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22.02.2012
LAGE
Waddenhauser soll für kurze Bahnfahrt 210 Euro zahlen
Ernst-August Lander wird wegen Schwarzfahrens von Sylbach nach Lage zur Kasse gebeten
VON WOLFGANG BECKER

Verärgert | Foto: Becker

Lage-Waddenhausen. Eine Fahrt mit der Westfalen-Bahn von Sylbach nach Lage kostet normalerweise 3,30 Euro. Ernst-August Lander kommt die sechs Kilometer lange Reise sehr viel teurer zu stehen: Er soll 210 Euro zahlen.

Vor einem Jahr wollte der Waddenhausener nach Lage, um eine Besorgung zu machen. Weil seine Ehefrau an diesem Morgen das Auto brauchte, nahm er den Zug. "Im Bahnhof Sylbach gibt es weder einen Fahrkartenschalter, noch einen Fahrkartenautomaten. Also bestieg ich den Zug nach Lage gezwungenermaßen ohne Fahrausweis", erinnert sich der Diplom-Ingenieur und Betriebswirt.

Prompt kam der Schaffner auf ihn zu. "Als er mich erreichte, bat ich ihn, mir eine Fahrkarte zu verkaufen." Daraufhin soll der Schaffner nach Landers Schilderungen entgegnet haben: "Sie haben keine Fahrkarte?! Das kostet 40 Euro Strafe." Die Erwiderung, er habe keine Karte, weil er in Sylbach keine kaufen konnte, habe der Bahnbedienstete nicht gelten lassen und darauf hingewiesen, dass im Zug Schilder angebracht seien, auf denen darauf aufmerksam gemacht wird, dass es am Ende des Zuges einen Automaten gibt.

"Nach 40 Jahren-Bahn-Abstinenz war mir nicht bekannt, dass ich zunächst alle Hinweisschilder lesen muss. Um so weniger, wenn der Schaffner direkt vor mir steht. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass die Bahn ein Dienstleistungsunternehmen ist, und man sich mit Fragen und Wünschen an das Personal wenden kann. Außerdem war der Automat am Zugende hinter dem Schaffner, so dass ich an ihm hätte vorbeigehen müssen, und dann hätte er mich natürlich auch nach der Fahrkarte gefragt", wundert sich Lander.

Für die Westfalen-Bahn ist er ein ertappter Schwarzfahrer. Weil er sich weigerte, das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro zu zahlen, ging die Sache vor den Kadi. Das Amtsgericht Detmold verurteilte den Waddenhausener zur Übernahme aller Kosten und Gebühren, die sich mittlerweile auf 209,64 Euro belaufen.

"Das Thema ist für die Westfalen-Bahn jetzt vom Tisch", sagt Unternehmenssprecher Thomas Kopp. Das Gericht habe ein Urteil gefällt. Es sei eben nicht so wie vom Beklagten geschildert, dass dieser auf den Kundenbetreuer im Zug zugegangen sei. Vielmehr habe Lander abgewartet und erst auf Ansprache offenbart, dass er keinen Fahrausweis habe. Angesichts von 9.000 bis 10.000 Schwarzfahrern im Jahr nehme Kopp das Urteil der Detmolder Richter mit Genugtuung auf. Ernst-August Lander will die Entscheidung auf keinen Fall akzeptieren und eine Schiedsstelle einschalten.


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Kommentare
Ich konnte mit der Westfalen-Bahn noch nie gute Erfahrungen machen. Die Mitarbeiter sind, wie ich finde auch in diesem Fall, sehr unfreundlich, uneinsichtig und nicht am Kunden orientiert. Nun bin ich froh täglich mit dem Auto fahren zu dürfen und hoffe die Westfalen-Bahn nicht nutzen zu müssen. Ich selbst habe es auch schon erlebt, dass jemand als Schwarzfahrer bezeichnet wurde, obwohl bekannt war das der Fahrkarten Automat kaputt war. Ich weiß nicht wo da das Problem ist, sich vom Schaffner ein Ticket ausdrucken zu lassen bzw. am Automaten ein Ticket zu kaufen.

Ich fahre jeden Tag mit der Bahn und kenne die Gegebenheiten. Wenn der Schaffner zum Kunden kommt und dieser keine Fahrkarte nachweisen kann, ist es bereits zu spät. Hier hätte der Fahrgast seinen guten Willen zeigen und direkt beim Einstieg zum Schaffner gehen müssen. Insbesondere auch aus dem Grund, weil er ja keine Ahnung hatte, wie das System funktioniert.
Die Schaffner sind sehrwohl in der Lage zu unterscheiden zwischen,mutwilligem und versehentlichem Schwarzfahrern. Sorry, aber hier muss ich ausnahmsweise dem Schaffner Recht geben.

Wenn man das nicht weiß, dass es im Zug einen Automaten gibt, dann fragt man doch den Schaffner oder? Wenn der aber dann sofort mit 40€ Strafe kommt ist das doch gar nicht gerechtfertigt.

Außerdem brauch man als Neuling am Automaten solange, dann ist man schon in Lage!

Von Hilfsbereitschaft und Kulanz ist hier nichts zu sehen (zumindest nach dem Bericht zufolgend).

Wenn Herr Lander die Absicht hatte eine Fahrkarte zu kaufen, ob im oder außerhalb des Zuges, und die möglichkeit dazu nicht gegeben ist, ist es kein beabsichtigtes "Schwarzfahren". In nicht allen Zügen ist ein Fahrscheinautomat vorhanden, geschweige denn funktionieren auch alle, dann ist ein Lösen eines Fahrscheines beim Schaffner normal. Das er jetzt als Schwarzfahrer abgetan wird und auch noch 201 Euro zahlen soll, ist eine frechheit. Ein Unternehmer, der mehrfach wegen Betruges aufgefallen wird bekommt eine Geldstrafe in Taschengeldhöhe, und jemand der sich korrekt verhalten will wird hier zur Kasse gebeten. Die kleinen hänngt man, die großen läßt man laufen. Danke Deutschland, für diese Rechtsprechung.

In jedem Zug der Westfalenbahn gibt es einen Fahrkartenautomaten! Wer keinen Fahrkarte kauft muss bestraft werden!



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