Montag, 21.05.2012
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03.02.2012
DETMOLD - UPDATE
Fall Arzu Özmen: Neue Details zur Entführungsnacht
Eltern sind nach LZ-Informationen auf dem Weg in die Türkei
VON HUBERTUS GÄRTNER

Neue Details | Foto: Preuss

Detmold/Bielefeld. Die kurdische Jesidin Arzu Özmen (18) ist möglicherweise doch nicht nach einem gemeinsamen Beschluss des gesamten Familienrates ermordet worden. Zumindest der beschuldigte Bruder Kemal (24) wurde jetzt teilweise entlastet. Sein Bielefelder Stratfverteider Detlev Binder nahm nun ausführlich Stellung zu den Aussagen seines Mandaten.

Unterdessen sind die Eltern der getöteten Arzu Özmen auf dem Weg ins osttürkische Midyat zusammen mit einem Onkel von Arzu. Berichte, denen zufolge, die Eltern nicht an der Beerdigung teilnehmen würden, sind offenbar nicht richtig, sagte eine Verwandte gegenüber der LZ.  

Wie bereits berichtet, hat das Amtsgericht den Haftbefehl gegen Kemal Özmen mit Auflagen außer Vollzug gesetzt, weil Kemal Özmen als einziger Beschuldigter in Vernehmungen Angaben zur Sache gemacht und zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen habe. "Die nunmehr vorliegenden Ermittlungsergebnisse legen es nicht mehr nahe, diesen Beschuldigten als Mittäter der Geiselnahme oder gar der Tötung seiner Schwester zu sehen", sagte Kempkes.

Den Aussagen seines Rechtsanwalts zur Folge, hat Kemal Özmen, der mit seiner Frau, zwei kleinen Kindern und dem Bruder Kirer (25) in Steinheim (Kreis Höxter) wohnt, am 31. Oktober 2011 gegen 22 Uhr einen Anruf von seiner Schwester Sirin (27) erhalten. Sirin habe mitgeteilt, dass sich die jüngere Schwester Arzu bei ihrem deutschen Freund in Detmold-Remmighausen aufhalte. "Sie muss da weg, wir brauchen dich auch", habe Sirin am Telefon gesagt.

Schreckschusspistole mitgenommen

Anschließend habe sich Kemal Özmen zusammen mit seinem Bruder Kirer auf den Weg gemacht. Kirer habe eine Schreckschusspistole mitgenommen. Das Ziel von Kemal Özmen sei es gewesen, seine Schwester Arzu von ihrem deutschen Freund zu trennen und sie für einige Zeit bei seiner Familie in Steinheim unterzubringen, sagte Verteidiger Binder.

Kemal und Kirer seien dann nach Remmighausen gefahren. Vor der Wohnung hätten auch schon die Geschwister Sirin, Osman (22) und Elvis (21) gewartet. Eine Stunde habe man draußen vor der Tür gehockt. Dann habe man sich entschieden, in die Wohnung einzudringen.

Weil Kemal als einziger keine Maske mitführte, sollte er ursprünglich draußen bleiben. Dann habe Sirin an der Tür geklingelt. Alexander K. habe diese zunächst einen Spalt weit geöffnet. Dann seien die Ereignisse eskaliert. Man habe die Tür aufgetreten, Kemal habe eine Fensterscheibe zerschlagen und sei ebenfalls in die Wohnung eingedrungen. Drinnen habe sich Arzu an ihrem Freund festgeklammert. Jemand habe Alexander K. eine Flasche über den Kopf geschlagen. Dann habe man Arzu von ihm losgerissen und an Händen und Füßen aus der Wohnung getragen.

Arzu habe sich heftig gewehrt

Kemal Özmen habe ausgesagt, dass anschließend einer seiner Geschwister mit dem blauen VW Golf der Familie vorgefahren sei. Dort hinein sei Arzu, die sich heftig wehrte, verfrachtet worden. Anschließend seien Kemal Özmen und Elvis zur Wohnung nach Steinheim zurückgefahren. Man habe erwartet, dass die übrigen Geschwister zusammen mit Arzu bald nachkommen würden.

Als das nicht geschah, habe Kemal Özmen vergeblich versucht, zu ihnen Kontakt aufzunehmen. Am 1. November gegen 2 Uhr nachts habe Kemal dann einen Anruf seines Bruders Osman erhalten. "Mach dir keine Sorgen, ich bin auf der Autobahn", habe Osman gesagt und aufgelegt. Angeblich weiß Kemal nicht, was in der Nacht mit seiner Schwester Arzu geschah.

Alle fünf Geschwister wurden in der ersten Novemberwoche festgenommen. Am 13. Januar wurde Arzus Leiche auf dem Golfplatz in Großensee zwischen Hamburg und Lübeck gefunden. Sirin, Kirer, Osman und Elvis sitzen noch in Untersuchungshaft. Bislang haben sie geschwiegen.

"Nicht widerlegbar" dürfte der Beschuldigte Kemal Özmen davon ausgegangen sein, dass seine Schwester Arzu "lediglich zum Zwecke der ,Kopfwäsche' aus der Wohnung ihres Freundes in seine gebracht werden sollte", teilte der Detmolder Oberstaatsanwalt Michael Kempkes mit.

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Kommentare
@wassolldas, volle zustmmung. wir reden hier von einer durchgeplanten entführung und mord aus heimtückisch niederen beweggründen. und die an der tat beteiligten tun so scheinheilig dahar das es einen anwidert. wo war die mutter, die gemeinde als arzu hilfe brauchte? hoffentlich sucht sie das bild der toten arzu immer und immer wieder heim und sie finden keine ruhe für den rest ihres erbärmlichem daseins!!

Details aus der Entführungsnacht schön und gut, aber warum habe ich ständig den Eindruck, hier soll ein bodenlos kriminelles Verhalten entschuldigt werden? Sie habe sich heftig gewehrt- Natürlich hat sie das. Warum wird das hier mitgeteilt? Steckt darin vielleicht der "Selbst schuld"-Gedanke? Etwa so:Selbst schuld, wenn sie brav mitgekommen wäre, dann wäre die Situation nicht eskaliert? Allein die "Kopfwäsche" hier immer wieder zu erwähnen ist doch wohl überflüssig. Was für eine Verharmlosung von Nötigung, Geiselnahme, Entführung und anschließenden Mord. Und übriges: Der Anwalt tut den einsichtigen und humanen Jesiden keinen Gefallen, wenn er die Solidarität unterstreicht, die die Familie von Seiten jesidischer Gemeindemitglieder erfährt.



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