Detmold (ero/sb). Der Mord an der 18-jährigen Arzu Özmen macht viele Freunde und Bekannte sprachlos, traurig und wütend. Ehemalige Mitschüler und Lehrer der Detmolder Geschwister-Scholl-Gesamtschule, die auch Arzu bis 2010 besuchte, bringen ihre Betroffenheit mit einem Nachruf auf den Internetseiten der Schule zum Ausdruck.
Darin heißt es, dass Arzu an der Schule mit vielen, unterschiedlichen Kulturen in Kontakt gekommen sei. Sie sei eine beliebte, aktive und kritische Schülerin gewesen, die in der Schulgemeinschaft sehr gut integriert gewesen sei. "Wir alle, Schüler und Lehrer, sind wirklich sehr betroffen. Nicht nur nach der Todesmeldung, sondern schon seit ihrer Entführung", sagt Schulleiterin Christiane Kociszewska.
Sie störe vor allem, dass dieses Verbrechen als "Ehrenmord" deklariert werde. "Es gibt kein Verbrechen, das mit dem Begriff der Ehre zu erklären oder zu entschuldigen ist", betont Kociszewska. Natürlich werde über Arzus Tod auch in der Schule gesprochen. Doch auf den Einsatz eines Schulpsychologen habe die Schule verzichtet, da Arzu keine aktuelle Schülerin sei.
Gegenwärtig besucht eine jüngere Schwester der Ermordeten die Geschwister-Scholl-Schule. Auch hier habe die Schule keine besonderen Maßnahmen ergriffen. "Wir bemühen uns um größtmögliche Normalität", so Kociszewska. Vom Unterricht freistellen könne die Schule die Schwester nicht, das sei eine Entscheidung der Eltern.
Auch unter den Schülern sowie in der Schülervertretung (SV) ist die Fassungslosigkeit groß. "Wir kannten Arzu", sagt Schulsprecherin Svenja Mundhenk. Sie sei voll integriert gewesen. "Daher war der Schock nach der Meldung noch größer", sagt Mundhenk. Im Unterricht werde der "Mord an Arzu" nicht thematisiert, aber auf dem Schulhof sei es ein Thema, bestätigt SV-Mitglied Marvin Hupert.
Am Freitag findet um 19 Uhr der Trauergottesdienst in der Friedenskirche Remmighausen statt.
Für Samstag hat Serap Cileli vom Menschenrechtsverein "peri" zu einem Trauermarsch aufgerufen. Er startet um 16 Uhr an der Bäckerei Müller und führt über die Hornsche Straße bis zum Markt. Mehrere Frauen-Organisationen, aber auch "Pro-NRW" haben sich dem Aufruf geschlossen. Die Polizei sichert die Kundgebung ab, habe aber bisher keine Hinweise auf Tumulte und deshalb keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, hieß es.
Der Fall Arzu Özmen
Sechs Stunden lang vernommenDer 24-jährige Bruder, zweifacher Familienvater aus Steinheim, hat als erster der fünf in Untersuchungshaft sitzenden Geschwister eine Aussage zur Tatnacht gemacht. Die Details der sechsstündigen Vernehmungen bestätigte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag.
Demzufolge haben die Geschwister Arzu in der Nacht zum 1. November aus der Wohnung ihres Freundes verschleppt. Der 24-Jährige sei dann mit dem jüngsten Bruder nach Steinheim gefahren. Dort sollte Arzu später hingebracht werden, um ihr klarzumachen, dass die Beziehung zu dem Nicht-Jesiden Alex nicht möglich sei.
Zu den Todesumständen sagte der 24-Jährige nichts. Sein Anwalt Delev Binder sagte, einen Antrag auf Haft-Entlassung werde er nicht stellen.
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