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18.02.2012
LÜGDE
Lügder Katholiken bewachen ihre Kirche
Brandstiftung vom vergangenen Sommer hat 25 ehrenamtliche Wächter auf den Plan gerufen
VON JUSTIN BLUM

Offene Gotteshäuser als Orte der Einkehr gehören zum Prinzip vieler katholischer Gemeinden. Doch mitunter wird ihnen diese Offenheit schlecht gedankt. Darum schieben die Lügder jetzt Wache.

Hier hatten die Jugendlichen gezündelt | Foto: Blum

Lügde. Ein angesengtes Deckchen und Rußspuren am steinernen Sims: Viele Spuren von dem kleinen Brand im linken Teil der Lügder St.-Marien-Kirche sind nach rund sieben Monaten nicht mehr zu entdecken. Aber so weit wie damals soll es nie wieder kommen.

Wie die Lippische Landes-Zeitung seinerzeit berichtete, hatten Jugendliche im Juli vergangenen Jahres mit Papierzetteln aus dem Kircheneingang an den Kerzenleuchtern gezündelt und ein Altartuch in Brand gesetzt. Das Gotteshaus hatte offenbar einen Schutzengel: Dem Zufall ist es zu verdanken, dass damals nichts schlimmeres passierte. Pastor Peter Hellersberg hatte seinerzeit außerplanmäßig das große Gotteshaus im Herzen Lügdes betreten, und hat den Schrecken nicht vergessen, "Ich habe sofort die Flammen und den Qualm bemerkt", erinnert er sich. Weil der Geistliche auf die Schnelle nichts anderes fand, löschte er den Brand kurzerhand mit Weihwasser.

Besonders prekär: Die Feuerstelle lag in unmittelbarer Nähe eines historischen Holzaltars. "Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätten die Flammen den Altar oder die Kirchenbänke erreicht. Die sind trocken und brennen wie Zunder", sagt Hans Steinhage. Das 80-jährige Gemeindemitglied ist einer von rund 25 ehrenamtlichen Helfern, die seit dem Brand im Schichtdienst einige Stunden in der Kirche verbringen, um aufzupassen.

"Es gab auch im Kirchenvorstand die Überlegungen, die Kirche abzuschließen oder die Besucher nur bis zum Gitter vorzulassen, aber das ist ja auch nicht der Sinn und Zweck eines Gotteshauses", betont Pastor Hellersberg. Und so finden neben vielen Rentnern auch einige gläubige, noch berufstätige Lügder Zeit, während ihrer "Schicht" einmal der Hektik des Alltags zu entfliehen. "Viele der freiwilligen Wächter sagen, dass sie den Dienst hier nicht als Arbeit ansehen, sondern im Gegenteil froh sind, mal eine Zeit lang ohne Handy und sonstige Technik zu sein", sagt Pastor Hellersberg. "So hat die ganze Geschichte irgendwie doch auch einen positiven Effekt auf die Gemeinde gehabt", fügt er an.


Reuige Täter

Die Brandstifter sind schon kurze Zeit nach der Tat geschnappt worden. Drei von vier Tätern waren zur Tatzeit allerdings noch keine 14 Jahre alt. Zwar richtete sich die Zündelei nicht gegen die Kirche oder die christliche Glaubensrichtung, als bloßen Dummejungenstreich will Pastor Peter Hellersberg die Tat allerdings nicht abtun. "Im Moment ihres Handelns war ihnen die Reichweite einfach nicht bewusst. Später haben sie allerdings eingesehen, was hätte passieren können", fasst der Geistliche zusammen. Alle vier haben sich mittlerweile persönlich für ihre Tat entschuldigt und auch der entstandene Sachschaden ist beglichen. Hans Steinhage und die übrigen Gemeindemitglieder wollen in nächster Zeit wachsam bleiben. "Wir sind ja kein Sicherheitsdienst, eher wachende Beter", sagt der 80-Jährige. (jub)


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