Das Hochschulorchester überzeugt auf ganzer Linie

Thomas Krügler

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Brillantes Spiel: Prof. Jacob Leuschner überzeugt als Solist des a-Moll Klavierkonzertes von Grieg durch nuancenreiche Tongebung. - © Thomas Krügler
Brillantes Spiel: Prof. Jacob Leuschner überzeugt als Solist des a-Moll Klavierkonzertes von Grieg durch nuancenreiche Tongebung. (© Thomas Krügler)

Detmold. Das Hochschulorchester unter Leitung von Prof. Florian Ludwig hat im gut besuchten Konzerthaus ein Konzert der Superlative auf die Beine gestellt. Nicht nur die Anzahl der Musiker und die dynamische Bandbreite, auch die Qualität der Leistungen überzeugte. Das Programm spannte einen beeindruckenden Bogen von der Neuen Musik zur Romantik.

Den Auftakt machte das Prélude für großes Orchester „Photoptosis" (Lichteinfall) von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970). Als Werk zwischen den Epochen ermöglicht diese Auftragskomposition der Sparkasse Gelsenkirchen 1968 „Lichtblicke" in unterschiedliche Registerfarben einer riesigen Orchesterbesetzung mit Celesta und Orgel.

Sphärischen Klängen stehen wuchtige Klangballungen in düsteren Farben gegenüber. Der Verzicht auf Entwicklung wird durch eingeblendete Zitate der Musikgeschichte von Bach, Beethoven, Wagner, Tschaikowsky und dem Pfingsthymnus „Veni creator spiritus" blitzlichtartig beleuchtet. Das Orchester spielte mit einer fesselnden Dynamik. Florian Ludwig hielt den Orchesterapparat durch gleichmäßig pulsierende Bewegungen souverän zusammen.

Genau 100 Jahre zuvor vollendete der norwegische Komponist Edvard Grieg das Klavierkonzert a-Moll op. 16. Robert Schumanns a-Moll-Klavierkonzert, interpretiert von Clara Schumann, gab hierfür die Initialzündung. Pianist Jacob Leuschner konzertiert international und ist ein gefragter Kammermusikpartner. Brillant und gesanglich formte er seine Soloeinsätze und harmonierte perfekt mit dem Orchester.

Im lyrischen Adagio bereiteten die Streicher einen idealen Klangteppich, über denen das Klavier zarte Kapriolen aufblühen ließ. Leuschner trat in einen beeindruckenden Dialog mit dem Orchester ein und ließ viele Klangfarbennuancen aufleuchten. Die Assoziationen an norwegische Natur akzentuierte er tänzerisch und vital. Für den tosenden Applaus bedankte sich der Pianist mit dem Chopin Nocturne op.55 Nr.2.

Drei Dinge faszinierten Nikolai Rimsky-Korsakow: Meer, Volkslied und Orient, die die große sinfonische Dichtung „Scheherazade" op. 35 (1888) vereint. Scheherazade ist im Märchen eine junge Frau, die ihrer Hinrichtung entgeht, indem sie dem Sultan spannende Geschichten erzählt. Die Musik zeigt, wie sie den Sultan zähmt. Die Musiker meisterten dieses Paradestück beeindruckender Solostellen hervorragend.

Solo-Violinist João Castro brillierte mit dynamischen Spiel. Die prägnant akzentuierte Orchestersprache fesselte die Hörer mit differenzierter Artikulation. Die gut abgestuften Klangebenen bröckelten etwas im dritten Satz. Zupackend meisterte das Orchester blitzschnelle Episodenwechsel. Das Publikum gab viel Applaus für den Gesamteindruck und die hervorragenden Solo-Leistungen. Dirigent Ludwig überzeugte auf ganzer Linie.

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