Tanztheater "Let's Rock" bringt David Bowie auf die Bühne

Barbara Luetgebrune

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Tolles Ensemble: Gaëtan Chaillly und die Tänzer der Ballett-Compagnie des Landestheaters auf der Bühne. - © Landestheater/Hupfeld
Tolles Ensemble: Gaëtan Chaillly und die Tänzer der Ballett-Compagnie des Landestheaters auf der Bühne. (© Landestheater/Hupfeld)

Detmold. Jede Menge Gänsehaut-Momente hat der Ballettabend „Let’s Rock" im Landestheater geboten. Mit üppigem Applaus dankte das Premierenpublikum den Tänzern um Richard Lowe, Regisseur und Choreograf des Abends, am Ende für ein so mitreißendes wie berührendes Porträt des Ausnahmekünstlers David Bowie.

Der Mann, der vom Himmel fiel: Ein Bett senkt sich von oben auf die Bühne herab, darauf festgebunden: ein Mensch mit Augenbinde. Gaëtan Chailly verkörpert den späten David Bowie, in diesem Fall auf dem Sterbebett, ganz so, wie dieser sich selbst in den Videos zu „Lazarus" und „Blackstar" inszenierte, seinem letzten Album, das genau zwei Tage vor seinem Tod erschien. Diese Szene ist eines von vielen Zitaten des Schaffens von David Bowie.

Das bleibt vermutlich nicht aus, wenn man einer Pop-Legende ein Denkmal setzen will, jemandem, der sein gesamtes öffentliches Leben als Kunstwerk inszeniert hat. Und das ist auch keine Schwäche. Richard Lowes große Leistung besteht darin, aus der überbordenden Fülle an Material, das David Bowie mit seinem Leben und Wirken geliefert hat, einen stimmigen, atmosphärisch dichten Tanzabend kreiert zu haben, der den Musiker und Schauspieler treffend charakterisiert.

Dazu zählt zu allererst der gelungene Ansatz, den Mann, der sich über 40 Bühnenjahre hinweg mit jedem Song, mit jedem Album neu erfand, in seiner Vielgestaltigkeit zu zeichnen. Neben Gaëtan Chailly, dessen großartige Auftritte sich durch den gesamten Abend ziehen, sind daher viele Alter Egos des Musikers zu erleben.

Die Tänzer der Ballett-Compagnie wirbeln in all jenen unterschiedlichen Outfits über die Bühne, die der Fan verwegener Mode-Erscheinungen im Laufe seiner Karriere geprägt hat. Glamouröser Abendanzug, lässiger Dandy-Style, Herrenkleid und schriller Schick: Ein Fest für Kostümbildnerin Tessa Veronika Janus, das diese genussvoll und opulent auskostet.

Die Bühne gestaltet Manfred Kaderk zurückhaltend. Sie lässt sich mit den seitlichen Batterien an Scheinwerfern und dem glitzernden Lametta-Vorhang im Hintergrund an in eine veritable Rockbühne verwandeln. Ansonsten gibt’s das Bett und einen Disco-Spiegel an der Decke, eine von zahlreichen unterschiedlich großen Spiegel-Varianten, die zentraler Bestandteil der Choreografie sind. Ein Symbol für das Leben im Rampenlicht, für einen Meister der Selbstinszenierung, aber auch für die lebenslange Suche des Künstlers David Bowie.

Diese schreibt Richard Lowe auch seinen fantastisch agierenden Tänzern in die Schrittfolgen. Er lässt sie rocken und rollen, akrobatische Anklänge wechseln mit fließenden Bewegungen und Elementen assoziativen Ausdruckstanzes in den vielen ruhigen Sequenzen des Abends. Grandios bringen die Tänzer Bowies Triumph-Momente auf die Bühne, aber vor allem auch seine Zweifel, seine Versagensängste, seine innere Zerrissenheit. Und immer wieder verschmelzen ihre Schatten mit den Silhouetten und Schemen in den Video-Einspielungen, mit denen Martin Kemner pointiert und einfühlsam das bewegte Bühnengeschehen unterstreicht, verortet und kommentiert.

Den Soundtrack des Abends bilden neben vielen Bowie-Titeln Stücke von musikalischen Zeitgenossen und Wegbegleitern. Philip Glass – souveräne Größe am E-Piano: Ruslana Pavlovska-Holowko – fügt sich hervorragend ein. Ein atmosphärischer Fremdkörper bleibt, wenngleich mitreißend choreografiert und dargeboten, die Tina-Turner-Nummer „Simply The Best".

„We can be heroes / Just for one day"? Von wegen – vielmehr: „It’s only forever, not long at all". Die Unsterblichkeit der Legende David Bowie unterstreicht Richard Lowe am Ende. Der Sterbeszene lässt er die rockige Nummer „Dancing in the Streets" folgen. Und nun lassen sich die Zuschauer endgültig mitreißen von der starken Energie auf der Bühne, die diesen Abend zu einem schillernden Theatererlebnis macht.

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