"Eines langen Tages Reise in die Nacht" feiert Premiere

Barbara Luetgebrune

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Grimmiger Blick, grimmiges Stück: So illustriert Theater-Grafiker Michael Hahn "Eines langen Tages Reise" von Eugene O'Neill, das im Grabbe-Haus Premiere feiert. - © Landestheater Detmold
Grimmiger Blick, grimmiges Stück: So illustriert Theater-Grafiker Michael Hahn "Eines langen Tages Reise" von Eugene O'Neill, das im Grabbe-Haus Premiere feiert. (© Landestheater Detmold)

Detmold. Die mitreißenden Konflikte einer Familie kommen im Detmolder Grabbe-Haus auf die Bühne. Am Donnerstag, 1. Dezember, hat dort Eugene O'Neills Stück "Eines langen Tages Reise in die Nacht" Premiere.

Der Autor habe seinerzeit per Testament verfügt, dass das Stück erst 20 Jahre nach seinem Tod aufgeführt werden solle, berichtet Dramaturgin Marie Johannsen. Es kam dann zwar anders - das Stück wurde 1956, drei Jahre nach dem Tod des Dramatikers, uraufgeführt und 1957 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Der Wunsch des Autors zeige aber, wie brisant der Stoff war. "O'Neill deckt darin schonungslos die Geschichte seiner eigenen Familie auf", sagt Marie Johannsen. Und die hat es in sich.

Information
Tickets gibt es an der Theaterkasse, in den LZ-Geschäftsstellen oder im Internet unter erwin-event.

Vier Protagonisten gehen der Frage nach, wer die Schuld am Unglück der Familie trägt, die im Stück den Namen Tyrone führt. Der Vater, einst ein gefeierter Schauspieler, der um des finanziellen Erfolgs willen sein Talent verraten hat und mit seinem zwanghaften Geiz die Familie tyrannisiert? Die Mutter, die die Zumutungen der Künstlerexistenz nur mit Hilfe von Morphium erträgt? Der älteste Sohn, der Bar und Bordell den Vorzug gegenüber einer geregelten Erwerbsarbeit gibt? Oder sein Bruder, dessen Geburt die Mutter beinahe das Leben gekostet hätte? "Je mehr die vier Protagonisten sich in Selbstbetrug üben, desto deutlicher wird: Jeder hat sein Quäntchen zum Verlauf der Familiengeschichte beigetragen", stellt das Landestheater der Produktion voran. "Es geht um den Grundkonflikt der Heimatlosigkeit. Daraus entstehen weitere Konflikte, die die Familienmitglieder einander nicht so leicht verzeihen können", sagt Marie Johannsen.

Die Geschichte werde innerhalb eines Tages erzählt - angefangen beim Frühstück, die Handlung endet spät in der Nacht. "Der Zuschauer wird zum Voyeur eines Tages in der Familie Tyrone, er kann sich als Mitglied fühlen", sagt Regisseur Ron Zimmering. Bei diesem Familiendrama sei die Figurenarbeit besonders interessant. "Der Fokus liegt auf den vier Spielern, aus den Beziehungen zwischen ihnen entsteht die Welt."

Die Proben hätten sie damit begonnen, über die Biographien zu arbeiten. Und die Probenarbeit finde direkt Eingang in die Inszenierung, berichtet der Regisseur. "Wir fangen an mit einer offenen Probensituation, die Zuschauer erleben, wie die Spieler sich dem Text nähern. Nach und nach steigen diese ein ins Spiel." Ganz bewusst will Zimmering mit der Frage spielen, ob die Bühnenakteure jeweils schon in ihrer Rolle sind oder nicht.

Entsprechend hält es Ausstatterin Lisa Kruse sehr reduziert. Durch alltägliche Gegenstände, die nach und nach ins Spiel einbezogen würden, entstehe im Spiel Schritt für Schritt ein Wohnzimmer - "rekonstruiert, aber doch immer wieder präsent", sagt die Ausstatterin.

Und es gibt ein Schlagzeug auf der Bühne. Lukas Schrenk, der den Sohn Edmund gibt, treibt mit seinem Schlagzeugspiel den Rhythmus dieses Tages voran. Es gebe zudem innere Monologe, die in gesungener Form etwas über die Gefühlswelt der Protagonisten erzählten, kündigt der Regisseur an. Neben Lukas Schrenk spielen Jürgen Roth, Kerstin Klinder und Hartmut Jonas.

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