Detmold (sb/mah). Seit Dienstag gibt es keinen Zweifel mehr: Die Tote von dem Golfplatz bei Lübeck ist Arzu Özmen. Gerüchte, nach denen Arzu erschossen worden sein soll, wollte Oberstaatsanwalt Michael Kempkes "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht bestätigen. Fünf Geschwister, die Arzu verschleppt haben sollen, sitzen seit Anfang November in Untersuchungshaft und schweigen.
Rechtsanwalt Andreas Chlosta aus Bielefeld vertritt einen der Brüder. Er sagte, dieses Schweigen könne auch darin begründet liegen, dass die Geschwister sich nicht untereinander belasten wollten. Allzu vieles sei zudem noch unbestimmt, "insbesondere die Todesursache".
Kempkes geht davon aus, dass die Vernehmungen im Laufe dieser Woche Erkenntnisse darüber bringen werden, wer Arzu umgebracht hat und wie sie zu dem 270 Kilometer entfernten Fundort gebracht worden ist.
Unterdessen hat Serap Cileli vom Verein "peri" zu einem Trauermarsch aufgerufen: "Wir wollen gegen die Gewalt der ,Ehrenmörder‘ ein Zeichen setzen", schreibt sie an die Presse. Cileli setzt sich mit dem Verein für Menschen mit Migrationshintergrund ein, die von Gewalt bedroht sind. Der Trauermarsch startet um 16 Uhr an der Bäckerei Müller, Hornsche Straße 239, und führt zum Marktplatz. Dort wird es eine Kundgebung geben.
Trauergottesdienst am Freitag in der Friedenskirche
Die Ermordung von Arzu Özmen hat große Erschütterung ausgelöst unter vielen, die sie kannten und weit über den Ortsteil Remmighausen hinaus. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Detmold-Ost mit Pfarrer Dieter Bökemeier lädt darum zu einer Trauerfeier ein, die allen Interessierten den Raum geben soll, ihren eigenen Gefühlen der Betroffenheit und der Trauer Ausdruck zu geben. Der Gottesdienst findet am Freitag, 20. Januar, um 19 Uhr in der Friedenskirche Remmighausen statt, Hornsche Str. 267. Auch ein jezidischer Geistlicher wird ein Gedenkwort sprechen und damit das Entsetzen auch der jezidischen Gemenischaft zum Ausdruck bringen.
Nachruf der Gesamtschule für Arzu Özmen Wir, die Schülerinnen und Schüler und das Lehrerkollegium der Geschwister-Scholl-Schule in Detmold, trauern um den gewaltsamen Tod unserer ehemaligen Schülerin Arzu Özmen.
Arzu kam an unserer Schule mit vielen, unterschiedlichen Kulturen in Kontakt. Sie war eine beliebte, aktive und kritische Schülerin, die in unserer Schulgemeinschaft gut integriert war. Sie hat in ihrer Schulzeit engagiert an vielfältigen Aktionen unserer Schule gegen Rassismus teilgenommen.
Die Schülerinnen und Schüler, das gesamte Kollegium stehen ihrem Tod betroffen gegenüber, da Arzu, die nach ihren eigenen Idealen leben wollte, gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde.
Wir verurteilen in diesem Zusammenhang jede Form von Rassismus, Verletzung der Menschenwürde und Einschränkung der persönlichen Freiheit.
"Die Freiheit des Einen hört da auf, wo die des Anderen anfängt" (Rosa Luxemburg)