Mozart-Singspiel „Bastien und Bastienne“ erlebt eine gelungene Premiere

Thomas Krügler

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Spiel inmitten der Gäste: Sopranistin Angelika Gajtanovska sucht sich spontan einen Nebenbuhler aus dem Publikum. - © Thomas Krügler
Spiel inmitten der Gäste: Sopranistin Angelika Gajtanovska sucht sich spontan einen Nebenbuhler aus dem Publikum. (© Thomas Krügler)

Detmold. Krach im Café Gothland. „Dann geh doch!". Der wütende Satz rüttelt 80 Gäste wach. Die Protagonisten sitzen mitten unter ihnen, einer bedient als Kellner. Man weiß nicht so recht: War das echt oder gehört es zur Inszenierung? Die Grenzen zwischen Zuschauern und Darstellern verschmelzen. Die Atmosphäre ist ungemein intim.

Mit dem Singspiel „Bastien und Bastienne" von Wolfgang Amadeus Mozart hat der 15-jährige Ruben Michael seine erste Inszenierung auf die Bühne gebracht (die LZ berichtete). Und sein Regie-Debüt ist ein voller Erfolg. Dramaturg Uli Mangel gab wertvolle Tipps.

Information
Weitere Vorstellungen beginnen am 19. Oktober um 18 Uhr und am 25. Oktober um 18.30 Uhr im Café Gothland, Bruchstraße 27.

Das ursprüngliche Schäferidyll erhielt den gegenwärtigen Realismus einer Dreigroschenoper, Dialoge wurden entstaubt und das Geschehen in ein Café verlegt, was Charme verleiht. Einwürfe mit Lokalkolorit wie „die Leute aus Fissenknick" bringen Lacher. In nur zwei Wochen intensiver Probenarbeit entstand eine kompakte Inszenierung mit großem Unterhaltungswert.

Die Sänger der Musikhochschule beherrschen ihre Rollen professionell und überzeugen mit schauspielerischem Esprit. Mit Spielfreude und ausgelassener Komik finden sie Kontakt zum Publikum. Angelika Gajtonovska (25) verleiht dem Stück als eifersüchtige Bastienne viel Glanz. In guter Textverständlichkeit erstrahlt ihr glockenheller Sopran. Aus der Unschuld vom Lande wird eine Wodka trinkende emanzipierte Frau, die es den Kerlen zeigt.

Simon Herten (28) verkörpert einen Bastien, der nicht so recht weiß, wie ihm geschieht. Seine lyrische Tenorstimme passt gut dazu. Als Kellner steht er anfänglich im Hintergrund und bedient die Gäste. Die tollpatschigen Selbstmordversuche, mit denen er die Geliebte zurückerobern möchte, erregen Mitleid und zementieren die Opferrolle. Er kann nichts dafür, dass im entscheidenden Versöhnungsmoment die Nebenbuhlerin per Handy anruft und das Happy End mit drei Klingeltönen zerstört.

Sehr souverän agiert Barto-lomeo Stasch (29). Mit seinem fundamentalen Bass ist er die Idealbesetzung des Zauberers Colas, der aktuell Psychologe für Partnerberatung sein könnte. Lässig zieht er die Fäden im Hintergrund und täuscht mit Taschenspielertricks. Seine Zauberarie, bei der am Ende die Karten zu Boden fallen, zieht in den Bann. Er löst Probleme, indem er Konflikte steigert.

Musikalisch hält Min Gyu Song (23) am Klavier alles bestens zusammen und ersetzt ein ganzes Orchester. Der lustige Mozartknabe Wolferl hätte bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn in seiner Oper ein Handy klingelt oder Cola getrunken wird. Die Gäste waren jedenfalls vollauf begeistert.

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