"Anu Theater" entführt Salzufler in den Schattenwald

Das „Theater Anu“ aus Berlin hat den Wald oberhalb des Stumpfen Turms mit selbst gebauten Kulissen und Lichtinstallationen in eine Märchenlandschaft verwandelt

Daniel Hobein

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Schwarz und weiß: Ein „Theater Anu"-Schauspielers, der zuvor ordentlich in den Schminketopf gegriffen hatte, starrt das Publikum an. - © Daniel Hobein
Schwarz und weiß: Ein „Theater Anu"-Schauspielers, der zuvor ordentlich in den Schminketopf gegriffen hatte, starrt das Publikum an. (© Daniel Hobein)

Bad Salzuflen. Auf eine Reise durch die Welt der Märchen haben sich am Freitag- sowie am Samstagabend einige Hundert Besucher begeben. Der Landschaftsgarten und der Wald rund um den Stumpfen Turm wurden zur Kulisse eines beeindruckenden Schauspiels.

Start des besonderen Abenteuers war direkt am Gustav-Horstmann-Sprudel. In Gruppen von je 25 Personen ging es anschließend oberhalb des Dammwildgeheges über einen mit 2000 Mini-LEDs beleuchteten Weg. „Alleine hätte ich hier aber auch Angst", scherzte Juliane Hoch. Mehr Zeit zur Sorge blieb allerdings nicht: Die Mitarbeiter des „Anu Theater" aus Berlin verteilten an jeden Gast eine kunstvoll verzierte Laterne, die auch im dunklen Wald für ein wenig Licht sorgte.

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Ensemble tourt durch Deutschland
Das Berliner „Anu Theater" hat sich auf Aufführungen spezialisiert, die meist im öffentlichen Raum stattfinden und mit speziellen Licht- und Schatteninszenierungen funktionieren. Die Poesie nimmt dabei eine große Rolle ein. Die Schauspieler verstehen sich dabei als Vermittler, um die Kunstform des Versöhnens des Menschen mit seiner Welt zu fördern. Mit dem Stück „Schattenwald" tourt das Ensemble derzeit durch Deutschland. Rund zehn Wälder wurden alleine in diesem Jahr beleuchtet und bespielt. Auftakt für diese Serie war 2013 die Veranstaltungsreihe „200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm".

Im „Schattenwald" selbst, den die Künstler seit Donnerstag aufwendig aufgebaut hatten, wurden nur die Protagonisten ins rechte Licht gesetzt. Die neun Schauspieler waren in die Rolle von Raben geschlüpft, die den Spalt in die Welt der Fabeln und Märchen öffneten. „Kommt her, ihr Holzfällerkinder", riefen sie den Teilnehmern zu, um sie als Führer durch ein kleines Wandstück zu begleiten.

Festes Schuhwerk war dabei ebenso von Vorteil wie ein Partner, der einem zur Seite stand, falls einen doch die Angst übermannte. Egal ob Geschichten vom Froschkönig oder Märchen über die Macht von Riesen: Die Schauspieler des „Anu Theaters" bedienten sich vielfach der alten Sprache, um ihre Botschaft und die Achtung vor der Natur zum Ausdruck zu bringen. „Alles verstanden habe ich auch nicht, aber es ist toll, die alte Sprache mal wieder zu hören", lobte Anke Rissland die Premiere im Salzufler Forst. Während ihr die Inszenierung gut gefallen hat, störte sie jedoch das Verhalten einiger Besucher: „Das manche Menschen das Smartphone nicht einfach in der Tasche lassen können."

Sabine Mirbach, die den „Schattenwald" im Auftrag des Kulturbüros der Stadt und des Staatsbads an den Stumpfen Turm geholt hat, war mit der Premiere sehr zufrieden: „Es ist toll, wie sich die Leute drauf eingelassen haben, und es ist zugleich eine Premiere, dass so etwas hier im Landschaftsgarten passiert." Die Veranstaltung am Wochenende soll zudem Pate für das kommende Jahr stehen, in dem der kostenpflichtige Teil des Kurparks umgebaut wird und der Landschaftsgarten stärker in den Fokus gerückt werden soll.

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