 Blatt ist für den Unternehmer nebensächlich.

Wir haben uns grade erst ein Haus hier gekauft, auch aufgrund der schönen Lage, der Umgebung....Es wäre ein schwerer Schlag wenn uns unser neues Glück nun durch so eine Mastanlage zerstört würde....Bitte bauen sie hier nicht!

Ich begrüße das Engagement der Pottenhausener gegen die Mastanlage ausdrücklich. Nicht nur die aus örtlicher Sicht richtigen Argumente wie Lärm- und Geruchsbelästigung, Gesundheitsbeeinträchtigung, etc. sind zu berücksichtigen, auch die ethisch-moralischen Aspekte der Massentierhaltung rücken dadurch vielleicht wieder etwas mehr ins Bewußtsein. Allerdings fürchte ist, das dies für die nächste Zeit mein Wunschdenken bleibt. Trotzdem - weiter so, Pottenhausen!



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