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26.01.2012
LEMGO
Front gegen den Nationalpark steht
Waldbauernverband sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen bestätigt
VON DIETER ASBROCK

Nationalpark-Gegnerin: Beatrix Boekstegers. | Foto: Asbrock

Lemgo-Matorf. Kämpferische Stimmung beim Waldbauerntag im Saal Hartmann in Matorf: Die Nationalpark-Gegner sind sehr zufrieden mit ihren Erfolgen. Und sie wollen nicht  locker lassen.

"Der Waldbauernverband war die Keimzelle des Protestes gegen den Nationalpark", rief Vorsitzende Beatrix Boekstegers den über 150 anwesenden Landwirten zu. Aus den 3.300 Unterschriften, die man vor einem Jahr gesammelt habe, habe die Bürgerbewegung Teutoburger Wald 25.000 gemacht.
  Sie war erfreut, dass die IHK Detmold sich auf die Seite der Nationalparkgegner geschlagen habe. Enttäuschend fand sie eine Anhörung  im Landtag: "Die Politiker sind schlecht informiert, können Naturpark und Nationalpark nicht unterscheiden." Ihr Fazit: "Wir müssen weiter gut informieren und sachlich diskutieren."

Stephan Prinz zu Lippe ging auf die politischen Ereignisse der letzten Tage ein. Noch am 16. Januar habe der Kreisausschuss von Konsens gesprochen, Landrat Friedel Heuwinkel habe die unwahre Behauptung verbreitet, mit ihm über Tauschflächen gesprochen zu haben. "Aber unsere Politiker haben keine Demonstration von solcher Wucht erwartet, wie sie am Samstag in Detmold stattgefunden hat."

So habe der Kreistag sich am Montag, 23. Januar, in einen Schlichtungsversuch geflüchtet, der - da war er sich mit Boekstegers einig - nicht zum Nationalpark führen wird. Er und die Stadt Horn-Bad Meinberg würden keinesfalls Flächen dafür abtreten. Er kritisierte, dass Heuwinkel mit Staatssekretär a.D. Günter Koslowski ausgerechnet den Anwalt zum Schlichter berufen wolle, der zuvor die Nationalpark-Befürworter vertreten habe.

Johannes Glitz hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl: "Wir in Kempen wären am meisten von einem Nationalpark betroffen", polterte er. "Wir werden nicht aufhören, zu kämpfen." Dass ein Nationalpark Touristen anlockt, hält er für Quatsch: "Mit einem toten Wald können wir nicht punkten."

Aber die Versammlung hatte auch die "normale forstwirtschaftliche Lebenswirklichkeit" auf der Tagesordnung. Dazu gehörte ein Ertrag von 66.000 Festmetern Holz aus lippischen Wäldern, 50 Prozent mehr als 2009, was Forstdirektor Franz Stockmann als "eine unglaubliche Leistung" bezeichnete. Weiteres wichtiges Thema war die Entwicklung auf dem Holzmarkt, die Forstdirektor Lammert über die verschiedenen Baumarten hinweg bewertete. Forstdirektor Dieter Jünemann schließlich sprach über Arten- und Biotopschutz in der Waldbewirtschaftung und gab den Landwirten Tipps.

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Kommentare
@ Dr. L.:
Zum Thema Feldlerche, die bekanntlich ein Bewohner offener Flächen und nicht des Teutoburger Waldes ist:
Anstatt den Versuch zu unternehmen, den vorbildlich und nachhaltig bewirtschafteten, artenreichen und ökologisch gesunden Teutoburger Wald in einen Traum von einem Buchenwald zu verwandeln, der nur auf ideologisch inspirierten Vorstellungen beruht, sollten die 'Naturschutzverbände' und der Kreis Lippe ihren Fokus besser auf die offenen Flächen in unserem Kreis richten. Dort findet nämlich der große Artenschwund unserer Zeit statt.

Übrigens ist das Hauptziel eines Nationalparks nicht die touristische Entwicklung einer Region. Daher sind die Erfolge der deutschen Nationalparks in dieser Hinsicht auch sehr zweifelhaft. In den bayerischen Nationalaparks sind die Touristenzahlen seit Jahren rückläufig, so dass sogar einige Gemeinden im Bayerischen Wald den Nationalpark gerne wieder beseitigt sähen. Auch im Nationalpark Eifel lässt der erwartete Touristmus-Boom noch immmer auf sich warten.

