Martin Kemner begeistert das Publikum

Raphael Bartling

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Glänzt in einer Doppelrolle: Martin Kemner wechselt virtuos zwischen den Partien der dementen Mutter und ihres Sohnes. - © Raphael Bartling
Glänzt in einer Doppelrolle: Martin Kemner wechselt virtuos zwischen den Partien der dementen Mutter und ihres Sohnes. (© Raphael Bartling)

Detmold. In einer Doppelrolle hat Schauspieler Martin Kemner bei der Premiere des Bühnen-Solos „Du bist meine Mutter" im Grabbe-Haus geglänzt. Das von Joop Admiraal 1981 verfasste Schauspiel befasst sich mit den Themen Demenz sowie Pflege im Alter und gibt einen besonnenen, mit Humor gespickten Einblick in Leben und Gefühlswelten von Betroffenen des psychiatrischen Syndroms und deren Angehörigen.

Knapp 40 Besucher sahen im Grabbe-Haus das Stück, welches die autobiographisch angelegte Geschichte eines in Amsterdam lebenden Schauspielers erzählt, der die wochenendlichen Besuche im Altenheim bei seiner an Demenz erkrankten Mutter als Aufhänger für ein Theaterstück nutzt.

Information
Das Stück ist erneut am 18. und 19. November, jeweils um 19.30 Uhr, im Grabbe-Haus an der Bruchstraße 27 zu sehen. Tickets: Tel. (05231) 974803.

Eine Besonderheit der Darbietung: Schauspieler Kemner schlüpfte sowohl in die Rolle des Sohnes als auch in die der tatterig daherkommenden Mutter. Allein, wie er sich als 54-jähriger Sohn in Windeseile und vor den Augen der Zuschauer, mit verstellter Stimme und entsprechend angelegter Kostümierung im Laufe der Vorstellung immer wieder in eine 80 Jahre alte Frau verwandelte, war eine eindrucksvolle Vorstellung.

Während seiner Stippvisiten hilft der Sohn seiner Mutter beim Essen, Anziehen und vor allem dabei, sich an die gemeinsame Vergangenheit erinnern zu können. Was folgt, ist eine gemeinsame Reise der beiden Figuren durch ihre Mutter-Kind-Beziehung, die Kemner mit einer großen emotionalen Bandbreite auf der Bühne darbrachte. Diese Emotionalität ging am Abend auch dem ein oder anderen Besucher nahe, denn viele der Dialoge dürften Angehörigen von Demenzkranken so oder ähnlich durchaus vertraut vorgekommen sein.

So muss die Mutter ihren Besucher stets neu kennenlernen und kann sich nie an die vergangenen Aufenthalte ihres Sohnes erinnern. Besonders ergreifend geht es zu, als der sich verschlechternde Gesundheitszustand der alten Frau in dem Wortwechsel „Wer sind Sie überhaupt? – „Du bist meine Mutter" gipfelt. Oder als der Sohn das Zimmer der Mutter verlässt und diese an dem kargen Beistelltisch mit einem Strauß weißer Rosen einsam zurückbleibt.

Der gebürtige Dülmener Martin Kemner dürfte Detmolder Theaterfreunden noch aus seiner Zeit am Landestheater ein Begriff sein, wo er von 1988 bis 1991 engagiert war. Das Schauspiel „Du bist meine Mutter" inszenierte Theaterdirektorin Dorothee Starke für das Theater Hameln.

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