Für Lippe wäre ein gutes Naturschutz- und Touristmuskonzept kostengünstiger und zielführender als ein Nationalpark im Teutoburger Wald.

@Dr.L. die Feldlerche brütet in der Senne , dort wo die Panzerfaher das fahren üben, dort mitten drin fühlt sich diese Feldlerche wohl. der Grauspech hat eine größere Lebensraumtoleranz , er lebt in abwechslungsreichen Mischwäldern bis hin in den Gartenbereich - auch Nadelbäume bieten wichtigen Schutz im Winter. Aber die von Ihnen genannten Tiere benötigen keinen Nationalpark - sie können auch ohne einen NLP in Teuto-Egge-Senne leben und tun es bereits! Für Naturschutz aber gegen einen unnützen NLP.

Kaum zu glauben, leben wir im letzten Jahrtausend? Die Diskussionen sind immer die gleichen, wenn es um den Schutz unserer Natur geht. So genannte Konservative bewahren Besitzstandsinteressen und werden darin bestärkt, weil alle glauben, dass ihnen die Freiheit genommen wird, kreuz und quer durch den Wald zu laufen (wer macht das wirklich). Statt einmal zu bedenken, was gerade in Lippe in den letzten Jahrzehnten an Artenschwund festzustellen ist. Wo singt denn noch eine Feldlerche, wo brüten noch Grauspechte (was für Dinger? Was nützen die uns?). Wenn es heißt, der Nationalpark schade ökonomisch, sollte man einmal bedenken, dass es eher zu einer Verschiebung der Wertschöpfung kommt, mehr Tourismus, weniger Forstwirtschaft. Das ist in vielen Nationalparken nachzuvollziehen. Der Lebensraum Buchenwald in Mitteleuropa ist einmalig in der Welt und daher besonders schützenswert, da sollten wirtschaftliche Interessen weniger vielleicht auch einmal zurück stehen. Besonders krass finde ich, dass sich plötzlich Menschen engagieren, die sich für sonst nicht einsetzen, und es gibt genug Dinge auf dieser Welt, die WIRKLICH schief laufen, aber was kümmert es? Hauptsache, ich kann durch den Wald rennen, wie ich will. Willkommen im nachhaltigen 21. Jahrundert...

@ Jochen:

Es gibt auch Menschen, die sich abseits der Wege bewegen, um Beeren oder Pilze zu sammeln sowie Orte im Wald aufzusuchen, die auf Wegen nicht erreichbar sind. Der entscheidende Punkt ist aber, dass das Wegenetz in einem Nationalpark in der Regel drastisch zusammengestrichen wird. Somit können die Menschen in einem Nationalpark zwar noch auf Wegen durch den Wald gehen, aber auf deutlich wenigeren als zuvor.
Ich kann KS nur beipflichten: Die ökologischen Argumente gehen in der Diskussion um den geplanten Nationalpark ziemlich unter. Vielleicht gibt es auch gar keine.

@ neutraler Beobachter:
Um den Bestand des Teutoburger Waldes in seiner heutigen Form braucht man sich keine Sorgen zu machen. In der deutschen Forstwirtschaft gilt seit Jahrhunderten das Nachhaltigkeitsprinzip: Es wird nur so viel Holz pro Jahr geerntet, wie im selben Jahr auch wieder nachwächst.
Man kann den Waldbauern ihre wirtschaflichen Interessen aus meiner Sicht nicht vorwerfen. Der Prinz zur Lippe wird aus seinem Forst zum Beispiel die Instandhaltung des Detmolder Residenzschlosses oder des Mausoleums seiner Familie finanzieren. Und dies ist sein gutes Recht. Das Eigentum ist durch das Grundgesetz geschützt und fundamentale Grundlage eines demokratischen Gemeinwesens. Niemand hat das Recht über das Eigentum eines Anderen zu verfügen und niemand muss sich rechtfertigen, warum er sein Eigentum für einen geplanten Nationalpark nicht zur Verfügung stellen möchte.
Dass die Waldeigentümer ihre Forste für den Lebensunterhalt benötigen, wird oft nicht bedacht.



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